Streit über Kalkwerk-Halde in Wuppertal: „Polemik und Diskreditierung“

Interview : Streit über Kalkwerk-Halde: „Polemik und Diskreditierung“

Seit Wochen wird über die Haldenerweiterung der Kalkwerke Oetelshofen im Osterholz gesprochen. Während das bereits seit Jahren bei der Bezirksregierung laufende Genehmigungsverfahren kurz vor dem Abschluss steht, schlugen nach der Offenlegung der Pläne vor allem in den sozialen Netzwerken die Wellen hoch.

Anwohner beklagen vermeintliche Feinstaubbelastungen, während Wuppertaler Umweltaktivisten die geplanten Rodungen verhindern möchten. Politische Stellungnahmen wurden bereits abgegeben, grundsätzliche Einwände seitens der Städte Wuppertal und Haan gibt es nicht gegen das Vorhaben. Die Rundschau sprach mit Jörg Iseke und seinem Sohn Till Iseke über den Sachstand – und auch über die Kritik, der sich das Familienunternehmen vor allem in den sozialen Medien gegenübersieht.

Rundschau: Offene Briefe mit Vorwürfen, Ihr Unternehmen sei nicht gesprächsbereit und verweigere die Suche nach Alternativlösungen: In den sozialen Medien hagelte es Kritik an der Kommunikationsstrategie der Kalkwerke in Sachen „Haldenerweiterung“. Wollen Sie sich der öffentlichen Debatte nicht stellen?

Till Iseke: Keineswegs, davon sind wir weit entfernt. Wir sind mit den Naturschutzverbänden im ständigen Austausch – und das nicht nur zur Haldenerweiterung. Mit anonym veröffentlichten Briefen ohne ein Gesicht dahinter und ohne Ansprechpartner können wir allerdings nichts anfangen.

Jörg Iseke: Es gibt von unserer Seite aus keinen Gesprächsbedarf mit Leuten, denen in sozialen Netzwerken vor allem an polarisierender Polemik und Diskreditierung gelegen ist. Jeder ist dazu eingeladen, zu den Veranstaltungen unseres Bürgernetzwerkes zu kommen. Zu einer sachlichen Auseinandersetzung sind wir jederzeit bereit. Facebook & Co. halten wir allerdings nicht für eine geeignete Plattform für derartige Debatten.

Rundschau: Anfangs haben Sie dort doch noch mitgemischt?

Till Iseke: Ja, ich bin sogar bei den von der Aktivistenszene organisierten Waldspaziergängen mitgelaufen. Im Vorfeld wurde mir – auch auf Facebook – mitgeteilt, dass man nicht zum Diskutieren ins Osterholz kommen wolle. Dort hingen dann auch bemalte Banner, auf denen man unmissverständlich lesen konnte: „Keine Diskussionen, ihr Laksnaken“. Kurios, dass man uns nun fehlende Gesprächsbereitschaft vorwirft ...

Rundschau: Was ist mit dem Feuersalamander, der angeblich im Osterholz über den Milchweg gelaufen sein soll? Gibt’s den dort überhaupt – oder ist das so wie mit den Feldhamstern, die plötzlich überall dort auftauchen, wo gebaut werden soll?

Jörg Iseke: Ja, den gibt es hier bei uns tatsächlich, und wir freuen uns darüber. In der Öffentlichkeit scheint er erst jetzt in den Fokus zu geraten – für uns hingegen tut er das mindestens einmal im Jahr beim Amphibienmonitoring. Wir wissen sehr genau, wer oder was hier bei uns durch den Steinbruch läuft.

Rundschau: Aber damit allein ist es ja nicht getan ...

Till Iseke: Nein, das ist es für uns auch nicht. Wir legen regelmäßig neue Tümpel und Teiche an, um Kröten und Echsen dorthin umzusiedeln, wo sie vom Kalkabbau geschützt sind. Wir haben sie auch schon mit der Hand aufgesammelt, um sie in ihre neuen Domizile zu tragen.

Rundschau: Und die kaputten Krötenzäune im Osterholz? Auch dazu gab es Kritik, den Kalkwerken wurde „Greenwashing“ vorgeworfen und die Löcher in den Zäunen sollten als Beispiel dafür herhalten, dass der Naturschutz der Verschleierung finanzieller Interessen dient.

Jörg Iseke: Erstmal zur Klarstellung: Die offenen Stellen dienen der forstlichen Bewirtschaftung des Waldes in den Zeiten, in denen mit Krötenwanderungen nicht gerechnet werden muss. Mittlerweile steht der Zaun wieder – so wie auch in den vergangenen Jahren, in denen wir ihn pünktlich zur Krötenwanderung aufgerichtet haben.

Till Iseke: Und was das „Greenwashing“ betrifft: Das ist ein Totschlagargument. Für sowas sind wir nicht die richtigen Adressaten – das wissen auch die Naturschutzverbände, mit denen wir seit Jahren gut zusammenarbeiten.

Rundschau: Was ist mit der Grundwasserabsenkung durch den Kalkabbau? Lässt sich damit der Wassermangel im Osterholz erklären?

Jörg Iseke: Das ist ein oberflächlich hergestellter Zusammenhang, der an den Tatsachen vollkommen vorbeigeht. Der Grundwasserspiegel würde auch ohne Absenkung mindestens 20 Meter unter den Baumwurzeln liegen. Der Wald lebt vom Oberflächenwasser – und er leidet unter der Dürre in diesem und dem vergangenen Sommer.

Till Iseke: Dazu kommt noch, dass der Grundwasserspiegel seit 60 Jahren abgesenkt ist und im Osterholz-Wald keine Veränderung beobachtet werden konnte.

Rundschau: Bei der Bezirksregierung in Düsseldorf läuft derzeit das Genehmigungsverfahren – nach der Offenlegung sind dort 51 Einwände eingegangen. Wie geht es dort jetzt weiter?

Jörg Iseke: Diejenigen, die sich mit ihrem Einwand an die Bezirksregierung gewandt haben, werden von dort zeitnah angeschrieben. Dem Schreiben liegt eine kurze Stellungnahme bei – und die Einladung zu einem Erörterungstermin, der im September stattfinden soll.

Rundschau: Ein Hauptvorwurf, der den Kalkwerken in der Vergangenheit gemacht wurde, galt der angeblich fehlenden Bereitschaft, nach Alternativen für die Haldenerweiterung zu suchen. Da gab es bei den Kritikern beispielsweise die Idee, den Abraum in die stillgelegte Grube der benachbarten Kalkwerke direkt nebenan zu kippen.

Till Iseke: Für uns ist das keine Option – und für diejenigen, denen die Grube gehört, sicher auch nicht. Wir leben nun mal nicht in einem Staat, in dem man einfach eine Grube enteignen kann.

Jörg Iseke: Außerdem wäre auch dafür ein umfangreiches Genehmigungsverfahren notwendig. Bliebe also nur die vorzeitige Innenverkippung auf abbaubares Gestein: Ein solcher Umgang mit wertvollen Rohstoffen gilt in der Kalkindustrie als Todsünde.

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