Leserbrief „Verhalten der Stadt ist mehr als schäbig“

Betr.: Gehwegparken / Rundschau-Kommentar

Symbolbild.

Symbolbild.

Foto: Rundschau

Ich fahre viermal täglich durch sechs Stadtteile, in allen Straßen wird das Auto geparkt, viele haben Markierungen und einige nicht, und es wird viel auf nicht markierten Bürgersteigen ohne Parkverbot geparkt.

Bürgersteig-Parken ist nicht grundlegend verboten. Sobald Markierungen und ein Zusatzschild „Gehwegparken“ installiert wurden, ist das Parken auch auf dem Gehweg erlaubt.

Wie Sie schon mehrfach geschrieben haben, ist diese Situation seit mehreren Jahrzehnten so. Ein Teil meiner Familie wohnt schon immer in der Südstadt, ich kenne den ganzen Bereich, seit mindestens drei Jahrzehnten, nur zugeparkt.

Es gibt einige Straßen in Wuppertal, die haben noch nicht mal einen Bürgersteig, und es gibt Bürgersteige, die nicht die Mindestbreite vorweisen können. Diese städtebaulichen Mängel dürfen jetzt die Menschen ausbaden, die unter anderem wegen ihrer Arbeit motorisiert sind? Wie soll das mit den Pflegekräften funktionieren? Wenn die bei der Anfahhrt zu ihren betreuten Menschen nicht mehr parken dürfen? Wie soll etwas zugestellt werden oder schwere Dinge zu den Wohnungen gebracht werden, Stichwort Getränkemarkt. Wie zieht man um, wenn man dort nicht mehr parken darf? Wie kommen die verschiedenen Monteure – Gas, Wasser, Elektriker – zu den betroffenen Wohnungen?

Jetzt soll man mit mehreren Tüten Einkauf mit unserem ÖPNV durch die Stadt kommen? Mit einer Schwebebahn, die sehr oft durch Störungen ausfällt, mit Buslinien, die mal kommen, mal nicht?

Es gibt Bürger, die kümmern sich um ihre in die Jahre gekommen Eltern (Bankgeschäfte, Einkauf et cetera), die in anderen Stadtteilen wohnen als man selbst. Wie soll das weitergehen, wenn man berufstätig ist? Dies in einer alternden Gesellschaft einzuführen, ohne vorher für neue Parkmöglichkeiten zu sorgen, halte ich für grob fahrlässig.

Was ist mit den anderen Stadtteilen, wo auch auf dem Gehweg geparkt wird? Werden die weiter geduldet oder verschiebt sich das Problem für diese Bereiche nur zeitlich nach hinten? Wie ist das im Zuge der Gleichbehandlung möglich?

Die Stadt Wuppertal hat eine Ausnahmeregelung, dass Garagen nicht für Fahrzeuge genutzt werden müssen – laut Aussage des Ordnungsamtes. In einer Garage sollten Fahrzeuge stehen und keine anderen Dinge, außer dem Fahrzeug zugehörige Sachen. Darüber, dass diese Verordnung im Zuge der Parkraumverknappung wieder zurückgenommen wird – darüber wird nicht gesprochen.

Die Stadt versucht, die Fahrzeuge mit Knöllchen loszuwerden, weil sie schlichtweg keinen Platz hat, Hunderte von Fahrzeugen irgendwohin abzuschleppen. Das ganze Verhalten der Stadt dem Bürger gegenüber ist mehr als schäbig.

Es kann nicht sein, dass sich das Problem nur in andere Bereiche der Stadt verdrängt: Dort parken ja schließlich auch schon Fahrzeuge. Wo sollen mehrere Hundert Autos an anderer Stelle parken? In den umliegenden Städten, die mit dem gleichen Gesetz konfrontiert sind?

Michael Wülfing

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