Zwischen den Stadtteilen

In der "Oststadt" gehört ein Teil zu Elberfeld, der andere zu Barmen: Wuppertals größte Kleingartenanlage feiert im August ein stolzes Datum — den 100. Geburtstag.

Die Hardt wird als eines der schönsten Wuppertaler Natur-Juwele gepriesen. Am nördlichen Hang dieser grünen Lunge an der Nahtstelle der beiden Stadtteile Barmen und Elberfeld erstreckt sich Wuppertals größte Kleingartenanlage — die des Kleingärtnervereins (KGV) "Oststadt". Auf einer Fläche von elf Hektar, das sind 110.000 Quadratmeter , befinden sich 241 Kleingärten. Zum jetzigen Jubiläum gehört natürlich ein Rückblick — und der reicht bis 1915.

Der Erste Weltkrieg sorgte für Hunger und Armut. Die Verwaltung der Stadt Barmen (Wuppertal wurde erst 13 Jahre später gegründet) rief die Bürger dazu auf, Gartenland anzulegen und zu bepflanzen, um dem Mangel an Gemüse und Kartoffeln entgegenzuwirken. Aus dieser Versorgungsnot heraus geboren, wurde am 12. Februar 1916 eine Kleingartenanlage an der Hardt gegründet. 56 Kleingärten waren es seinerzeit — mit viel Fleißarbeit am Nordhang der Hardt hergerichtet.

Die Stadt hatte eine 26.200 Quadratmeter große Rasenfläche von den Erben des Gutsbesitzers Ritterhaus erworben und für drei Reichsmark — das entspricht laut Statistischem Bundesamt dem heutigen Wert von 3,50 Euro — an Interessenten, die sich mittels des Kleingartens selbst versorgen wollten, weiter verkauft.

1934 kam es zu einer weiteren Umstrukturierung: Im Zuge der Erneuerung der Hardt-Anlagen mussten einige Gärten rund um den Bismarckturm und beim früheren "Sachsenhäuschen" aufgegeben werden. Nach dieser städtischen "Enteignung" wurden 150 neue Kleingärten rund um die Siedlung des KGV "Oststadt" angelegt.

Von 1957 bis 1961 dann bauten die Mitglieder in tausenden von freiwilligen Arbeitsstunden ihr Vereinsheim fast in der Mitte ihrer schönen, sonnigen Anlage. Ein Kuriosum: Das Vereinsheim liegt mit seiner Postleitzahl in Elberfeld — und alle Kleingärten sind in Barmen zu Hause! Da die Post allerdings die "Laubenpieper" nie in ihr Verteilersystem aufgenommen hat, sieht man diesen bürokratischen Unsinn am Fuße des Heiligen Berges mit Gelassenheit — und erfreut sich vielmehr am herrlichen Blühen und Gedeihen der Pflanzen.

Hans-Werner Büchsenschütz ist mit seinen 90 Jahren der älteste "Oststadt"-Gartenbesitzer: "Ich bin auf dem Ölberg groß geworden, da ist nicht viel Grünes, deshalb haben wir uns vor 50 Jahren den Garten hier an der Hardt gekauft", erinnert er sich. Bohnen sät er nach wie vor, wenn sich die Eisheiligen verabschiedet haben. Ein Garten ohne Gemüse ist für den Senior eine Zweckentfremdung...

Das gilt nicht für alle Nachbarn: Die Versorgung mit frischen Nahrungsmitteln hat im überwiegenden Teil der Kleingärten nicht mehr die oberste Priorität. Blumen und Rasenflächen sorgen für gepflegte und idyllische Oasen im oft hektischen Stadtleben.

Übrigens: Die Böden des KGV "Oststadt" werden schon längst auch "international" bearbeitet. Für Menschen aus der Türkei, Syrien, Italien, Russland, den Philippinen, Kroatien und Serbien ist ihre Gartenparzelle ein echtes Stück Heimat in Wuppertal geworden.

+++++++ Termine und Fakten ++++++++++

Im Rahmen des Sommerfestes am 27. und 28. August werden die Mitglieder des Kleingartenvereins den runden Geburtstag miteinander und in ihren Parzellen feiern.

Das Vereinsheim ist mittwochs und freitags von 17 bis 22 Uhr sowie sonntags von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

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