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BUGA-Diskussion: Plädoyer für Wohnungsnähe und Wuppernähe

BUGA-Diskussion : Plädoyer für Wohnungsnähe und Wuppernähe

Betr.: BUGA-Diskussion

Bereits im Jahr 2000 hat die Stadt Wuppertal die Ziele einer nachhaltigen Gartenschau festgelegt, nachzulesen im Ergebnisprotokoll einer Sitzung mit Teilnehmern der Stadt Wuppertal und des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport NRW vom 7. Dezember 2000.

1.) Dezentrale Gartenschau 

Damals legte die Stadt Wuppertal fest, dass dem Freiraumbedarf in den innerstädtischen Quartieren durch die Anlage von dezentralen, wohnungsnahen, über das gesamte Stadtgebiet verteilten Freiflächen Rechnung getragen werden soll. Dieses Freiflächenkonzept soll Bodenentsiegelungen (Schwammstadt), renaturierte Bachläufe, Umgestaltungen von Schulhöfen, Dach- und Fassadenbegrünungen, Regenwasserbehandlungs- und Versickerungsanlagen, wiederhergestellte Grün- und Parkanlagen und Biotop- und Waldflächen beinhalten.

Gut 20 Jahre später führt der aktuelle Ansatz der BuGa-Planung auf der Königshöhe zur Herstellung von zentralisierten Freizeit- und Erholungsbereichen in dem bislang für die ruhige, landschaftsgebundene Erholung genutzten Waldgebiet im Außenbereich. Zudem muss aufwendige (Verkehrs-)Infrastruktur errichtet werden, dies führt unter anderem zur Zerstörung zusammenhängender Waldflächen.

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2.) Neue Fuß- und Radwegeverbindungen

Im Jahr 2000 plante die Stadt Wuppertal die Herstellung neuer, alltagstauglicher Fuß- und Radwegeverbindungen, um eine dauerhafte räumliche Verknüpfung möglichst vieler dezentraler Orte und Freiräume zu erreichen. Diese Wegeverbindungen sollen unter anderem durch themenbezogene Rundwege wie Wasserpfad, Ökoachse, Geologischer Pfad, Wege der Architektur oder Weg der historischen Denkmäler ergänzt werden. Zur Minimierung von Eingriffen in Freiräume sollen hierbei auch ehemalige Bahntrassen in die Planung einbezogen werden.

Hingegen sieht das aktuelle Planungskonzept als neue Fuß-/Radwegeverbindung ausschließlich die 700 Meter lange und 1,50 Meter breite Hängebrücke zwischen Königshöhe und Kaiserhöhe vor. Mit dieser statisch vertretbaren geringen Breite ist keine Alltagstauglichkeit für den Weg zu Schule, Arbeitsplatz et cetera gegeben.

 3.) Keine Spektakel überregionaler Bedeutung während der Gartenschau

Die Stadt Wuppertal stellte im Jahr 2000 fest, dass publikumswirksame Veranstaltungen, die beispielsweise Eintrittsgelder begründen und Anreize zur Anreise aus weiterer Entfernung herstellen, unter dem Erfolgsdruck des Einzigartigen stehen. Damit verbunden sei erheblicher Ziel- und Quellverkehr. Weiter wird aufgeführt, dass derartige Schauobjekte meist in keinerlei Bezug zu den erforderlichen städtebaulichen und stadtplanerischen Problemen stehen.

Im Gegensatz dazu setzt die aktuelle BuGa-Planung auf die spektakulären Highlights „Seilbahn“ und „Hängebrücke“. Während die Seilbahn innerhalb des Zoos dessen Attraktivität vor allem für mobilitätseingeschränkte Menschen erhöhen dürfte, dient die Verlängerung der Seilbahn zur Königshöhe einzig dem Zweck, die Königshöhe für eine intensive Freizeitnutzung zu erschließen und den Zugang zur mehrere 100 Meter weit entfernten Hängebrücke zu schaffen, die nicht zur nachhaltigen Stärkung der Verkehrsinfrastruktur beiträgt. 

Ausdrücklich erwähnt das Konzept aus dem Jahr 2000 die grundsätzliche Problematik einer Gartenschau, die zum einen den Anspruch auf „Darstellung von Besonderheiten“ und zum anderen auf „interessante Präsentation der Entwicklung der Region“ erhebt. Dieser „Spagat“ lasse sich nur durch eine intensive planerische Auseinandersetzung mit den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten bewerkstelligen.

Im Sinne einer zukunftsorientierten Stadtplanung müssen die Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Förderverein darauf drängen, das aktuelle BuGa-Konzept in Bezug auf diese längst bekannten Ziele, die sich auch in den Stadtplanungen fortschrittlicher Städte wie Kopenhagen, Paris oder Madrid widerspiegeln, zu modifizieren, damit die erheblichen finanziellen Aufwendungen einer nachhaltigen Stadtentwicklung und damit allen Bürgern zu Gute kommen.

Alle Wuppertaler Bürger haben ein Recht auf wohnungsnah gelegene, attraktive, kostenlos und nachhaltig zu nutzende Erholungs- und Freiflächen, auch in Wuppernähe. Das ist die BuGa, die alle Wuppertaler verdienen! Lassen Sie uns dafür kämpfen!

Waltraud Rinke