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Offener Brief an die NRW-Landesregierung : Solidarität mit Solingen

Offener Brief an die NRW-Landesregierung : Solidarität mit Solingen

Betr.: Verbot des „Solinger Schul-Modells“ durch die Landesregierung

Steine auf dem „Solinger Weg“! Was ist passiert?

Nachdem aktuell die Zahl der Corona-Infizierten – auch bei Kindern und Jugendlichen (!) – drastisch in die Höhe geschossen ist, beschließt ein erlesener Kreis der Regierung für November Maßnahmen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, dass sich zum Beispiel nur noch Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen. So weit, so gut – oder doch nicht?!

Denn: Betriebe und Arbeitsstätten, Schulen und Kitas bleiben geöffnet. Obwohl im Klassenzimmer Schüler/innen und Lehrpersonal aus oft 30 Haushalten zusammen sitzen oder im Betrieb Arbeiter/innen aus 100 oder 1.000 Haushalten zusammenarbeiten – und zudem noch in überfüllten Bussen oder Bahnen dicht gedrängt zusammenstehen müssen.

Damit wird die Gefährdung der Gesundheit bewusst in Kauf genommen! Denn in diesem System ist nun mal der Profit ausschlaggebend – und deswegen müssen die Eltern weiterarbeiten, obwohl das gesundheitliche Ansteckungsrisiko größer ist als je zuvor.

Dagegen wollte die Stadt Solingen ihren Schüler/innen und Lehrer/innen einen wirkungsvollen Gesundheitsschutz zukommen lassen: Ab 4. November sollte in weiterführenden Schulen die Hälfte der Klasse in Präsenzunterricht, die andere in Homeschooling – im Wechsel. So könnten alle in kleineren Gruppen lernen und in nicht so überfüllten Bussen zur Schule fahren. Ein richtiger und gesundheitsschonender Weg, den wir auch für Wuppertal und anderswo unbedingt für richtig erachten!

  • Von li.: Ludger Kineke, Caroline Lünenschloss
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Doch: Das Schulministerium NRW hat diesen „Solinger Weg“ verboten. Es sei nicht mit der Vorgabe des Landes NRW, Recht auf Präsenzunterricht für alle, vereinbar.

Wir Frauen vom Frauenverband Courage sind sehr empört, wie verantwortungslos hier mit unserer Jugend umgegangen wird. Es ist längst erwiesen, dass Kinder und Jugendliche ebenso Virusträger sind. Auch wenn sie selbst nicht immer an Covid-19 erkranken, sind sie durch mögliche schwere Nachfolgeerkrankungen doch genauso gefährdet.

Wir Frauen von Courage fordern NRW-SchulministerinGebauer (FDP) auf, sofort das Verbot aufzuheben und den „Solinger Weg“ für alle Schulen zu ebnen, mehr Schulbusse einzusetzen, für alle Schulen die notwendigen Gelder für alle erdenklichen Hygiene-Maßnahmen zur Verfügung zu stellen, umgehende unbürokratische Ausstattung der Schüler/innen mit Tablets beziehungsweise Laptops.

Wir Frauen von Courage übermitteln unsere volle Solidarität mit dem mutigen Schulleiter der Solinger Gesamtschule, der trotz Verbot des Ministeriums am Gesundheitsschutz seiner Schüler/innen festhielt und sich eine mögliche Abmahnung „im Goldrahmen an die Wand hängen“ würde – mit der Solinger Schuldezernentin und dem Oberbürgermeister, die diesen Weg mitgehen!

Wir Frauen von Courage engagieren uns seit vielen Jahren für kleinere Klassen und mehr Lehrer/innen – nicht nur in Corona-Zeiten, für ausreichende Ausstattung der Schulen, statt nur Milliarden Euros für die Industrie!

Frauenverband Courage, Wuppertal