Langer Tisch 2019: Sechs Tipps zum Programm des 90. Wuppertal Geburtstag

Tisch-Tipps der Rundschau-Redakteure : Unsere Programm-Tipps zum Langen Tisch

Das Angebot zum Langen Tisch 2019, dem 90. Geburtstag der Stadt Wuppertal, ist alles andere als einseitig. Über 200 Programmpunkte locken auf die Festmeile zwischen Haspel und Alter Markt. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, was Sie am Samstag (29. Juni 2019) erleben möchten, hat jedes Redaktionsmitglied einen Tipp für Sie parat.

Sechs Tisch-Tipps von sechs Rundschau-Redakteuren, die sie nicht verpassen sollten, plus natürlich der Stand von Radio Wuppertal und der Wuppertaler Rundschau, an dem Sie Ihr persönlches Selfie drucken lassen können. Mehr dazu lesen Sie hier.

Stadt strahlt zum Geburtstag

Zum Langen Tisch projiziert der Künstler Gregor Eisenmann seine Installationen auf das Opernhaus, den Campus Haspel und das Stadtarchiv. Foto: Gregor Eisenmann/GREGOR EISENMANN

Tisch-Tipp von Hannah Florian:

Wenn’s dunkel wird, bringen die Lichtinstallationen des Wuppertaler Künstlers Gregor Eisenmann bekannte Gebäude zum Leuchten. Mit Sicherheit ein eindrucksvolles Spektakel!

Unterstützt durch die Wuppertaler Stadtwerke illuminiert der Visual Artist 90 Jahre Stadtgeschichte auf den Gebäuden des Opernhauses, des Campus Haspel und des Stadtarchivs und lässt, sobald es dunkel wird (vermutlich ab 22 Uhr) Elemente aus den Bereichen Kultur, Bildung und Geschichte über die Fassaden wandern. Eindrucksvoll hat er bereits im letzten Winter am Döppersberg bewiesen, wie er mit Licht, Klang und bewegten Bildern Strukturen auflösen und neu zusammensetzen kann.

Die Illumination des Opernhauses, des Campus Haspel und des Stadtarchivs markieren kommenden Samstag Start- und Endpunkt der Festmeile zum Langen Tisch. „Ich spiele mit dem Licht, oder auch das Licht, wie ein Instrument“, sagt Gregor Eisenmann selbst über seine Projektionen.

„WSW lässt Stadt leuchten“ ab 22 Uhr am Campus Haspel, am Stadtarchiv und am Wuppertaler Opernhaus.

So gesellig kann Geschichte sein

Immer ein Hingucker: die Langerfelder Garnbleicher. Foto: Bleichergruppe

Tisch-Tipp von Nina Bossy:

Meine Empfehlung für den großen Wuppertal-Geburtstag? Sich auch mal mit der Historie des Tals zu befassen. Klingt trockener als es ist: Denn sie wird erzählt von netten Menschen in festlicher, traditioneller Kleidung. Und Schnaps gibt es auch.

Wuppertal schmeißt eine Geburtstagsparty. Mit Cocktails, großen Bühnen und neuesten Multikulti-Food-Trend. Ich empfehle Ihnen, an diesem Tag auch der Historie einen Besuch abzustatten, die aus Elberfeld und Barmen genau dieses Wuppertal machte, das wir beim Langen Tisch feiern. Die Mitglieder des Langerfelder Bürgervereins halten die Geschichte des ersten Gewerks des Tals am Leben. Die Bleichergruppe möchte ein Bewusstsein für die Bedeutung des Garnbleichens für die später weltberühmte Wuppertaler Textilindustrie schaffen. Am Langen Tisch verkaufen ihre Mitglieder Bleicherschnaps und hoffen vor allem auf eins: Lust zu machen auf Wuppertals Geschichte und aufs Mitmachen in der Gruppe. „Denn wenn es niemanden gibt, der diese Geschichten erzählt, sind sie ja irgendwann verschwunden“, erklärt Bleichergruppen-Mitglied Gerhard Constapel.

Deshalb lade ich Sie herzlich ein, halten Sie Ausschau nach diesen netten Wuppertalern, die unsere Historie in ihrer Festkleidung mit Rüschenhemd, schwarzer Hose und schwarzen Schuhen, dem schwarzen Hut sowie einer Medaille mit dem Langerfelder Wappen auf dem Leibe tragen. Und wenn man einmal mit den sympathischen Langerfeldern ins Gespräch gekommen ist, lernt man unsere 90 Jahre alte Heimatstadt noch viel besser kennen – und schätzen.

Stand „Geheimnis Garnbleichen“ des Bürgervereins Langerfeld, Friedrich-Engels-Allee Höhe Hausnummer 167.

Zurück zu den Tisch-Wurzeln

Tisch-Tipp von Roderich Trapp:

So macht Stadtgeburtstag richtig Laune: Tisch und Stühle, Freunde und Passanten und was Leckeres – gesehen 2009 in der Friedrich-Ebert-Straße. Foto: © Joerg Lange/Joerg Lange

Er war so charmant – der erste Lange Tisch, den der damalige Presseamtsleiter Ernst-Andreas Ziegler 1989 zur Feier des 60. Stadtgeburtstags erfunden hatte. Weil ganz viele Menschen die Grundidee verstanden hatten und tatsächlich Tische und Stühle auf die Straße stellten und eine Feier von Wuppertalern für Wuppertaler daraus machten. 30 Jahre später gibt es diese privaten Tische immer noch. Schauen Sie doch mal vorbei!

Das Paradebeispiel finden wir auf Höhe des Hauses Friedrich-Engels-Allee 193 ungefähr an der Einmündung Völklinger Straße: Hier gibt’s eine Nachbarschaftsfeier unter dem augenzwinkernden Motto „Hurra, wir schweben noch!“, von der ich nicht einmal weiß, wer sie angemeldet hat. Fest steht aber, dass die Leute da alles richtig machen: Bei Kaffee und Kuchen kann man hier verweilen, klönen und schlemmen, ein Stand tatsächlich und ganz ausdrücklich „von Wuppertalern für Wuppertaler“. Das wurde extra so ins Programmheft geschrieben.

Applaus dafür, denn es gab sie in den letzten Jahren schon – die Tendenz, den Langen Tisch zu einer Art XXL-Kirmes mit viel Profi-Input ohne Gesicht mutieren zu lassen. 2019 ist das zum Glück nicht so. Das Geschehen wird (glücklicherweise) geprägt von Vereinen, Initiativen und allen möglichen Wuppertaler Organisationen. Die ganz privaten Tischrunden sind aber rar geworden. Ich zähle im Programmheft ein gutes Dutzend - von der Geburtstagsparty für Stefan Leister Höhe Hausnummer 185 über die Familienfeier von Herbert Au (Höhe Hausnummer 165) bis zum Freundeskreis „Wir feiern gern“ von Sylke Szuikala am Opernhaus. Sagen Sie doch da mal „Guten Tag“ oder gratulieren Sie: Es gibt bestimmt nette Gespräche und macht vielleicht ja Lust, in fünf Jahren selbst wieder einen Tisch auf die Beine zu stellen. Das würde mich freuen!

„Hurra, wir schweben noch“, Höhe Hausnummer 193, Nachbarschaftsfeier von Wuppertalern für Wuppertaler.

In guten wie in schlechten Zeiten ...

Tisch-Tipp von Jörn Koldehoff:

Sie haben es wirklich nicht leicht. Und das räumen sie auch freimütig ein. Die seit 25 Jahren bestehenden „Falken“ sind der zweitälteste aktive Fanclub des WSV – und zeigen Präsenz beim Langen Tisch. In guten wie in schwierigen Zeiten eben. Und so bauen die WSV-Anhänger ebenfalls einen Stand (Hausnummer 282) auf. Sie wollen sozusagen als offizielle Vertretung dokumentieren, dass ihr Verein ein wichtiger Bestandteil der Stadt ist. In der Hoffnung, dass sich das Blatt wendet, sportlich und finanziell.

Bürgervereine + Künstler

Tisch-Tipp von Stefan Seitz:

Was wäre Wuppertal ohne seine Bürgevereine? Wer zehn davon quasi auf einen Blick treffen möchte, hat auf einer „Bürgervereins-Meile“ in der Nähe der Friedrich-Engels-Allee 169 die Chance dazu. Mit Pavillons und Stadtteilwappen präsentieren sich die Vereine aus Unterbarmen und Langerfeld, von Hatzfeld, vom Rott und vom Kothen, aus Ronsdorf, vom Küllenhahn, aus Hahnerberg, aus Cronenberg sowie aus Sudberg. Optimaler Einstieg in diese Strecke: Schwebebahn-Ersatzverkehr längs der Wittensteinstraße in Höhe der Haspelhäuser.

Irgendwie verlockend, finde ich, klingt auch dieser Programmpunkt: „Betrunkene Künstler*innen singen und tafeln.“ Das spielt sich auf Höhe der Friedrich-Engels-Allee 193 ab. Dahinter steckt das „Atelierhaus Ulle Hees“. Die Redaktion des Satire-Magazins „Italien“ ist auch dabei. Na, das kann ja heiter werden ...

Aus aller Herren Länder

Tisch-Tipp von Hendrik Walder:

Gleich zum Auftakt wird Oberbürgermeister Andreas Mucke mit seinen Kollegen aus den Partnerstädten dem „Dorf der Städtepartnerschaften“ am Engelsgarten einen Besuch abstatten. Denn dort schlägt das internationale Herz des Langen Tischs.

„Bürgermeister“ des rund angelegten Budendorfes ist Gerd Holl. Bei ihm liefen die koordinatorischen Strippen zusammen, die am Samstag in eine vielseitige Verköstigung, Unterhaltung und Informationen münden. Acht Stände bieten jeweils landestypische Spezialitäten. „Der Freundeskreis Wuppertal -St. Etienne hat beispielsweise roten und weißen Wein sowie Baguettes im Angebot“, startet Holl die Auflistung. Der Freundeskreis Beer Sheva bietet mit Falafel und Humus klassische Speisen, die man mit Wodka vom Freundeskreis Jekaterinburg abrunden kann. Enchiladas werden am Stand von Matagalpa gezaubert – ob angesichts der zu erwartenden Temperaturen auch der gehaltvolle Rum „Flor de Caña“ zum Einsatz kommt, ist allerdings fraglich. Unproblematisch ist hingegen der Verzehr von Minztee aus dem tunesischen Tabarka. Großen Zuspruch wird wohl auch der Piwo-(Bier-)Stand erfahren, den der Freundeskreis Liegnitz zusammen mit dem deutsch-polnischen Klub in Wuppertal betreibt. Dazu gibt es Bigos-Eintopf, ein polnisches Nationalgericht aus Sauerkraut sowie verschiedenen Fleischsorten. „Eigentlich gibt es das nur zu Weihnachten“, schmunzelt Holl – aber bei einem 90. Geburtstag darf man bestimmt mal eine Ausnahme machen.

Das „Dorf der Städtepartnerschaften“ ist sicher einen Besuch wert. Foto: Grüner Weg
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