Prozess um Messerattacke am AZ Wuppertal: Hauptangeklagter gesteht

Prozess um Messerattacke am AZ Wuppertal : Hauptangeklagter gesteht

Der Prozess um die Messerattacke vor dem Autonomen Zentrum hat begonnen: 25-Jähriger gibt zu, auf das Opfer eingestochen zu haben. Die Verbindungen der Angeklagten zur rechten Szene stehen im Fokus.

Bei einem beinahe tödlichen Streit vor dem Autonomen Zentrum (AZ) in Elberfeld am 11. April ging es für drei Angeklagte aus der rechten Szene womöglich einfach um die Frage, ob sie in der linken "Höhle des Löwen" Bier trinken und kickern können. Das legen Angaben der Drei in ihrem Prozess um versuchten Totschlag nahe, der diese Woche vor dem Landgericht begonnen hat.

Der jüngste Angeklagte (25) hat zugegeben, einen Gegner (53) aus dem Umfeld des AZ im Kampf mehrfach mit einem Klappmesser gestochen zu haben, als der schon am Boden lag. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag vor. Seine Mitangeklagten (39 und 43 Jahre alt) müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten: Sie sollen auf den 53-Jährigen lebensgefährlich eingetreten und eingeprügelt haben. Das Opfer der Attacke überlebte durch eine Notoperation und muss mit schweren Spätfolgen rechnen.

Der Hauptangeklagte und der 39-Jährige erklärten übereinstimmend, man kenne sich untereinander eigentlich erst sei März über das Internet. Sie hätten sich am Nachmittag vor der Tat getroffen und wären in der Nacht — nach reichlich Bierkonsum — bis in die Kneipe des AZ gelangt. Dort sei der älteste Angeklagte vom späteren Opfer als Rechter erkannt und zur Rede gestellt worden. Alle drei wurden vor die Tür gesetzt. Dort habe sich dann eine Schlägerei entwickelt, in deren Verlauf es zur Messerattacke kam.

Der Vorsitzende Richter Robert Bertling fragte nach: "Was haben Sie sich denn gedacht? Dass man da rein marschieren kann, wie in einen Kaufladen?" Die Angeklagten erwiderten, sie hätten es sich nicht genau überlegt. Der 39-Jährige erklärte: "Wir haben gesagt: Wenn wir auffliegen, rennen wir weg."

Der 43-Jährige schweigt zu den Geschehnissen. Seine mutmaßlichen Komplizen berichten über ihn Widersprüchliches: Einerseits soll er Aussteiger aus der Nazi-Szene sein, andererseits soll er die Idee für die Provokation am AZ gehabt haben und bis in die berüchtigtsten rechten Kreise Verbindungen haben. Als ihren Hintergrund benennen die beiden jüngeren Angeklagten die Szene "Hooligans gegen Salafismus" (Hogesa).

Vor Prozessbeginn hielten mehrere Personen aus dem Umkreis des Autonomen Zentrums eine Mahnwache vor dem Gerichtsgebäude am Eiland ab: Sie sehen die Attacke als Mordversuch und werfen der Polizei falsche Ermittlungen vor. Schon die Tat belege, dass die Angeklagten keine Aussteiger seien, sondern weiterhin als Rechte anzusehen sind.