Es gehört nicht viel Vorstellungskraft dazu, wie sich das Projekt „Gestaltung der Stützmauer Briller Kreuz“ irgendwann entwickeln wird. Vielleicht in einer solchen „Qualität“ wie die höchst naiven Malereien von Erika Nagel, die halb Wuppertal geziert haben. „Höchstwahrscheinlich werden nicht alle Leute zufrieden sein“, meint vorsichtshalber schon einmal Herr Bartsch (SPD).
Wie auch, wenn zunächst einmal die Frage der Zuständigkeit geklärt werden muss. Denn die Vertretung des Bezirks Uellendahl-Katernberg beansprucht ein Mitspracherecht über das Motiv der Wandgestaltung: Der Bezirksbürgermeister „wünscht sich ein Motiv mit Fokus auf den Frieden“. Dieser Wunsch wird Unfrieden schaffen, da Frau Wegemann (CDU) die Wahrzeichen Wuppertals, wie zum Beispiel die Schwebebahn, dort sehen möchte – sehr originell.
Die Verwaltung der Stadt Wuppertal hat natürlich auch eine Vorstellung des Motivs: thematisch auf die BUGA 2031 fokussiert (der Schuss könnte nach hinten losgehen).
Nicht genug der Ideen, die um Realisierung kämpfen: Herr Teubner (Grüne) möchte der Sprayerszene die Wand ein Jahr lang „zum Austoben“ zur Verfügung stellen. Diese Idee hat die größten Chancen zur Verwirklichung, da die freie Szene schon jetzt mit der Umsetzung begonnen hat. Man will aber das Projekt zielgerichtet steuern: Ein offener Wettbewerb der Wuppertaler Kunstschaffenden sollen Ideen präsentieren, aus denen eine unabhängige Jury aus Kunst, Kultur und Stadtentwicklung vier bis fünf Werken aussucht und diese mit einer „strukturierten Bürgerbeteiligung der Stadtgesellschaft“ abstimmt.
Dann noch die so fortschrittliche Idee, die Entwürfe per Beamer auf die Stützmauer zu projizieren, damit „man es sich besser vorstellen könne“ (Herr Todtenhausen / FDP hat wohl noch nichts von herkömmlicher Bildmontage gehört). Wer bis hierhin noch nicht weiß, was Bürokratie bedeutet, dann weiß er es jetzt.
Eines ist doch klar: Kein einziges der wunderschönen und beeindruckenden Murals in Wuppertal wäre entstanden, wenn jeweils die einzelnen Bezirksvertretungen Mitspracherecht gefordert hätten; kein Künstler oder Künstlerin hätte sich darauf eingelassen. Die Organisatorin Valentina Manojlov vom Urbanen Kunstraum hätte man ganz früh ins Boot holen sollen, aber diese hatte, glaube ich, schon früh abgewunken, weil sie dieses Kasperletheater wohl ahnte.
Wolfdietrich Bruns
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