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Schwebend ohne Netz

Schwebend ohne Netz

Oberbarmen. Die leere Schwebebahn fährt an den Bahnsteig. Ich steige ein. Ein Elternpaar mit einem vielleicht gerade einmal zweidreiviertel Jahre alten Jungen steigt ein. Verwundert bemerke ich, dass der kleine Mensch einen Tablet-PC in Händen hält.

Die Mutter übernimmt beim Einsteigen das Tablet und erklärt dem Jungen nach einem kurzen Augenblick, dass jetzt keine Verbindung mehr da ist.

Der Junge übernimmt das Tablet wieder, fängt an zu weinen, wird energisch und schreit ein zunächst nicht verständliches dreisilbiges Wort, das er dann lautstark ständig wiederholt. Jetzt wird für mich klar, was er ruft: In-ter-net!

Immer wieder diese drei Silben. Die Mutter versucht, ihn zu beruhigen, mit einem Schokoladenkeks. Der Knirps schlägt ihn weg, schreit weiter und tobt: In-ter-net!

Die Schwebebahn hat inzwischen ein paar mehr Fahrgäste und fährt los. Der Junge beruhigt sich nicht. Immer wieder: In-ter-net!

Der Vater steht in der mittlerweile gut gefüllten Schwebebahn am Alten Markt auf und stellt sich an das Seitenfenster, tut so, als gehöre er nicht dazu. Die Mutter ist völlig ratlos dem Kind ausgeliefert. Der Wutanfall des Kleinen geht ununterbrochen bis Loher Brücke weiter, wo alle drei Familienmitglieder aussteigen.

Ein hoffentlich nicht typisches Beispiel...

Franz-Georg Schmitz, Normannenstraße

(Rundschau Verlagsgesellschaft)