Pro und contra Seilbahn in Wuppertal - die Meinungen der Rundschau

Kurz und kompakt : Pro und contra Seilbahn - die Meinungen der Rundschau-Redaktion

Wer glaubt, eine Redaktion sei immer einer Meinung, der irrt. Das Thema Seilbahn beweist das bestens. Hier die Einschätzungen der Wuppertaler Rundschau - in alphabetischer Reihenfolge.

Nicole Bolz: Seilbahn - was denn sonst?!

Überfüllte Busse, überfüllte enge Straßen, beim ersten Schneefall schafft es kein Bus mehr rauf auf die Höhen … eine Seilbahn ist für Wuppertals Topographie ein ideales Verkehrsmittel. Staufrei, ampelfrei, emissionsfrei – das kann sonst nur unsere Schwebebahn. Die schlängelt sich aber lieber unten durchs Tal. Schenken wir ihr doch eine große Schwester, die uns zuverlässig auf die Südhöhen bringt, und reihen uns damit ein in die Liste moderner Großstädte, die auf eine Seilbahn als modernes Verkehrsmittel setzen. Und bei allem Verständnis für die Kritiker: Auch eine Schwebebahn hätte man vermutlich nie gebaut, wenn man die Vision für das Große durch die Zweifel einiger Skeptiker aus den Augen verloren hätte. Also: nur Mut. Schweben – das können wir doch!

Nicole Bolz. Foto: Wuppertaler Rundschau/Bettina Osswald

Nina Bossy: Herz oder Kopf?

Es ist wie so oft bei komplexen Entscheidungen. Lasse ich Kopf oder Herz entscheiden? Mein Herz schlägt für die Vision, die ein neues Licht auf Wuppertal werfen könnte. In meinem Kopf türmen sich währenddessen Zweifel über die Sinnhaftigkeit. Tatsächlich habe ich großes Verständnis für die, die wirklich betroffen sind, weil sie in dem Schatten dieses „Projekts mit Strahlkraft“ leben werden, die Anwohner. Ich bin hin- und hergerissen. Was überwiegt? Ich komme zu dem Schluss, dass die Seilbahn ein großartiges Symbol für die Stadt der Schwebebahn wäre, die einschlägigen Vorteile für den Wuppertaler Alltag sehe ich nicht. Sorry Herz, mein Kopf hat entschieden.

Nina Bossy. Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Hannah Florian: Ich sage Nein

Ich bin gegen die Seilbahn, denn ich sehe ihren Vorteil nicht. Wie viele Küllenhahner pendeln regelmäßig mit ihr ins Tal? Wie notwendig ist sie für die Studenten, die auch zu Fuß in 15 Minuten am Campus sind? Und warum dürfen nicht alle Uni-Pendler über sie abstimmen? Schließlich sind sie es, die die Seilbahn täglich nutzen. Wirklich schlecht erreichbar ist übrigens der Campus auf dem Freudenberg. Aber dem nützt auch die Seilbahn nichts. Für die Seilbahn spricht ihr Symbolcharakter, ein Schritt nach vorn, eine neue Chance für die Stadt. Die Frage ist nur, ob sie (auf der geplanten Strecke) das richtige Mittel für diesen Zweck ist.

Hannah Florian. Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Jörn Koldehoff: Die Kosten?

Dass die Wuppertalerinnen und Wuppertaler zu diesem Thema befragt werden, ist gut. Einerseits immer wieder über mehr Bürgerbeteiligung zu schwadronieren, sie dann aber bei solch einem wichtigen Projekt abzulehnen – das passt nicht. Zumal mit der Abstimmung ja noch keine endgültige Entscheidung getroffen wird, es ist eine Art Stimmungstest. Dass mit den Unterlagen eine (schlecht gemachte) Info-Broschüre verschickt worden ist, geht gar nicht. Es war vorhersehbar, dass beide Bürgerinitiativen – pro und contra – die Zahlen und Aussagen anzweifeln. Ein Treppenwitz ist es, dass man die Stimme nicht im (Europa-)Wahllokal abgeben kann. Das wird die Beteiligung verringern und damit auch die Aussagekraft. Grundsätzlich habe ich nichts gegen die Seilbahn. Was mir fehlt, sind aufgeschlüsselte Zahlen zu den Kosten. Daher: Ende noch offen.

Jörn Koldehoff. Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Stefan Seitz: Seilbahn? Ja!

Ich bin für die Seilbahn. Ein zukunftsweisendes Verkehrsmittel mit bedeutenden Effekten über die Stadtgrenze hinaus. Ihre Kosten sind viel Holz – stimmt! Doch das Geld fließt nur in Richtung dieses Projektes. Andere Verwendungen sind nicht möglich. Um das zu ändern, müssten die deutschen Richtlinien für die Vergabe von Fördermitteln geändert werden. Kürzungen von Buslinien sind schon realisiert, weitere werden hinzukommen. Auch ohne Seilbahn. Die WSW stehen unter Nahverkehrsfinanzdruck. Intelligente Ideen, die das vielleicht ändern könnten, wie das Solidarische Bürgerticket, werden flächendeckend abgewatscht – auch von den WSW selbst. Wuppertal muss an vielen Stellen neu und nach vorn denken. Die Seilbahn ist ein Symbol dafür.

Stefan Seitz. Foto: Max Höllwarth

Roderich Trapp: Ein klares Jein

Roderich Trapp. Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Ja, ich verstehe den Reiz und die Strahlkraft des Projekts. Nein, ich möchte auch nicht unbedingt direkt unter einer Seilbahntrasse leben. Und wer in den ausufernden Diskussionen rund um Gutachten, Zahlen und Nutzwert Recht hat, kann ich als interessierter Laie nicht beurteilen. Genau für diese Fälle haben wir eigentlich Politiker gewählt, die sich solchen Entscheidungs-Notwendigkeiten und ihren Konsequenzen stellen sollen. Deshalb wünsche ich mir auch, dass die Befragung fifty-fifty ausgeht. Dann sind wir nämlich wieder exakt an diesem Punkt. Und bis dahin gibt’s von mir konsequenterweise ein klares Jein!

Ein Überblick über einige Pro- und Contra-Argumente: hier klicken!

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