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Handball-Bundesligist Bergischer HC verliert in Kiel 30:33 (14:16)

Handball-Bundesliga: 30:33 (14:16) beim THW Kiel : Dezimierter BHC schnuppert 50 Minuten an Sensation

In der Handball-Bundesliga hat der Bergische HC am Donnerstagabend (15. April 2021) das Auswärtsspiel beim THW Kiel mit 30:33 (14:16) verloren. Das Team von Trainer Sebastian Hinze musste im hohen Norden ohne sieben Stammspieler auskommen, lieferte aber dennoch einen engagierten Kampf ab.

Neben den an Kreuzbandrissen leidenden Macej Majdzinski und Yannick Fraatz fehlten an der Förde auch Tomas Babak, Csaba Szücs, Fabian Gutbrod, Tom Kare Nikolaisen sowie Sebastian Damm.

Knapp vier Minuten fiel zunächst auf beiden Seiten kein Treffer, dann erzielte Miha Zarabec das 1:0 für den Gastgeber. Zwei Tore von David Schmidt und ein verwandelter Siebenmeter von Arnor Gunnarsson stellten den Spielstand in der 8. Minute auf 3:3. Nach dem 4:4 durch Gunnarsson (10.) zog der Favorit erstmals auf zwei Tore davon: Nationalspieler Patrick Wiencek vollendete zum 6:4 (11.). In der Folgezeit gelang es dem BHC aber, die Kieler nicht wegziehen zu lassen. Im Gegenteil: Tom Bergner traf zum 7:8-Anschluss (16.). Erst in der 20. Minute musste das stark dezimierte Team aus dem Bergischen den ersten Drei-Tore-Rückstand quittieren, als Steffen Weinhold zum 10:7 einnetzte. Als in der 22. Minute das 11:7 für Kiel fiel, nahm Hinze die erste Auszeit. Nachwuchsspieler Tobias Schmitz feierte in der 21. Minute seine Bundesliga-Premiere und erzielte in der ehemaligen Ostseehalle gleich seinen ersten Treffer (9:13).

Unterdessen hielt Gunnarsson den BHC mit dem verwandelten Siebenmeter zum 10:13 weiter im Rennen (24.), ebenso Alexander Weck mit dem 11:14 (25.). Max Darj vollendete ein Zuspiel von Linus Arnesson zum 12:15 (26.). Kurz vor der Pause musste der BHC wegen der Zeitstrafen gegen Renars Uscins und Routinier Kristian Nippes in doppelter Unterzahl agieren. Doch Niclas Ekberg verwarf einen Siebenmeter. Gunnarsson verwandelte dagegen den nächsten, es stand aus Sicht der Bergischen nur noch 13:15 (29.). Nun selber in Überzahl (zwei Minuten gegen Steffen Weinhold), markierte Gunnarsson erneut per Strafwurf mit der letzten Aktion vor dem Pause das äußerst respektable 14:16.

Unmittelbar nach dem Wechsel machte Kiel zwar das 17:14 durch Zarabec (31.), doch Arnesson brachte den Außenseiter wieder auf 16:17 dicht heran (31./32.). Als BHC-Torwart Tomas Mrkva beim Stand von 17:18 eine Parade aufs Parkett legte, war die Chance zum Ausgleich da – und Max Darj ließ sich nicht bitten: 18:18 (36.). Der BHC hätte nach einem Ballverlust des THW nun sogar in Führung gehen können, das misslang aber. Die Folge: Wiencek sorgte für das 20:18 (37.). Es blieb unerwartet spannend: In der 39. Minute stand es nur 21:20 für den Champions-League-Teilnehmer. In Überzahl behielt Gunnarsson bei einem Siebenmeter weiterhin starke Nerven: 21:22 (41.). Dann aber entfernten sich die Norddeutschen nach Weinholds Treffer auf 24:21 (43.). Hinze reagierte postwendend mit der zweiten Auszeit. Die fruchtete: Weck netzte zum 24:25 ein (46.), es war weiter alles offen, zumal Darj zum 25:25 egalisierte (48.).

Die Partie wurde zum Krimi: Weck hätte den BHC in Führung werfen können, scheiterte aber. Bergner kassierte eine Zeitstrafe, Niclas Ekberg bejubelte das 26:25 für Kiel – das alles in der 49. Minute. Es war die vorentscheidende Phase: Der THW spielte nun seine individuelle Klasse aus. das 28:25 durch Ekberg stellte die Weichen (51.), Domagoj Duvnja legte zum 29:25 nach (52.). Hinze bat sein Team deshalb zur letzten Besprechung (52.). Doch das Match war gelaufen, der THW spulte sein Programm nun routiniert runter: Der BHC lieferte seinerseits einen großen Kampf ab und schnupperte gut 50 Minuten lang an einer Sensation. Der erste Erfolg in der Vereinsgeschichte gegen Kiel war ihm jedoch auch diesmal nicht vergönnt. Trotzdem durfte sich das Team über einen starken Auftritt freuen. 30 Tore gelingen nicht jedem Team in Kiel, vor allem nicht ersatzgeschwächt.

Sebastian Hinze (BHC-Trainer): „Herzlichen Glückwunsch zum Sieg. In der ersten Halbzeit machen wir es sehr gut, vor allem defensiv. Wir führen die Zweikämpfe gut und halten sie weg in dem Raum, in dem wir sie haben wollen. Wir haben dann leider ein Problem mit dem Abschluss aus sechs Metern von außen. Da lassen wir zu viel liegen - gerade in der Anfangsphase aus Situationen, die wir gut spielen. In der zweiten Halbzeit ist es so, dass wir es eine Viertelstunde richtig gut machen und Kiel extrem nerven im Angriff und immer mit der letzten Aktion mit Speed kommen und das Tor noch machen. Kiel schließt da etwas früh ab und macht technische Fehler. Dann dreht sich das leider wieder mit einer Phase in Unterzahl und einer, wo wir vier, fünf Bälle zu früh weggeben. Das wird dann gnadenlos ausgenutzt. Und dann sind wir aus dieser Phase nicht mehr herausgekommen. Da fehlte dann die letzte Patrone. Aber in der Summe bin ich ganz einverstanden mit dem Spiel. Zehn Minuten in der zweiten Halbzeit müssen wir weglassen, dann hätten wir hier auch wirklich um Punkte spielen können.“

Filip Jicha (Trainer THW Kiel): „Danke für die Glückwünsche. Es war ein typisches Bundesliga-Spiel gegen den Bergischen HC. Im Vorfeld hatte ich wirklich Respekt vor dieser Partie. Die Jungs kamen aus der Quarantäne und konnten seit Montag trainieren. Sie hatten dementsprechend Lust auf Handball. Sie hatten trotz der sieben Ausfälle auch weiterhin super Handballspieler. Und dementsprechend hat es mir gefallen, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben. In dieser Phase der Saison marschieren wir nicht mit Spritzigkeit weg. Es ist purer Kampf in dieser Saison um die zwei Bundesliga-Punkte. Und das wird auch so bleiben, das habe ich den Jungs in der Kabine auch gesagt. Wir müssen einfach in unseren Strukturen weiterarbeiten. Es wird ein Riesenkampf. Was mir gefallen hat, war die Phase in der zweiten Halbzeit, die Sebastian angesprochen hat, wo wir etwas ein bisschen die Linie verloren haben. Wir wollten das Spiel schnell gewinnen, aber das wird nicht funktionieren. Wir haben uns auch in Zusammenarbeit mit den Torhütern dann wieder stabilisiert und den Ball wieder in der Hand. Als wir vier Tore in drei Minuten machen, waren die Jungs wieder etwas beruhigt. Es ist so, dass wir in jedem Spiel bis zum Saisonende um die Punkte kämpfen. Und diesen Kampf müssen wir annehmen. Es wird nicht einfacher. Ich bin sehr froh, dass wir gegen den BHC gewinnen konnten, denn der war schon riesengroß.“

Jörg Föste (BHCGeschäftsführer Sport): „Wir haben uns extrem teuer verkauft und uns kämpferisch und taktisch sehr gut präsentiert. Zarabec mussten wir zulassen. Gegen die Kieler 6:0-Abwehr haben wir beste Lösungen gefunden - allen voran Alexander Weck. Als Kiel auf die 3:2:1 umgestellt hat, fehlte uns zeitweilig Kraft und Konzentration - wen kann das verwundern? Großartig war der Einstand von Tobias Schmitz.“

Am Sonntag (18. April) tritt der BHC um 16 Uhr bei der SG Flensburg-Handewitt an. Es folgen zwei weitere Auswärtsspiele am 25. April beim SC DHfK Leipzig (16 Uhr) und am 5. Mai bei TuSEM Essen (18:30 Uhr). Das nächste Heimspiel steigt am 8. Mai ab 18:30 Uhr im Düsseldorfer ISS Dome gegen den SC Magdeburg.

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