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Probleme bei Impfterminvergabe: Vor Frust an die Decke gehen

Probleme bei Impfterminvergabe : Vor Frust an die Decke gehen

Betr.: Impfterminvergabe

Ostersamstag wurden die Leitungen zur Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein für Termine zur Impfung für über 60-Jährige freigeschaltet. Ab 8 Uhr konnte man sein Glück telefonisch oder online versuchen. Meine Frau übernahm das Telefonische und ich versuchte, online einen Termin zu ergattern. Am Vortag hatte ich uns schon registriert, um keine Zeit zu verlieren.

Pünktlich 8 Uhr waren wir bereit. Stundenlang hat meine Frau es telefonisch versucht und erwartungsgemäß nichts erreicht. Bis zum späten Nachmittag gegen 18 Uhr. Online hatte ich auch kein Glück. Es war mir klar, dass es viele versuchen würden und dass man nicht gleich zum Erfolg kam. Von 8 bis etwa 16 Uhr immer wieder das gleiche grinsende Gesicht auf dem Monitor.

Dann ab etwa 16 Uhr plötzlich ein Lichtblick. Die ersehnte Möglichkeit, einen Tag auszuwählen, hatte ich plötzlich vor Augen, nachdem ich wie immer in der vorhergehenden Maske die Impfung für meine Frau und mich ausgewählt hatte.

 Schnell war der Tag angeklickt und nach ein paar Sekunden erschien die Maske mit den für uns beide geplanten Tagen für die Erstimpfung und die Zweitimpfung in ein paar Wochen. Ich wunderte mich, warum wir beide mit den identischen Daten aufgeführt waren.

Nun hatte ich die Möglichkeit, an den vier aufgeführten Tagen eine Zeit auszuwählen. In der sich öffnenden Maske hatte ich die Möglichkeit, in der Zeit von X Uhr am Morgen bis XX Uhr am Nachmittag die ersten 30 Minuten vor Mittag oder die folgenden 30 Minuten nach Mittag auszuwählen. Zur Auswahl standen fast alle ...

 Ohne zu überlegen, klickte ich die erste Möglichkeit an. Nun dauerte es deutlich länger als eine Minute (eine Ewigkeit für einen schnellen Rechner) und es erschien die Mitteilung, dass leider kein zusammenhängender Termin für meine Frau und mich gefunden werden konnte. Ich möge doch bitte eine neue Zeit auswählen.

Jetzt wurde mir klar, warum alles sooo lange gedauert hatte. Als Normalmensch, der schon einmal einen Termin gemacht hatte, weiß man, dass es so nicht geht! Als technisch vorbelasteter Mensch war mir sofort klar, dass der Programmierer nicht einen blassen Schimmer von Terminierung hatte. Die Tatsache, dass nach der Auswahlmöglichkeit für den Doppeltermin derart viele Zeitpunkte zur Auswahl standen, deutete schon auf diese Chaos-Programmierung hin.

 Wenn der Tag feststeht, werden die möglichen Zeiten für die Doppelimpfung genannt und dann angenommen oder verworfen – so einfach ist das und so wird es überall gemacht.

 Langer Rede, kurzer Sinn: Mit diesem Schrottprogramm, das wahrscheinlich nicht viel kosten durfte, ist dieser Ansturm nicht zu bewältigen.

 Sicher ist jedenfalls, dass die typisch deutsche Bürokratie, die ohnehin mehr als übertrieben ist, durch diese Meisterleistung der Datenverarbeitung noch sinnvoll ergänzt wird.

Kein Wunder, dass viele Bürger mittlerweile vor Frust an die berühmte Decke gehen.

 Bernd Herbst