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Präses Manfred Rekowski gegen Hilfe bei Suizid

Evangelische Kirche : Präses Rekowski gegen Hilfe bei Suizid

In der aktuellen Diskussion um den so genannten assistierten Suizid stellt Manfred Rekowski (ehemaliger Wuppertaler Superintendent und Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland) klar, dass es Kernaufgabe der Kirche sei, Menschen, die sich das Leben nehmen wollen, seelsorglich zu begleiten. Ihnen bei der Selbsttötung zu helfen schließt er aus.

„In extremen Fällen, wenn auch die palliativmedizinischen Möglichkeiten einem Menschen nicht mehr als ausreichend hilfreich erscheinen und der Sterbewunsch als letzter Ausweg gesehen wird, stellt sich nicht die Frage, ob, sondern wie Kirche und Diakonie Menschen begleiten. Auch in der seelsorglichen Begleitung von Menschen in einer solchen existentiellen Notlage wird die Hoffnung auf Gottes bleibende Gegenwart wachgehalten“, schreibt der 62-jährige Theologe in seinem aktuellen Präsesblog. „Die Begleitung bis zum Lebensende schließt für den Seelsorgenden allerdings die Beschaffung oder Verabreichung eines Mittels zur Selbsttötung kategorisch aus.“ Die Zusammenarbeit mit Vereinigungen, die organisiert oder gewerbsmäßig eine Förderung der Selbsttötung betreiben, sei ebenfalls ausgeschlossen.

Anfang der Woche hatten sich einige Theologinnen und Theologen mit einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu Wort gemeldet. Sie fordern auch im Hinblick auf kirchliche und diakonische Einrichtungen, die „Zugänglichkeit eines assistierten, professionellen (…) Suizids zu ermöglichen“. Sie plädieren dafür, „entsprechende Möglichkeiten durch besonders qualifizierte interdisziplinäre Teams in den Einrichtungen zuzulassen und dabei das familiäre Umfeld einzubeziehen“.

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Die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich im Jahr 2013 intensiv mit der Frage der seelsorglichen Begleitung im Zusammenhang mit Suizid beschäftigt. Daraus ist die Handreichung „Niemand nimmt sich gern das Leben“ entstanden. Dort wird festgehalten, dass es nicht die Aufgabe von Kirche ist, „moralisch zu bewerten, sondern dazu beizutragen, die Möglichkeit zum Leben wieder bewusst zu machen und zu erweitern“. Dabei gehe es nicht darum, den Suizidwunsch einfach zu verurteilen oder zu moralisieren.

Viele Menschen beschäftige das Thema assistierter Suizid – persönlich oder zum Beispiel als Mitarbeitende in Pflegeeinrichtungen in der Trägerschaft von Kirche und Diakonie. Deswegen, so Präses Rekowski, sei es wichtig, zu diesen Fragen im Gespräch zu bleiben oder ins Gespräch kommen und aus vielen Blickwinkeln darüber zu diskutieren und nötigenfalls auch zu streiten: „In diesem Sinne verstehe ich den Text in der FAZ als einen Beitrag dazu.“