Dass es den verantwortlichen Wuppertaler Entscheidungsträgerinnen und -trägern an Gespür für Angemessenheit und Ästhetik von gestalterischen Maßnahmen mangelt, zeigt aktuell der Platz am Kolk, der kürzlich mit einer temporären Möblierung ausgestattet wurde. Mit dieser sollen die fünf Jahre bis zur endgültigen Gestaltung überbrückt werden.
Was ist eigentlich so schwierig bei der Entwicklung eines nachhaltigen Nutzungs- und Gestaltungskonzepts für den Platz am Kolk? Beginnt man mit der nicht nur Politikerinnen und Politikern anempfohlenen Betrachtung der Realität, kommt man nicht umhin zu konstatieren, dass der Platz schon lange vor allem durch eine gewisse Trostlosigkeit auffällt. Diese über die Platzgestaltung beseitigen zu wollen, erscheint wirklichkeitsfremd.
Ursache dafür ist, dass es eigentlich weniger um einen Platz geht als um einer Art Verkehrsinsel am Rande der Innenstadt, die an die Fußgängerzone grenzt, aber von dieser durch Straßen und Ampelanlagen getrennt ist. Schließt man perspektivisch umfangreiche städtebauliche oder verkehrliche Umbaumaßnahmen in diesem Areal aus, ist in der Zukunft mit einem ähnlichen Verkehrsbild zu rechnen wie heute.
Die Abgasbelastungen durch den Verkehr werden abnehmen, bleiben werden jedoch der Verkehr selbst ebenso wie ein unüberhörbarer Lärmpegel, auch wenn es sich in einer ferneren Zukunft primär nur noch um die Rollgeräusche von Elektroautos handeln könnte.
Kurz- und mittelfristig ist aber erst einmal mit einer Fortsetzung der heutigen Lärm- und Abgasbelastung zu rechnen, so dass die Zahl der Wuppertalerinnen und Wuppertalern, die täglich auf den Platz strömen werden, vermutlich überschaubar sein wird.
Angesichts dieser Situation relativiert sich die Bedeutung des bei räumlichen Planungen ansonsten wichtigen Kriteriums der Aufenthaltsqualität. Wo aufgrund des Standortes dauerhaft eine geringe Frequentierung die offensichtlich wahrscheinlichste Variante ist, wird kein ausgeklügeltes Konzept für die soziale Nutzung benötigt.
Stattdessen sollte der Fokus konsequent auf die Begrünung des Platzes gelegt werden. Entscheidendes Kriterium wäre hier der Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas im Umfeld der Grünanlage. Dass bei der Gestaltung auf eine gute landschaftsplanerische Qualität zu achten wäre, versteht sich von selbst.
Wer trotz der Verkehrsbelastungen den Platz nutzen möchte, sollte dies tun können. Dazu braucht es jedoch bei der Ausstattung mit Stadtmobiliar keiner Sonderanfertigungen; hochwertige Modelle „von der Stange“ stehen am Markt ausreichend zur Verfügung. Und sollten mehr Menschen als gedacht die Grünanlage am Kolk tagsüber, vor dem Kneipen- oder nach dem Kinobesuch nutzen wollen, könnte man Bänke und anderes nachrüsten.
Motivierend und zugleich beruhigend könnte für die Planerinnen und Planer und Entscheidungsträgerinnen und -träger die Aussicht sein, für die Lösung, wie auch immer sie aussehen mag, mit ziemlicher Sicherheit mit einem Preis belohnt zu werden. Dafür spricht zumindest das ausgezeichnete Beispiel „Wupperpark Ost“.
Der erste Gedanke des Verfassers bei Ansicht der Planskizzen war damals übrigens, dass man aufgrund der erwarteten Klientel die Gestaltung aus den (vermuteten) hygienischen Erfordernissen entwickelt haben könnte. Das zentrale Gestaltungskriterium schien die Feuerwehrschlauchtauglichkeit, vielleicht auch die Befahrbarkeit mit Reinigungsmaschinen gewesen zu sein.
Georg Wilke
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