1. Kultur

Wuppertal: Hans-Christian Schink im Von der Heydt-Museum

Aktuell im Von der Heydt-Museum : Besondere Kunst-Begegnung

Mit der „Freundschaftsanfrage No.1“ ist im Von der Heydt-Museum eine neue Ausstellungsreihe gestartet, bei der zeitgenössische Künstler sich mit den Beständen des Museums auf individuelle Weise auseinandersetzen. Den Auftakt macht der 1961 in Erfurt geborene Fotograf Hans-Christian Schink.

Dabei begegnen sich in mehreren Räumen Schink-Arbeiten aus den vergangenen zwei Jahrzehnten und bedeutende Bilder der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Die Wirkung dieser oft überraschenden Gegenüberstellungen ist erstaunlich und fesselnd – nicht nur in Sachen der Mischung (über-)großer und kleinerer Formate. Vor allem die Art und Weise, wie Kunstformen, zwischen denen mehr als 200 Jahre liegen, miteinander „sprechen“, lässt streckenweise ganz neue Blicke möglich werden. 

Hans-Christian Schinks klarer Schwerpunkt ist die (stets menschenlose) Landschafts- oder Stadtlandschaftsfotografie. Zahlreiche Bilder aus seiner in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg entstandenen Serie „Hinterland“ treffen im Von der Heydt-Museum auf Pioniere der Moderne wie Caspar David Friedrich, Ferdinand Hodler, Edvard Munch, Claude Monet, Paul Cézanne oder Vincent van Gogh.

Außerdem zu sehen sind Ausschnitte aus Hans-Christian Schinks Serie über die heutigen Reste des altrömischen Aquäduktes „Aqua Claudia“, die mitten in gegenwärtigen Stadtbezirken entstanden sind. Ihnen gegenüber gestellt sind klassische Malerei-Italienszenen des 19. Jahrhunderts.

 Oswald Achenbach: "Pinien", um 1850
Oswald Achenbach: "Pinien", um 1850 Foto: Von der Heydt-Museum
  • Zwischen Lemmersdorf und Kleisthöhe, 2016, aus
    Von der Heydt-Museum : Künstlergespräch mit Hans-Christian Schink
  • „Die gelbe Kuh“ von „Blauer Reiter“-Mitglied
    „Brücke und Blauer Reiter“ : Von der Heydt-Museum: „Etwas wirklich sehr Besonderes“
  • Emmy Lischke (1860–1919), „Die Welle“, ohne
    Emmy Lischke: „Die Welle“ : Wuppertaler Bilder aus dem Von der Heydt-Museum (Nr. 4)

In den Dialog mit der Malerei des französischen und deutschen Naturalismus treten Schinks 2005 im Regenwald von Vietnam entstandene Baumkronen-Fotos. Die Malerei des Symbolismus korrespondiert auf sehr eindringliche Weise mit einer für Schink sozusagen ganz neuen Reihe: Seine Unterwasserlandschaften sind nicht etwa beim Tachen entstanden, sondern „nur“ durch das Hineinhalten der Kamera in (scheinbar) unscheinbare Tümpel und Wasserlöcher: Die dabei fotografierten Welten können es in Sachen Verwunschenheit mit Tiefsee-Situationen oder gespenstischen Märchen-Motiven durchaus aufnehmen.

An die Landung außerirdischer Flugobjekte erinnern dagegen die Bilder der Serie „1h“, bei denen Hans-Christian Schink mit der Technik der Solarisation den Lauf der Sone während einer Stunde über mehreren Schwarz-Weiß-Landschaften dokumentiert hat. 

Für Schink war die Arbeit an der Ausstellung, bei der er annähernd komplett frei aus der Sammlung des Museums schöpfen konnte, ein Anreiz für die Frage: „Wie ist eigentlich mein Sehen entstanden?“ Und für Museums-Direktor Roland Mönig, der betont, dass die Landschaftsmalerei schon zur Zeit der Entstehung des Von der Heydt-Museums ein bedeutender Schwerpunkt war, geht es bei dieser ersten „Freundschaftsanfrage“, der weitere folgen werden, „um die geistigen Zusammenhänge von Landschaften, Natur und Kultur im Zivilisationsprozess“. 

Übrigens konnten mit Unterstützung der Robke-Stiftung mehrere große Fotos der Schink-Vietnam-Wälder-Serie dauerhaft fürs Von der Heydt-Museum erworben werden.

Die sehr außergewöhnliche Ausstellung „Hans-Christian Schink – Freundschaftsanfrage  No.1“ läuft noch bis zum 10. Juli 2022.

Alles zum Thema Öffnungszeiten, Tickets, Eintrittspreise und aktuelle Corona-Regeln steht auf www.von-der-heydt-museum.de.