Wuppertaler und Zappa-Musiker: "Ein Salat aus allen Gemüsen"

Wuppertaler und Zappa-Musiker : "Ein Salat aus allen Gemüsen"

"Das", sagt Napoleon und setzt sich unter zwei Wolf-Erlbruch-Plakate mit Hase und Katze, "das hätte Frank verdammt gefallen." Mit Frank meint er einen der Großen aus der Hall of Fame des Rock 'n' Roll — Frank Zappa.

Und er selbst, der Sänger, Flötist und Saxofonist Napoleon Murphy Brock, war über viele Jahre Zappas Wegbegleiter. Und beinahe wäre Brock auch in Wuppertal aufgetreten ...

Ein wenig fühlt man sich wie im falschen Film: Dieser Mann, einer der musikalischen Helden der Jugend, sitzt einem tatsächlich dort gegenüber — im "Born Café" in Cronenberg, wo anscheinend niemand auch nur einen Schimmer hat, wer dieser Mann ist.

Auch dem Wuppertaler Komponisten und Pianisten Stefan Hüfner fehlen die wirklich passenden Worte. "Es ist wie ein Traum, mit ihm auf der Bühne stehen zu dürfen. Er spielt Zappas Stücke ohne Probe aus dem Gedächtnis, obwohl es eine extrem komplizierte Musik ist."

2011 hatte Hüfner als Professor der Folkwang Universität die Gelegenheit erhalten, Zappas Musik für das Essener Now!-Festival zu bearbeiten und mit einer zehnköpfigen Gruppe auf die Bühne zu bringen.

"¡Zappatta!", damals nur als einmaliges Projekt angelegt, fand den Weg auf eine CD und wurde auch zum Musikfestival "Zappanale" im Sommer 2019 eingeladen. Und nun, wie auf halber Strecke, erhielt Hüfner einen Anruf aus Rumänien.

Napoleon schüttet sich aus vor Lachen. "Rumänien war Quatsch, irgendein Fehler auf Skype. In Wahrheit saß ich im kalifornischen San Diego. Ein Freund hatte mir von der Formation erzählt, ich hörte mir die Musik an und dachte nur 'yeah, da mache ich mit‘." So flog er nach Deutschland, hörte die Musik live und dachte einen Schritt weiter: "Oh, yeah! Das ist so dicht an Zappa, wie man nur sein kann. Und vor allem haben alle riesigen Spaß an der Sache."

Spaß, in seinen Worten "sunshine and happiness", ist für den heute 73 Jahre alten Napoleon das ganze Geheimnis des Lebens. "Und es kostet nichts. Ich habe gar keine Zeit, negativ zu denken, krank zu sein und zu sterben."

Den unglaublichen Elan dieses Musikers spürt man mit jeder Silbe. Frank Zappa hatte ihn einst in Honolulu quasi von der Bühne in seine Gruppe "Mothers of Invention" geholt.

"Ich kannte den Mann gar nicht", erzählt er lauthals lachend. "Bis wir uns trafen, hatte ich gedacht, ich sei gut. Zappa sah in mir aber viel mehr, Dinge, die ich selbst nicht geahnt hatte. Ich hab' mich immer gefragt, wie er das alles in nur zwei Stunden begreifen konnte." Dann habe sich alles gefügt — wie von einer höheren Macht gelenkt. "Mach' einfach weiter wie bisher, ändere nichts, aber mach' es für meine Musik", hatte Zappa damals zu Napoleon gesagt und ihm beiläufig erzählt, dass auch George Duke mitspiele. "Mann, du verarschst mich!"

Er sagte zu, wusste aber noch nicht, welche Knochenarbeit es sein würde. "Diese Musik war ihrer Zeit um Längen voraus. Vielleicht fängt die Zeit für sie überhaupt nie an. Es war damals total neu, dass es in der Musik eine Choreographie gab. Das war Theater, und Theater ist Leben. Man muss Zappas Musik einfach erhalten."

Das passiert nun auf wundervolle Weise, auch wenn es laut Hüfner extrem schwierig ist, so viele Musiker aus allen Teilen Deutschlands zu gemeinsamen Terminen auf die Bühne zu bekommen.

Ein Auftritt in Wuppertal war vorgesehen, scheiterte aber leider an Problemen im Café Ada. Nun müssen Fans in eine der Nachbarstädte reisen, um Frank Zappas Musik zu hören, die Napoleon als einen "Salat aus allen Gemüsen" beschreibt.

"Ich liebe das deutsche Publikum. Die Leute sind wissbegierig, man wird gemocht. Besser geht's nicht."

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