Bundesgartenschau 2031 Forderung nach Suizidprävention an BUGA-Hängebrücke

Wuppertal · Mit Blick auf die im Rahmen der Wuppertaler Bundesgartenschau 2031 geplante Hängebrücke fordern mehrere Verbände und Einzelpersonen Maßnahmen zur Suizidprävention.

Simulation der Stadt Wuppertal zur BUGA-Hängebrücke.

Foto: Stadt Wuppertal (Screenshot)

Ein entsprechendes Schreiben vom 14. Mai 2025 wurde nach Angaben von Dr. Marianne Härder vom Werner-Felber-Institut in Dresden initiiert und an Susanne Brambora-Schulz geschickt. Grund sei, dass „mit der Müngstener Brücke bereits ein Suizid-Hotspot in unmittelbarer Nähe von Wuppertal“ existiere, „bei dem seit vielen Jahren erfolglos um entsprechende Präventionsmaßnahmen gekämpft“ werde. Der Wortlaut des Schreibens.

„Sehr geehrte Frau Brambora-Schulz,

wir haben aus der Presse von Ihrer Planung einer Hängebrücke über das BUGA-Gelände gehört. Aus der Sicht des Tourismusverbandes ist es sicher eine spannende Einrichtung, die für Besucher sehr attraktiv sein kann. Wir haben jedoch einen etwas anderen Blick auf Ihre Planung und wenden uns deshalb heute mit einer sehr dringenden Bitte an Sie.

Ihre geplante Brücke befindet sich in räumlicher Nähe zur Müngstener Brücke. Zwischen einem und neun Suizide (insgesamt 61 in den 15 Jahren von 2008 bis 2023) geschehen jedes Jahr an der Müngstener Brücke, Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke. Damit ist sie einer, wenn nicht der bedeutendste ,Brücken-Hotspot‘ für Suizide in Deutschland mit weit überregionaler Bekanntheit.

Unser Bündnis setzt sich sehr intensiv für eine Sicherung der Müngstener Brücke und damit einer Verhinderung von weiteren Suiziden ein. Wir befürchten, dass es an Ihrer Brücke durch die Art der Ausführung und die Besonderheit der Brücke (längste Hängebrücke Deutschlands) auch zu Suiziden kommen wird. Bisher konnten wir leider in den Vorankündigungen keine Maßnahmen zur Suizidprävention erkennen und befürchten, dass hier bisher keine Vorkehrungen getroffen wurden.

Etwa 10.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich durch Suizid. Die Gründe und Anlässe für einen Suizid sind vielfältig. Für die Angehörigen ist ein Suizid eine unfassbare Katastrophe. Ein Suizid verändert das Leben in einem Ausmaß, das jemand, der nicht selbst betroffen ist, kaum ermessen kann, nichts ist mehr so, wie es war. Der Schmerz des Verlusts geht oft einher mit der Frage nach dem ,Warum‘, depressiven Stimmungen und Hilflosigkeit und mit Schuldgefühlen und Schuldzuweisungen. Die besonderen Umstände dieser Todesart drohen das eigene Leben zu zerstören.

Neben den nächsten Angehörigen sind aber auch weitere unbeteiligte Personen oft in dramatischer Weise betroffen. Bei Rettungskräften, Notfallseelsorgern, Nachbarn, Freunden, Lokführern und zufälligen Augenzeugen löst ein Suizid tiefe Erschütterung und oft existenzielle Fragen aus. Nicht selten folgen auch bei ihnen schwere Lebenskrisen.

Unter der Müngstener Brücke befindet sich – ähnlich wie bei Ihrer geplanten Brücke – ein Freizeitpark, der Besucher auch aus dem angrenzenden europäischen Ausland – anzieht. Hieraus ergibt sich, dass neben dem Opfer eines Suizids selbst und den durch einen Suizid mitbetroffenen Familien, Freunden etc. regelmäßig weitere Unbeteiligte (z.B. Besucher des Brückenparks, Rettungskräfte) solche Szenen miterleben müssen oder sogar Gefahr laufen, durch herabgesprungene Personen erschlagen zu werden.

Seit Jahren gibt es intensive Bemühungen unter anderem von betroffenen Angehörigen, Fachleuten und Menschen aus der Zivilgesellschaft, um eine Vorbeugung von Suizidereignissen unter anderem durch technische Lösungen zu erreichen. Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Planung zu überdenken und nicht einen neuen Hotspot in der Region zu schaffen. Eine Suizidabsicherung hilft, das Leben und die körperliche und mentale Gesundheit von Menschen zu schützen, indem die Risiken von Suiziden an diesem Ort minimiert werden.

Wir bitten Sie eindringlich, die Planung zu überprüfen und suizidpräventive Maßnahmen an der Brücke einzuplanen, um zu verhindern, dass ein neuer Hotspot entsteht an dem sich Menschen suizidieren. Das kann auch nicht im Sinne Ihrer Besucher sein.

Hintergrund

Suizidforscher kommen zu dem Schluss, dass Schutzmaßnahmen Suizide wirkungsvoll verhindern können. Entgegen der landläufigen Meinung belegt die Suizidforschung, dass in der Mehrzahl der Fälle keine anderen Orte bzw. Objekte für die Durchführung des Suizides gewählt werden, wenn Schutzmaßnahmen am gewünschten Ort des Suizids diesen verhindern. Nur der kleinste Teil von Suizidenten suizidiert sich nach Verhinderung des Sprungs langfristig auf andere Weise.

Von Personen, die an der Golden Gate Bridge am Springen gehindert wurden, lebten nach 26 Jahren noch 94 Prozent. Weniger als fünf Prozent haben sich innerhalb dieses Zeitraums suizidiert. Suizide durch Sprung in die Tiefe häufen sich besonders an spezifischen Bauwerken. Für die Auswahl der Brücke spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle:

● Höhe (tritt der Tod beim Sprung ein?)
● Verfügbarkeit (leichte Zugänglichkeit, Wohnortnähe, Nähe zu psychiatrischen Einrichtungen)
● Berühmtheit der Brücke (Berichterstattung, direkte Imitation).

Alle diese Faktoren treffen auf Ihre Brückenplanung zu.

Am wirksamsten können Suizide an Brücken durch technische Maßnahmen, wie die Installation von Netzen, verhindert werden. Wir fordern Sie dazu auf, sich hier dringend vor dem Bau beraten zu lassen, um diese Maßnahmen mit in die Planung zu integrieren. Dabei kann die Absicherung aus vertikalen oder horizontalen Barrieren gestaltet werden. Die Wirkung von Präventionsmaßnahmen in Form von Barrieren wird als sehr hoch erachtet.

Beispiele von abgesicherten Brücken sprechen von einem Suizid-Rückgang von mindestens 28 Prozent. Teilweise gehen die Suizide auf nahezu null zurück, ohne dass Ausweicheffekte zu beobachten sind. Für diese Annahme spricht auch ein Beispiel aus der Region: Die Anzahl der Suizide an der Blombachtalbrücke in Wuppertal sank auf null, nachdem diese abgesichert wurde, obwohl sie früher ebenfalls einen Suizidhotspot in der Region darstellte.

Forderung

Wir fordern Sie daher auf, dass Sie Suizidpräventionsmaßnahmen bei dem Bau Ihrer Brücke einplanen. Nur so können Todesopfer durch Suizid und ggf. an Leib und Seele beschädigte Unbeteiligte vermieden werden. Es ist sicher nicht in Ihrem Sinne, wenn statt eines Touristenhotspots ein Hotspot für Suizide entsteht.

Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne, auch mit unserem Fachwissen gerne zur Verfügung.

Unterzeichnende (in alphabetischer Reihenfolge)

● AG Methodenrestriktion des Nationalen Suizidpräventions- Programms (NaSPro)
● Anette Berkholz, Telefonseelsorge Solingen
● Familie Böhm, Minigolf Müngstener Brücke
● Caritasverband Wuppertal/Solingen
● Jula Heckel-Korsten, Telefonseelsorge Wuppertal
● Simone Henn-Pausch, Notfallseelsorge Solingen
● Dr. Thomas Hummelsheim, PTV Solingen
● Gabi Schiemann-Birk
● Cornelia Weck-Stephan, Bezirksvertretung Burg/Höhscheid“