Leserbrief „Mit Schulpolitik im Interesse der Jugend nichts zu tun“

Wuppertal · Betr.: Kaufhof-Gebäude und Else-Gesamtschule

Eine Planungsskizze für einen (umstrittenen) Else-Umzug an den Neumarkt.

Eine Planungsskizze für einen (umstrittenen) Else-Umzug an den Neumarkt.

Foto: Coinel

Schildbürgerstreiche gibt es immer wieder, da kann die Stadt Wuppertal nicht hintanstehen. Jeder Streich hat seinen eigenen Ursprung. Hier ist es der Düsseldorfer Regierungspräsident, der mit ernster Miene anmahnt, dass in Wuppertal zu wenig für die Schulen getan werde. Selbstverständlich vergisst er darauf hinzuweisen, dass die Landesregierung und der Bund den Kommunen viel zu wenig Geld geben. Sie haben damit zu tun, den Unternehmen wie Krupp Milliarden zu geben, damit diese ihren Profit absichern und Massenentlassungen durchführen. Vom ehemaligen Kaufhof-Eigner ganz schweigen …

Was tun, spricht nicht Zeus, sondern OB Schneidewind mit der Stadtverwaltung, liegen ihnen doch Jugend und Bildung so sehr am Herzen! So kommt es zu erstaunlichen Plänen. Nachdem über ein Jahrzehnt die dringend nötige Sanierung der Gebäude der Gesamtschule „Else“ verschleppt wurde, ja nicht einmal Alternativen für eine kurzfristige Verlegung aus dem maroden Gebäude geschaffen wurden, gibt es einen Vorschlag von Uwes Resterampe: Schule als Event in den ehemaligen Kaufhof verlegen!

Was für ein genialer pädagogischer Plan, wie das Foto zeigt! Schon der Pausenhof auf dem Dach vermittelt den Eindruck eines Stalls für freilaufende Hühner. Und das bisschen Grün wird in der Steinwüste ein besonderes Privileg der über 1.000 Benutzer, die sich richtig frei entfalten können – wieviel Fläche hat dann jedes Kind?

Die Schulräume sind sicherlich großzügig geplant, mit Gruppenzimmern dabei für eine differenzierende Pädagogik – oder reicht dafür der Platz nicht? Egal, Raum ist in der kleinsten Hütte! Dunkle Räume, teils ohne Tageslicht, fördern bestimmt die Konzentration auf den Unterricht. Räume für die Sammlungen der Naturwissenschaften: unnötig; man kann ja alles am Laptop ansehen. Ein praxisorientierter pädagogischer Ansatz muss auch nicht sein. Und wenn, dann kann man Unterrichtsgänge in die Fußgängerzone machen, die aufregende Abenteuer versprechen wie zum Beispiel Zählung der Handyläden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass keine Mensa mehr nötig ist. Wenn man mit McDonald‘s und Burger King und den Dönerbuden Lieferverträge abschließt, ist für jeden etwas dabei. Dass das Kollegium geschlossen gegen die Pläne ist, auch weil es zu viel Ablenkung ringsum gibt – geschenkt. Da tobt doch ringsum das Leben und in der Schule lernt ja für das Leben, nicht wahr!

Eine überragende Idee ist auch die Finanzierung durch private Partner – das erfreut schon Clees mit der Bahnhofsdirektion am Hauptbahnhof. Es sind ja wahre Menschenfreunde, die nichts verdienen wollen, sondern nur helfen … Und dass sie schneller im Bauen sind, ist sehr verständlich, weil sicherlich in zehn Jahren keine Ausschreibung möglich war?! Dass es an Geld mangelt, ist ja nur teilweise richtig. Denn für andere Projekte wie die sagenhafte Hängebrücke sprudeln Zuschüsse. Schilda 2.0!

Nein, mit einer Schulpolitik im Interesse der Jugend hat das nichts zu tun, nur mit Mängelverwaltung. Ach übrigens, die Original-Schildbürger haben sich nach Erich Kästner nur dumm gestellt, um der Obrigkeit nicht dienen zu müssen …

Walter Kolbe, ehemaliger Lehrer an der „Else“

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