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WSV: Wird als Fußballverein wahrgenommen

WSV : Wird als Fußballverein wahrgenommen

Betr.: der WSV und die Suche nach einem neuen Profil

Ist der WSV ein Sportverein oder ein Fußballverein?

Geht man vom Namen aus, sieht sich der WSV als Sportverein. Eher nein, betrachtet man die offizielle Internetseite: Hier steht die allein die 1. Mannschaft in der Fußball-Regionalliga im Vordergrund.

Auf der Startseite der vereinseigenen Homepage sucht man vergeblich nach anderen Sportarten, sieht man mal ab vom Jugendfußball. Eine Seite vom vielfältig aufgestellten Verein mit Futsal, Turnen und Frauenfußball finde ich hier nicht.

Dass ein Sportverein auch erfolgreich sein kann, beweist der BTV (Barmer Turn-Verein), der auch ohne eine Fußballabteilung ein großes Angebot an Sportarten seinen Mitgliedern bietet: Tischtennis, Basketball (mehrfacher Deutscher Meister und Europapokalsieger bei den Damen), Leichtathletik (Weltklassehochspringer Wolfgang Killing), Tanzen, Turnen, Rollsport und Ski/Fitness (mehrfache Deutsche Meistertitel im Orientierungslauf) und vieles mehr.

Vor einigen Jahrzehnten feierte der WSV neben Fußballbundesliga auch überregionale Erfolge in anderen Sportarten wie Handball und Tischtennis (Nationalspieler Kurt Braun und eine Damenmannschaft mit der zweifachen DDR-Meisterin Isolde Woschee, heute verheiratete Thiel, und Monika Wiskandt, später Lau). Wer kennt noch Manfred Kinder (Olympiamedaillengewinner über 400 Meter)?

Ich habe zum Glück eine sportbegeisterte Familie und Freunde, die mir von der Wuppertaler Sportgeschichte aus persönlicher Sicht viel berichten können, denn leider findet man darüber keine Informationen auf den verschiedenen Vereinshomepages der entsprechenden Vereine. So findet man auf den Seiten von Union Wuppertal nur Infos zum Fußball (heute Kreisliga), so zum Beispiel, welche Spieler zum Aufstiegsteam 1928 gehörten – und ganz nebenbei wird erwähnt, dass der Verein in den 50er Jahren zweimal Deutscher Damenmannschaftsmeister im Tischtennis wurde. Namen der Spielerinnen werden hier nicht genannt. Für diese Sportvereine zählt also nur der Fußball.

Hier sind wir also wieder beim WSV. Warum keine Namensumbenennung, wenn sie sich gerade ein neues Profil geben wollen? Dann steht auch drauf, was drin steckt. Nämlich Fußball.

Die zwischenzeitlich in den letzten Jahren wieder neu gegründeten Abteilungen wie Leichtathletik und Tischtennis sind schon wieder Geschichte, haben einen eigenen Verein gegründet oder die Mitglieder haben sich wieder anderen Wuppertaler Sportvereinen angeschlossen, wo man vielleicht nicht im Fußballtrikot antreten muss.

Vielleicht wird ja ein 1. FC Wuppertal oder ein Wuppertal FC ein Leuchtturm für Wuppertal, wie Friedhelm Runge es nennt. Leuchttürme für Wuppertal sind zur Zeit nur die Schwebebahn, die Historische Stadthalle und der Bergische Handball Club, der ja schon seine Hauptsportart im Namen trägt. Ein gutes Beispiel für den WSV, dann klappt es vielleicht mit der Vermarktung und der WSV wird wieder ein Aushängeschild für Wuppertal, wie zu den Bundesligazeiten in den 70er Jahren.

Den neuen Machern im WSV wünsche ich viel Glück und Weitsicht und den Klassenerhalt, der ja nach den letzten Erfolgen wieder möglich ist. Einen Aufstieg in Zukunft bitte ohne Schulden! Dass eine hoch verschuldete Fußballabteilung einen ganzen Verein zerstören kann, kann man gerade in Barcelona beobachten, da steht die europäische erfolgreiche Handballmannschaft vor einer sehr unsicheren Zukunft.

Zurück zur Frage vom Anfang: Ich glaube, der WSV wird von den Wuppertaler Bürgern als Fußballverein wahrgenommen. Jetzt wäre es an der Zeit, bei der geplanten Neuausrichtung ein Zeichen zu setzen.

Susanne Schäfer