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Zwischen Tanz und Text

Zwischen Tanz und Text

Der Choreograph und Regisseur Pascal Merighi erarbeitete mit dem Trio CDT das Tanztheaterstück "SAMUEL — titre de travail", basierend auf Fragmenten des Prosatextes "Der Verwaiser" von Samuel Becket.

Clémentine Deluy, Damiano Ottavio Bigi und Thusnelda Mercy sind den Wuppertalern sicherlich als Mitglieder des Tanztheaters Pina Bausch bekannt. Als Trio CDT gehen sie nun seit einigen Jahren eigene Wege. Aktueller Wegbegleiter ist Pascal Merighi, ebenfalls früher Tänzer des Tanztheaters. Unter seiner Regie entstand ein Tanztheaterabend, bei dem der irische Autor Samuel Beckett eine wesentliche Rollte spielt.

"Im Jahr 2008 habe ich begonnen, Becketts Text 'Der Verwaiser' zu lesen, nicht alles verstanden, den Text zur Seite gelegt, später weiter gelesen. Erst als ich mich nicht mehr gequält habe, den Text komplett zu verstehen, konnten Worte und der Rhythmus der Sprache auf mich wirken. Das hat mir die Welt Becketts geöffnet, mir die Freiheit gegeben, mit dieser Welt im Theater zu arbeiten", so Pascal Merighi, der Becketts Endzeitstimmung über Sucher, Besiegte, Gedächtnislose, Freiheit, Einsamkeit, Trennung und Erinnerungen auch als sehr politisch ansieht.

"Jedoch ist ,SAMUEL' kein politisches Stück, dazu ist mir die Poesie als Element zu wichtig, es geht schon um den Zustand der Gesellschaft, ich möchte Geschichten über Menschen erzählen, der Text kann da eine Brücke sein", erklärt der Regisseur, der zu Beginn der Zusammenarbeit das Trio bat, den Text zu lesen.

"Eine völlig neue Situation, wir fingen nicht mit der Suche nach Bewegungen an, sondern saßen am Tisch und diskutierten den Text. Begriffen die Komposition der Sprache, für mich ein spannender Schritt", berichtet Thusnelda Mercy. "Im Trio zu arbeiten ist kompliziert, da gibt es private Relationen, ein Text ist nicht so menschlich. Es war ein anderer Arbeitsprozess", merkt Damiano Ottavio Bigi an. Spannend war es auch für Clémentine Deluy: "Der Text stand am Anfang, auf seinen Klang haben wir aufgebaut, die Art und Weise, wie etwas gesagt wird".

Dennoch ist das Stück sehr körperbezogen, Text und Tanz mischen sich, nicht das einzelne Wort zählt, sondern die Stimmung, die Atmosphäre, wenn sich Dialog und Bewegung verbinden. "Anfangs wollte ich auf keinen Fall auf Deutsch arbeiten, doch dann habe ich die Möglichkeiten dieser Sprache entdeckt, vertrauen gewonnen. Es kling sehr schön auf Deutsch", verspricht Pascal Merighi, der zusammen mit den Tänzern am Samstag (3. Oktober 2015) nach der Vorstellung zum Publikumsgespräch einlädt.