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Erlebnisbericht eines Radfahrers : Rücksichtnahme ist viel zu selten

Erlebnisbericht eines Radfahrers : Rücksichtnahme ist viel zu selten

Betr.: Umgang der Stadt mit Radfahrern

Ich fahre beruflich viel Rad in Wuppertal und bin der Meinung, dass von Seiten der Stadt mehr für Radfahrer gemacht werden könnte.

Es gibt viele Einbahnstraßen, die Radfahrer auch gegen die für

Autofahrer geltende Richtung befahren dürfen. Es gibt da auch kleine Schilder am Beginn der Einbahnstraße mit einem Radsymbol und Pfeilen in beide Richtungen und der Aufschrift „Frei“. Das Schild ist jedoch so klein, dass es von den meisten Autofahrern nicht wahrgenommen wird. Stattdessen werde ich täglich, wenn ich gegen die Richtung in Einbahnstraßen fahre, wo dies erlaubt ist, durch „Freizeitpolizisten“ in Autos darüber belehrt, dass dies eine Einbahnstraße sei und ich dort nicht gegen die Richtung fahren dürfe.

Die bei der Stadt für Belange von Fahradfahrern und Fußgängern zuständige Stelle – nahmobil@stadt.wuppertal.de – schrieb ich daraufhin an und schlug vor, dass Mensch dort zum Beispiel neben dem Symbol von Kindern in einem Dreieck auch ein Symbol eines Rades auf die Straße malen könne – etwa in der Carnaper Straße und Waisenstraße. Dort wurden mir jedoch nur Ausreden mitgeteilt, warum dies nicht möglich sei – und in den Einbahnstraßen, in denen der Radverkehr in beide Richtungen erlaubt sei, habe es noch keinen Unfall mit einem Rad gegeben.

Warum wohl? Weil der Radfahrer eher auf sein Recht verzichtet, dort weiterzufahren, wenn er dabei von rücksichtslosen Autofahrern über den Haufen gefahren wird.

Ich frage mich, warum es bei der Stadt eine Stelle gibt, bei der Fußgänger und Radfahrer sich beschweren können, wenn dann dort nichts unternommen wird.

Regelmäßig wird von mich überholenden Autos der Mindestabstand von 1,50 Meter weit unterschritten – und ich frage mich, was im Kopf dieser Autofahrer vorgeht, wenn sie dies tun. Vor allem stehen sie an der nächsten roten Ampel eh wieder hinter mir.

Die zuständige Mitarbeiterin der Stadt für Nahmobilität sagte, es komme in diesen Einbahnstraßen der Paragraph der Straßenverkehrsordnung zur Anwendung, der die gegenseitige Rücksichtnahme vorschreibt. Wie soll das gehen, wenn der Autofahrer, der in diesem Fall Stärkere, seine Macht missbraucht, mir auch ein Stück „seiner“ Straße zu überlassen?

Es gibt aber auch Autofahrer, die sich gut und solidarisch gegenüber Radfahrern verhalten. Nur leider sind dies zu wenige.

Ulf Riemann