ADFC sagt Ja zur Seilbahn in Wuppertal

Bürgerbefragung : ADFC sagt Ja zur Seilbahn

Der Kreisverband Wuppertal/Solingen des Allgemeine Deutsche Fahrrad-Clubs unterstützt die Idee einer Seilbahn.

Die Erklärung im Wortlaut: “Schneller öffentlicher Nahverkehr findet in unserer Stadt bisher nur in der Tallage statt. Während es in Ost-West-Richtung mit Eisen- und Schwebebahn gleich zwei leistungsfähige Schnellverkehrssysteme gibt, sind die früher vorhandenen schienengebundenen Nord-Süd-Verbindungen durch die Stilegung der Bergbahn, der Straßenbahn und der Sambastrecke komplett abgebaut worden. Der ersatzweise ausgebaute Busverkehr leidet dabei unter der fehlenden eigenen Trasse. Dies ist ein klarer Wettbewerbsnachteil. Steigerungen in der Nutzung öffentlichen Nahverkehrs gibt es bundesweit insbesondere da, wo attraktive Schienenstrecken geschaffen werden. Schienenverkehr motiviert neue Nutzergruppen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel, erhält durchschnittlich bessere Bewertungen seiner Nutzer und hat gegenüber einem Bussystem eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit.

Was also tun in Wuppertal? Die klassischen Alternativen U-Bahn oder Stadtbahn sind als neuangelegte Strecken sehr teuer. So hat in Düsseldorf der Kilometer U-Bahn schon vor 10 Jahren etwa 250 Mio € gekostet. Bei den massiv gestiegenen Baukosten und den schwierigen geologischen Verhältnissen (aus gutem Grund wurde vor 120 Jahren die Wuppertaler Schwebebahn und nicht eine U-Bahn wie gleichzeitig in anderen Städten gebaut) kann man in Wuppertal von noch höheren Kosten ausgehen. Auch eine oberirdische Stadtbahn kommt mangels geeigneter Trassen nicht in Frage.

Auf der anderen Seite steht der Bedarf einer besseren Anbindung der Universität und des Wuppertaler Südens ans Zentrum. Fast 15.000 Studenten pendeln von außerhalb der Stadt ins Tal, hinzu kommen die einheimischen Studenten.) Dabei auf ein umweltverträgliches Verkehrsmittel umzustellen und gleichzeitig eine relativ günstige Betriebskostenkostenbilanz zu erreichen, wäre ein zusätzlicher Nutzen.

Hier bietet die Idee der Seilbahn überraschend viele Vorteile. Die Baukosten sind mit unter 100 Mio für eine Strecke von fast 3 km Länge überschaubar, die Betriebskosten im Vergleich zur Unterhaltung eines Tunnelsystems oder auch im Vergleich zur Schwebebahn ebenfalls. Die Kapazität ist sehr hoch, bis zu 3500 Fahrgäste kann die Bahn pro Stunde und Richtung transportieren und ist damit ähnlich leistungsfähig wie die Schwebebahn. Dabei erfordert sie selbst in der Spitzenzeit des Berufs- und Universitätsverkehrs einen sehr geringen Personaleinsatz.

Hinzu kommt, dass die Seilbahn fast keine Schadstoffemissionen verursacht. Von einer 28-fach höheren Emission der Busse im Vergleich zur Seilbahn wird gesprochen, wenn man die offiziellen Emissionswerte vergleiche. Wir sind allerdings skeptisch, ob die Glaubwürdigkeit der Emissionswerte für Busse tatsächlich höher ist als die Angaben des Schadstoffausstoßes von PKW.

Die Seilbahn bietet weitere Vorteile. Endlich auch im Winter mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Südhöhen zu kommen, wäre ein wichtiger Schritt der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe. Und gerade für den Radverkehr bietet die Bahn eine erstklassige Perspektive. Zwar ist die Fahrradmitnahme in den Bussen der WSW offiziell jederzeit erlaubt, aber die notwendigen Stellflächen fehlen. Zudem sind die vorhandenen oft durch Kinderwagen oder Rollstühle und Rollatoren belegt, deren Transport richtigerweise Vorrang vor Radtransport genießt. In der Seilbahn sind aber ausreichende Kapazitäten vorhanden, um die Fahrradmitnahme jederzeit und in großem Maß zu ermöglichen. Damit wird es sehr attraktiv,aus jeglichen Wohngebieten auf der Südseite des Tals mit demFahrrad zu starten und den Rückweg auch ohne E-Bike unter Nutzung der Seilbahn auf die Höhe zu nehmen und dann die gewonnene Höhe zur Abfahrt zum eigenen Wohnort zu nutzen.

Kritiker beschwören als Gegenargument die Ausdünnung des Busverkehrs in der Südstadt. Aber in einer Neuorganisation liegen auch Chancen. So gibt es auch weiterhin durchgehende Verbindungen, aber auch das Umsteigen hat nicht die sonst üblichen Nachteile einer Umsteigeverbindung. Da etwa alle 30 Sekunden eine Kabine startet und die Fahrzeiten absolut verlässlich sind, sind Wartezeiten nahe Null obligatorisch. Die barrierefreien Umsteigeverbindungen sind daher trotzdem sehr schnell und ergeben oft einen deutlichen Fahrzeitgewinn gegenüber dem heutigen Stand. Und die Quartierserschließung kann gegenüber dem heutigen Stand sogar verbessert werden, wenn die Linien nicht mehr gleichzeitig die Funktion der Langstreckenverbindung und die der Naherschließung erfüllen müssen. Im Übrigen ist die Frage der Frequenzen des Busverkehrs in erster Linie von der Auslastung und damit dem Verkehrsverhalten der BewohnerInnen der jeweiligen Quartiere abhängig.

Wir können verstehen, dass es einzelne Menschen gibt, für die der Bau der Seilbahn eine persönliche Beeinträchtigung bedeutet. Aber die heutigen Busverkehre bewirken eine deutlich größere Belastung für eine noch größere Zahl betroffener Anwohner. Zudem bietet die Seilbahn als attraktive Schnellverbindung das Potential, eine große Zahl bisher mit dem Auto anreisender Menschen zum Umstieg zu bewegen. Wir gehen allerdings davon aus, dass hier auch die Park & Ride Kapazitäten noch vergrößert werden müssen.

Nicht zuletzt steigt auch die Attraktivität der (Einkaufs)stadt Wuppertal. Nirgendwo sonst kann man mit der Seilbahn zum Einkaufen fahren, und das auch noch als i-Tüpfelchen mit einer Schwebebahnfahrt kombinieren. Das wird hunderttausende Menschen nach Wuppertal locken und damit ein Stück Wirtschaftsförderung bedeuten. Außerdem bewirkt es einen internationalen Blick auf unserer Stadt einmal nicht als Negativbeispiel, sondern als innovative zukunftsfähige Stadt.

Der ADFC hält die Vorteile der Seilbahn für überzeugend und hofft darauf, dass viele WuppertalerInnen auch den Mut haben, zu eine erneuten unkonventionellen Lösung eines Verkehrsproblems 120 Jahre nach dem Schwebebahnbau JA zu sagen. Daher fordern wir auf: Beteiligen sie sich an der Bürgerbefragung und stimmen sie für den Bau der Wuppertaler Seilbahn.“

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