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Ein VIP-Koch für die Armen

Ein VIP-Koch für die Armen

Majid Cherrak stand im "Scarpati", im Golf-Hotel Vesper und in der VIP-Lounge der BayArena am Herd. Seit kurzem ist er Chefkoch bei der Wuppertaler Tafel.

In der Küche wird noch Salat geschnippelt, Fleisch, Soße, Gemüse und Reis sind bereits fertig für die Ausgabe. Jetzt bleibt Chefkoch Majid Cherrak ein wenig Zeit, um kurz durchzuatmen. Vor dem Speisesaal haben sich die ersten Gäste eingefunden. Einen Restaurantbesuch können sie nicht leisten, aber Majid Cherrak bekocht sie bei der Wuppertaler Tafel.

Gelernt hat er in der Spitzen-Gastronomie, im Vohwinkeler Nobelschuppen "Scarpati", wo sein Vater seit 40 Jahren in der Küche steht. Letzte Station in der Karriereleiter war die VIP-Lounge der Leverkusener BayArena. "An der Weihnachtsfeier des Bayer-Vorstands nahm auch ein Vorstandsmitglied der Wuppertaler Tafel teil und erzählte, dass hier ein Koch gesucht würde. Eine Nacht dachte ich darüber nach, dann habe ich mich beworben. Es war die totale Umstellung. Hier koche ich mit und für Menschen mit Problemen, muss sehen, dass ich aus Spenden eine leckere Mahlzeit zaubere, kann nicht lange im Voraus planen", erzählt der Spitzenkoch über seinen neuen Job.

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Im Freundeskreis stieß sein Jobwechsel anfangs nicht auf viel Verständnis, doch für Majid war es die richtige Herausforderung. "Ich nehme viel für mich mit, lerne von den Menschen, die hier im Mittelpunkt stehen. Bei Bayer war ich ein Rädchen im Getriebe. Hier bin ich verantwortlich für 800 Mahlzeiten. Mit der Kindertafel geht's los, es endet am Abend mit dem Austeilen des Essens auf der Platte. Am Anfang eines Monats kommen wir mit 120 Liter Suppe aus, am Ende benötigen wir 180 Liter. Dann kommen mehr Menschen, wenn die Rente nicht reicht", kennt Cherrak die Sorgen seiner Gäste, bei denen die Stimmung auch mal aggressiver wird.
Die Küche der Tafel möchte er ein gutes Stück nach vorne bringen, die Produktionsabläufe optimieren. Der Anfang ist bereits gemacht: "Früher hat man morgens um 7 Uhr für die Platte gekocht, aber ausgeliefert wurde erst ab 18 Uhr. Das habe ich verändert. Auch gibt es nun abends Vorspeise, Dessert und Tee genau wie am Mittag, das sind wir den Menschen schuldig."

Nur eines hat Majid Cherrak nicht gemacht: Rezepte aus den früheren Stationen bei der Tafel eingeführt. "In der Spitzengastronomie hätte ich eine Abmahnung bekommen, wenn unterschiedlich große Kartoffeln auf den Tellern gelandet wären,. Heute bin ich froh, wenn 200 Kilo Erdäpfel da sind, die uns bereits geschält gespendet wurden. Denn auch bei den Mitarbeitern muss ich flexibel sein. Bei schönem Wetter kommen nicht immer alle zur Arbeit."

Doch damit kann der junge Koch gut umgehen. Sein Personal und vor allem Tafelchef Wolfgang Nielsen sind stolz auf den Sternekoch, der die Augen vor den Problemen seiner Mitmenschen nicht verschließt.