Porträt des Naturfotografen Klaus Tamm.

Fotograf des Jahres: Ein Auge für Natur-Details

Es gibt die klassische Naturfotografie. Und es gibt Bilder von Klaus Tamm. Beide eint Flora und Fauna als Motiv und dennoch liegen Welten dazwischen.

Seit der Fotokünstler mit seiner Canon und dem 600-Millimeter-Teleobjektiv nicht nur durch die Wuppertaler Biotope streift, sondern quasi auf Weltreise durch die Natur geht, reihen sich nationale und internationale Auszeichnungen aneinander. Naturfotograf des Jahres, Finalist beim BBC-Wettbewerb „Wildlife Photographer of the Year“ und nun auch noch, nach dem für den deutschen Buchpreis nominierte Bildband „Grenzgänger“, sein neues Buch „Verwunschene Wildnis“: All das spricht offenbar dafür, dass hier einer nicht gerade mit Allerweltsfotografie von sich Reden macht.

Im Gegenteil – Klaus Tamm fängt das ein, was im Weltengetümmel meist verborgen bleibt. Und er fügt der Natur eine geheimnisvolle Dimension hinzu. Man sieht plötzlich Dinge, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Der Tau im Netz einer Spinne, in dem sich die Sonne reflektiert oder eine Schnecke, die an den Blütenblättern einer Margerite Halt sucht: Klaus Tamm hält mit seiner Kamera Augenblicke fest, die in einer schnelllebigen Zeit verloren gehen. Und dafür muss er noch nicht mal weit reisen, obwohl er es für einen Schnappschuss einer Pinguinkolonie schon bis auf die Falklandinseln geschafft hat. Auch der unberührten Natur in Norwegen und Schweden kann er einiges abgewinnen. Oft genügt aber schon der eigene Garten, um die Geheimnisse der Tier- und Pflanzenwelt einzufangen.

Geschätzte 50.000 Mal im Jahr drückt der Naturfotograf mit Wohnsitz in Vohwinkel auf den Auslöser. „Davon sind nur wenige Bilder wirklich gut.“ Er weiß selbst, dass nicht jeder Schnappschuss gelingt. Geheimnisvoll muss es sein, das optimale Foto. Und dazu noch melancholisch und mit verschwommenen Konturen. Wo andere sich mit dem Stativ abmühen, nimmt Klaus Tamm seine Canon einfach in die Hand. „Manchmal schaue ich noch nicht mal durchs Objektiv“, verrät er. Bewegung ist nicht nur erlaubt, sie ist sogar gewollt. „So entstehen interessante Effekte“, weiß der Fotokünstler.

Die Geburtsstunde seiner Leidenschaft fürs Fotografieren datiert Klaus Tamm in einen Urlaub in der Bretagne vor mehr als 20 Jahren. Damals hat ihm eine Mauereidechse im wahrsten Sinne des Wortes „den Kopf verdreht“. Drei Stunden starrte er auf die Mauerritze, in der sie verschwunden war. „Bis meine Frau mir gesagt hat, dass es jetzt mal genug sei.“

Die Eidechse tauchte nicht mehr auf, dafür nahm ein Hobby seinen Anfang. Waren es damals eher Tierdokumentationen, reizt ihn heute das Kreative am Fotografieren. „Ich mache viel über Blendenregulierung und die Belichtungszeit“, spricht er über technische Details. Von der analogen Fotografie konnte er sich lange Zeit nicht verabschieden. Am Computer bearbeiten möchte Klaus Tamm seine Aufnahmen nicht. „Daran habe ich keinen Spaß.“ Auch die Motive jenseits von Flora und Fauna reizen ihn nicht. Stattdessen sitzt er stundenlang im Auto, um vorbeilaufende Hasen vor die Linse zu bekommen. Er schätzt vor allem das Künstlerische: „Die besten Bilder sehen aus wie gemalt“, sagt er. Die Erlöse seiner Bilder fließen in die eigens zu diesem Zweck gegründete Aufwind gGmbH, mit der Klaus Tamm Naturschutzprojekte unterstützt.

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