Der Beginn eines neuen Jahres ist für viele Menschen ein Moment des Innehaltens. Auch wir Wuppertalerinnen und Wuppertaler blicken in diesen Tagen nach vorn und verbinden mit dem Jahreswechsel Wünsche nach Glück, Gesundheit und Zuversicht.
Doch was bedeutet Glück eigentlich? Für manche ist es Sicherheit oder Erfolg, für andere Familie, innere Ruhe oder das Gefühl, mit der Welt um sich herum im Einklang zu sein. Immer deutlicher wird, dass Glück nicht allein aus dem eigenen Vorteil entsteht, sondern auch aus der Art, wie wir mit unserer Umwelt und den Lebewesen umgehen, die diesen Lebensraum mit uns teilen.
Wuppertal ist eine grüne Stadt, geprägt von Wäldern, Parks, privaten Gärten, Kleingartenvereinen und den Ufern der Wupper. In diesen Lebensräumen leben zahlreiche Tiere, oft näher bei uns, als wir denken. Vögel, Igel, Eichhörnchen, Fledermäuse, Füchse und viele andere Arten sind Teil unseres Alltags, auch wenn sie meist unauffällig bleiben.
Darüber hinaus leben Tiere in landwirtschaftlicher Haltung oder in menschlicher Obhut. Sie alle sind fühlende Wesen mit eigenen Bedürfnissen, die ihr Leben nicht für uns, sondern für sich selbst leben. Ihre Würde hängt nicht davon ab, wie nützlich, vertraut oder sichtbar sie für uns sind, sondern allein davon, dass sie leben.
Gerade in den Wintermonaten wird deutlich, wie verletzlich viele Wildtiere und leider auch Straßentiere sind. Kälte, Frost und eingeschränkte Nahrungsquellen erschweren das Überleben erheblich. Hinzu kommen menschliche Einflüsse wie Verkehr, Bebauung oder der Verlust von Rückzugsräumen. Für verletzte oder geschwächte Tiere können diese Belastungen lebensbedrohlich sein. In solchen Situationen ist Hilfe kein Eingriff in die Natur, sondern Ausdruck von Verantwortung. Wer nicht wegschaut, sondern handelt, erkennt die Würde des Tieres an und übernimmt Verantwortung für ein Zusammenleben, das von Respekt geprägt ist.
Der Arzt, Theologe und Philosoph Albert Schweitzer fasste diese Haltung in einem Satz zusammen, der bis heute nichts an Aktualität verloren hat: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Seine Philosophie der Ehrfurcht vor dem Leben stellt den Menschen nicht über andere Lebewesen, sondern mitten hinein in ein gemeinsames Lebensgefüge. Aus dieser Sicht ergibt sich die Verpflichtung, Leiden nicht gleichgültig hinzunehmen und die Würde aller Tiere zu achten.
Auch für uns Wuppertalerinnen und Wuppertaler bietet das neue Jahr die Chance, diese Haltung bewusster zu leben. Rücksichtnahme im Alltag, Aufmerksamkeit für verletzte Tiere und ein respektvoller Umgang mit der Natur sind konkrete Wege, Verantwortung zu übernehmen. Glück entsteht dabei oft dort, wo Mitgefühl und Achtsamkeit unser Handeln bestimmen.
Ein neues Jahr, das von Respekt vor allem Leben getragen ist, kann nicht nur für die Tiere in unserer Stadt, sondern auch für uns Menschen zu einem guten und erfüllten Jahr werden. Dies wäre ein Neujahrswunsch, welcher für jeden gut umzusetzen ist. Alles Liebe für das Jahr 2026.
Susanne Schüßler
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