Arbeitsagentur setzt (auch) auf Asylbewerber

Arbeitsagentur setzt (auch) auf Asylbewerber

Große Freude und sogar Überraschung über den eigenen Erfolg: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Bergischen Städtedreieck stark gesunken. In Wuppertal fiel die Quote von 11,3 Prozent im Vorjahr auf jetzt 9,5 Prozent.

So niedrig war sie zuletzt im Dezember vor 13 Jahren. Das bedeutet, dass in der Stadt aktuell "nur noch" 16.665 Menschen ohne Arbeit sind. Ende 2013 waren es noch 20.183. "Vor einem Jahr hätten wir nicht geglaubt, dass sich der Arbeitsmarkt so gut entwickelt", sagt Martin Klebe, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, bei der Vorstellung der neuen Zahlen.

Gründe für den Aufschwung sieht Klebe in der Entwicklung der Wirtschaft. Die Unternehmen könnten es sich wieder leisten, einzustellen. Und so meldeten sich im vergangenen Jahr 42.611 Menschen aus der Arbeitslosigkeit ab — 4.824 mehr als 2013. Demgegenüber standen nur 39.029 Neuanmeldungen — was immer noch einen Zuwachs bedeutete, aber laut Klebe besser aufgefangen werden konnte. Trotzdem warnte der Geschäftsführer: "Für Menschen ohne Ausbildung ist es nach wie vor sehr, sehr schwer, unterzukommen." Arbeitsagentur und Jobcenter wollen ihren Schwerpunkt im kommenden Jahr deshalb verstärkt auf Weiterbildung und Umschulung setzen. "Eine gute Ausbildung ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit", sagte Klebe.

Eklatant verbessert haben sich zwei traditionelle Problemfelder. Zunächst die Jugendarbeitslosigkeit: Junge Menschen haben im vergangenen Jahr besonders vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert. Nur noch 1.439 (statt im Vorjahr 1.966) Menschen unter 25 Jahren sind aktuell auf Jobsuche. Aber hier gilt ebenfalls, dass es für drei Viertel der jungen arbeitslosen Wuppertaler schwierig wird, weil sie keine Ausbildung absolviert haben.

Auch gibt es weit weniger Langzeitarbeitslose: Von allen Arbeitslosen suchen nur noch 43,2 Prozent seit mehr als einem Jahr eine Stelle — immerhin sind das nur noch 7.192 Wuppertaler. Die Zahl sank um ein Viertel. Die Arbeitsagentur beabsichtigt, in Zukunft noch mehr Geld dafür in die Hand zu nehmen, Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Im letzten Jahr hat die Agentur allein 106,3 Millionen Euro für das Arbeitslosengeld I ausgegeben. Vom Gesamtbudget wurden jedoch nur 85 Prozent genutzt — auch daran werde die positive Entwicklung deutlich: "Wir haben das Geld einfach nicht gebraucht", so Martin Klebe.

Die steigende Nachfrage nach Fachkräften soll ebenfalls gestillt werden — gerne auch von außen. Klebe: "Wir müssen qualifizierte Flüchtlinge schneller in Beschäftigung kriegen." Dabei hofft er unter anderem auf entsprechende Gesetzesänderungen im Asylrecht. Schwerpunkte liegen in der Pflege, im Handwerk, in der Metallindustrie und in der Logistikbranche.

Geht es ohne große Weltkrisen weiter, rechnet Martin Klebe für 2015 mit einer weiteren positiven Entwicklung.

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