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Wuppertal: Protest gegen Abriss auf der Hardt

Pädagogische Hochschule : Nicht den Baggern preisgeben

Betr.: Abriss auf der Hardt

„Deutschland schaut nach Wuppertal“ - Das sind die Worte Uwe Schneidewinds, der als ehemaliger Leiter des Wuppertal-Instituts das Vertrauen der Wuppertaler gewonnen hat und neuen Wind in die Stadt bringen will. Doch Deutschland blickt nicht nur heutzutage nach Wuppertal! Nach der NS-Diktatur stand Wuppertal ganz besonders im Blickfeld der damals ganz jungen Republik:Nämlich als die Pädagogische Akademie im Jahre 1958 auf dem Hardtberg gegründet wurde! Später umbenannt in Pädagogischen Hochschule, die schließlich zur Gründung der Gesamthochschule Wuppertal führte. Wer weiß davon noch?

Hier in Wuppertal fand die Geburt einer pädagogischen Lehrerbildung nach demokratischen Grundsätzen statt! Darauf dürfte, ja müsste, sollte Wuppertal besonders stolz sein! Und niemand Geringeres als Dietrich Bonhoeffer sollte der Leiter der Pädagogischen Akademie werden! Von Wuppertal ging ein Hoffnungsstrahl in das ganze, am Boden liegende Deutschland aus. Das soll jetzt dem Erdboden gleich gemacht werden?!

Angesichts unserer geschichtlichen Vergangenheit hätte Wuppertal doch hier die Möglichkeit, Denk- und Erinnerungskultur für eine wirklich seelisch und geistig aufbauende, tiefgreifende Arbeit nach den Schrecknissen der NS-Zeit zu pflegen! "Der Abriss käme der Eliminierung einer ganzen Epoche gleich", so Prof. Dr. Rudolf Engel, einer der Professoren, die an dieser PH über lange Zeit gelehrt haben und die sich nicht erklären können, wieso der Stadtrat trotz der geschichtlich so bedeutenden Vergangenheit dieses Gebäudes auf der Hardt, dem "Heiligen Berg", auf dem nichts abgerissen werden darf, zu dem Beschluss kommen konnte, das Gebäude ab dem 5. Oktober 2020 den Baggern preisgeben zu wollen. Wer will dafür die Verantwortung übernehmen?

Sieglinde Kaßbaum