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Abriss der Justizvollzugsschule auf der Hardt : Entscheidung überdenken!

Abriss der Justizvollzugsschule auf der Hardt : Entscheidung überdenken!

Betr.: Abriss der Justizvollzugsschule auf der Hardt

Der Rat der Stadt hat am 22. Juni 2020 den Abriss der Justizvollzugsschule auf der Hardt beschlossen. Dies geschah auf Grundlage einer Beschlussvorlage, aufgestellt vom Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal.

Liest man darin die Beschreibung der Baumängel, so staunt man, wie wenig es an Schäden bedarf, um einen grundsoliden Bau zum Abriss freizugeben. In der Vorlage sind nur Mängel aufgeführt, die für einen über 60 Jahre alten Bau typisch sind.

Defekte Zuleitungen für die Handwaschbecken, schadhafte Abwasserleitungen für die WCs in „bis zu 7 Meter Tiefe oder unterhalb der Bodenplatte“ (Frage: Seit wann werden Abwasserleitungen bei Hochbauten in sieben Meter Tiefe verlegt?), Regenentwässerung versickert auf dem Gelände, Heizungsanlage abgängig, teilweise fehlende Brandmelder, Einfachverglasung, aber lediglich auf der Südseite.

Zur behaupteten Asbest-Kontamination wird nur gesagt, dass Beprobungen mit und ohne Asbestbefund an Putzflächen durchgeführt wurden (Frage: Wurde 1958 überhaupt schon Asbest verbaut? Das kennt man eher von Bauten aus den Siebzigern). Kein Wort zu einer durchgeführten Bestandsaufnahme oder einem Gutachten über die Menge des Asbests, kein Wort zur fehlenden Standsicherheit, zu gefährlichen Rissbildungen infolge von Setzungen bei tückischem Untergrund, nichts.

Man muss also anhand der Beschlussvorlage, die doch den Abriss empfiehlt, davon ausgehen, dass das Gebäude im Kern keinesfalls marode ist, sondern sich in einem grundsoliden Bauzustand befindet.

Man darf hier zu Recht vermuten, dass hier ein voll funktionstüchtiges Gebäude geopfert werden soll, nur weil zwei Schulen mit der Sanierung ihrer eigenen Gebäude nicht mehr warten können. Aber wer sagt denn, dass die Behebung der Mängel an der ehemals Pädagogischen Hochschule länger dauern muss, als die Errichtung eines Containerdorfes? Dazu benötigt es erstmal des Abrisses eines großen Gebäudevolumens, einer Untergrundvorbereitung auf schwierigem, abschüssigem Gelände für die Container, dann die Aufstellung, einschließlich des Anschlusses an die Kanalisation und so weiter.

An dem vorhandenen Gebäude lässt sich eine Vielzahl der Mängel entweder bei laufendem Schulbetrieb oder in der Ferienzeit beheben. Für die allernotwendigsten Arbeiten wie der Austausch der Fenster und der Ersatz beziehungsweise die Reparatur der Sanitär- und Heizungsanlagen dürfte nicht mehr als ein halbes Jahr, eher weniger, veranschlagt werden. Die meisten Arbeiten können zeitgleich erfolgen.

Die Beschlussvorlage schätzt die Kosten für den Abriss auf 4,6 Millionen Euro, für die notwendigen, temporären Ersatzgebäude (Container) auf zwei bis drei Millionen Euro pro Schulsanierung, also vier bis sechs Millionen Euro bei zwei Schulen. Dem stehen für die Sanierung der Justizvollzugsschule Kosten gegenüber von 2,3 bis 15 Millionen Euro.

Diese Zahlen lassen schon erkennen, dass man bei der Spreizung der Summen als Volksvertreter keine verantwortungsvolle Entscheidung fällen kann.

Was hier besonders negativ ins Auge sticht, ist, dass hier mit dem Abriss quasi eine Vorentscheidung über die künftige Nutzung der Hardt als einem Aushängeschild der Stadt getroffen wird. Es entfällt mit dem Ratsbeschluss eine breite öffentliche Diskussion, wie das Gelände nach Gebrauch als Interimslösung für die bekannten Schulen genutzt werden soll; ob privat oder öffentlich, mit den bestehenden Gebäuden oder nicht. Demokratie sieht anders aus!

In einer so prominenten Lage wie auf der Hardt bedarf es einer Nutzung mit Außenwirkung über Wuppertals Stadtgrenzen hinaus, eventuell mit einer Verbindung zu einer möglichen Bundesgartenschau, beispielsweise einem Fortbildungs- und Tagungszentrum mit angeschlossenem Gästehaus oder einem Forschungsinstitut. Das Raumvolumen wäre jetzt schon da, die schützenswürdige Architektur aus den 50er Jahren ebenfalls.

Was einmal weg ist, ist weg! Ich möchte die Stadtverordneten eindringlich darum bitten, ihre Entscheidung zu überdenken, Rücksprache mit der Unteren Denkmalbehörde zu halten und dem Gebäude eine Chance zu geben.

Es war noch nie gut, Entscheidungen unter Zeitdruck zu fällen!

Bernd Böker (Bauingenieur)