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Cronenberg: Im 1.000-Sterne-Hotel

Cronenberg : Im 1.000-Sterne-Hotel

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Viele Koffer sind schon so gut wie gepackt. Da stehen Badehose, Bikini, Strandmatte und Sonnencreme auf der Liste, aber Winterkleidung gehört eher seltener dazu. Wenn aber Sibyl Quinke an ihren Urlaub im vergangenen Sommer zurückdenkt, dann erinnert sie sich noch mit einem leichten Schauer an die Sachen, die sie damals mitnehmen musste.

"Ich musste eine dicke Isomatte, einen Schlafsack und noch einen dicken Pullover einpacken. Denn auch im Juli fällt die Temperatur in der Nacht noch gerne unter den Nullpunkt", erinnert sich Quinke. Mit einer kleinen Reisegruppe lernte sie vergangenes Jahr Land und Leute in der Mongolei kennen. Ihre dort gemachten Erfahrungen und Erlebnisse hat sie zwischen zwei Buchdeckel gepackt — ein rund 200 Seiten großer Reisebericht.

Ein ganz neues Betätigungsfeld für die Wuppertaler Autorin. Schließlich ist Sibyl Quinke eher für ihre Mord- als ihre Reiselust bekannt, hat sie doch bereits einige ihrer Protagonisten vergiftet — und die letzten sogar erschossen. Und im Garten der promovierten Apothekerin wächst genügend Gift, um noch eine ganze Reihe an Figuren ins Jenseits zu befördern...

Doch dieses Mal hatte sie gar nicht vor, jemanden umzubringen, geschweige denn ein Buch zu schreiben. Es hat sich eher so eingeschlichen — mit kleinen Notizen am Abend. "Ich habe meine Tageserlebnisse abends in der Jurte aufgeschrieben. Wenn ich etwas aufschreibe, dann kann ich mich besser an Dinge erinnern, besser als mit Fotos", erklärt sie. Und am Ende der Reise, da war, ganz unbeabsichtigt, das Manuskript für ein neues Buch fertig: "Mongolei: Schlafen im 1.000-Sterne-Hotel".

Jeder Tag birgt dabei seinen eigenen Höhepunkt. Sibyl Quinke beschreibt dabei sehr anschaulich Land und Leute und lobt vor allem das ausgeglichene Wesen der Menschen in diesem Riesenreich. Bis auf eine Ausnahme: "Wir fuhren durch die Steppe und hinten am Horizont zeichnete sich etwas ab. Im nächsten Moment riss sich unser Fahrer die Sonnenbrille herunter, schaute genau hin und fing auf einmal wild zu fluchen an. Da war unser Küchenwagen zu Seite gekippt. Da war Holland in Not und weit und breit kein ADAC", schmunzelt die Autorin.

Das Fehlen der einen oder anderen Errungenschaft der Zivilisationsgesellschaft empfand Sibyl Quinke aber nicht als Kulturschock. Vielmehr als ein Rückbesinnen auf die wichtigen Dinge im Leben. "Wie die Menschen im Einklang mit der Natur leben und auch mit anderen Menschen umgehen, das hat mir sehr gefallen", sagt Sibyl Quinke.

Das — und die atemberaubende Natur: "In dem einen Moment fahren wir durch die heißeste und trockenste Wüstenlandschaft und dann, nach einem monsunartigen Regenschauer, verwandelt sich die ganze Szenerie in eine einzige Seenplatte", erzählt sie beeindruckt. Diese und weitere Erlebnisse hat sie in ihrem Buch festgehalten, wie etwa auch die Geschichte mit dem riesigen steinernen Penis... Das Buch ist in der Edition Oberkassel erschienen und kostet im Buchhandel 14 Euro.

In ihrem nächsten Buch greift die Autorin aber wieder zu Gift. Das entsprechende Kraut hat sie schon in ihrem Garten. "Gift ist halt meine Leidenschaft", sagt Sibyl Quinke.

Sibyl Quinke.Foto: Eduard Urssu