Bergische Uni Wuppertal Franz-Georg Neupert: Mit 77 Jahren zum Doktor ernannt

Wuppertal · Franz-Georg Neupert hat sich im Ruhestand eine besondere Aufgabe gesucht: eine Promotion an der Bergischen Universität Wuppertal. Nun wurde seine Arbeit, die sich mit der Zuverlässigkeit technischer Produkte beschäftigt, veröffentlicht. Damit setzt der gebürtige Braunschweiger ein Zeichen für wissenschaftliche Neugier und lebenslanges Lernen.

Im Beisein von Promotionsbetreuer Prof. Stefan Bracke (li.) überreichte der Dekan der Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik, Prof. Eberhard Schmidt (re.), die Promotionsurkunde an Dr. Franz-Georg Neupert.

Foto: Jannis Pietruschka

In seiner Promotion entwickelte Franz-Georg Neupert ein Verfahren, mit dem Automobilhersteller deutlich präziser und zuverlässiger Prognosen über das Verhalten ihrer Fahrzeuge im realen Einsatz erhalten. Eine wichtige Rolle spielt das zum Beispiel bei der Entscheidung über mögliche Rückrufaktionen.

„Heutzutage senden die Autos, die nach dem Verkauf auf der Straße unterwegs sind, viele verschiedene Daten an die Hersteller. Auch über Funktionsausfälle. Wenn der Hersteller irgendwann bemerkt, dass ein bestimmtes Schadensbild häufiger gemeldet wird, als es im Normalfall auftreten sollte, muss er das Risiko einschätzen, das von diesem Funktionsfehler ausgeht“, erklärt Franz-Georg Neupert.

Darauf basierend entscheidet der Hersteller über die notwendigen weiteren Schritte und letztlich auch darüber, ob eine gesamte Charge der betroffenen Fahrzeugproduktion zurückgerufen werden muss. Derzeitige Methoden führen allerdings noch zu häufig zu fehlerhaften Schlussfolgerungen. Deshalb hat sich der 77-Jährige auf die Suche nach einer besseren Lösung gemacht.

Übertragbare Ergebnisse

Das Verfahren, das Franz-Georg Neupert entwickelt hat, berücksichtigt für die Hochrechnung von Ausfallwahrscheinlichkeiten – also für die Fragen: Wie schlimm ist es und wie schlimm könnte es noch werden? – deutlich mehr Einflussfaktoren als bisher üblich, zum Beispiel Temperaturschwankungen, das Zusammenwirken verschiedener Ursachen oder Fahrzeugstandzeiten.

So hilft die neue Methode zugleich dabei, die Ausfallursachen besser zu verstehen. „Eine Rückrufaktion oder eine gezielte Inspektion muss natürlich Hand und Fuß haben. Von einer genaueren Analyse und Bewertung des Risikos profitieren beide Seiten, Hersteller sowie Endkundinnen und Endkunden“, so der 77-Jährige.

In seiner Arbeit widmet sich Franz-Georg Neupert zwar der Automobilbranche, die Ergebnisse sind aber auch auf andere Produkte übertragbar. „Letztlich auf alle technischen Geräte, die Daten über ihren Zustand senden“, sagt der frisch Promovierte. Zudem unterstützt das Verfahren auch die Schadensprävention. Denn wo sich Funktionsausfälle präziser analysieren lassen, sind auch entsprechende Gegenmaßnahmen besser planbar und Folgeschäden vermeidbar.

„Die Arbeit verbindet jahrzehntelange praktische Erfahrung aus der Industrie mit fundierter wissenschaftlicher Methodik. Dass Franz-Georg Neupert seine Promotion erst im Ruhestand begonnen und abgeschlossen hat, macht die Leistung besonders bemerkenswert“, betont Stefan Bracke. Der Professor für Zuverlässigkeitstechnik und Risikoanalytik an der Bergischen Universität Wuppertal betreute die Dissertation.

Anerkennend resümiert der Doktorvater: „Mit seiner Promotion zeigt Franz-Georg Neupert eindrucksvoll, dass wissenschaftliche Neugier, Ausdauer und Leidenschaft keine Frage des Alters sind.“