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"Reduziert und doch so reich!"

"Reduziert und doch so reich!"

Nach nur vier Wochen Proben hat am Freitag (11. September 2015) das spartenübergreifende Theaterprojekt "Romeo und Julia" in der Regie von Robert Sturm Premiere. Fünf Protagonisten erzählen hier von der Arbeit am Stück.

Die Anstrengung der gerade beendeten Probe ist ihnen noch anzumerken, dennoch sind Ingeborg Wolff, Luise Kinner, Matthias Burkert, Hans Richter und Jean-Laurent Sasportes gerne bereit, über ihre Erfahrungen mit einer für sie ungewöhnlichen Theaterform zu sprechen.

"Es ist kaum zu glauben, nur noch wenige Tage bis zur Premiere, es könnte gut noch zwei Wochen mit den Proben weitergehen. Wir sind zwar noch auf der Suche, aber zuversichtlich", eröffnet Hans Richter als gestandener Theatermann das Gespräch.

Langsam fügen sich Fragmente zu einem Ganzen zusammen, das gilt auch für die Musik, die in der Inszenierung genau wie die Bewegung nicht nur untermalt, sondern ein eigenständiges Leben führt. "Jetzt kann ich feststellen, wo es funktioniert, wo schöne Sachen entstehen, aber auch, wo ein Rhythmus fehlt. Die Musik bedient hier nicht, sie baut Spannung auf. Der Text sieht einen Kampf vor, der findet nicht statt, wird von der Musik erzählt, aber es ist auch eine Gratwanderung, bei der der Zuschauer seine eigene Phantasie spielen lassen kann", versucht Matthias Burkert, der zusammen mit Wolfgang Schmidtke die musikalische Leitung des Projekts übernommen hat, seine Arbeit zu erklären.

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Für Publikumsliebling Ingeborg Wolff ist ihr Auftritt in den Riedel-Hallen etwas ganz Besonderes, denn mit "Romeo und Julia" nimmt sie Abschied von Wuppertal.

"Vor 35 Jahren habe ich in der Inszenierung von Horst Siede hier in Wuppertal zum ersten Mal die Amme im Stück gespielt. Jetzt ist es wieder eine Herausforderung. Robert Sturm hat eine ganz andere Herangehensweise, wir spielen in keinem geschlossenen Bühnenraum, es gibt keine Auf- und Abgänge. Auf Kostüme und Requisiten verzichten wir ebenfalls, es ist eine sehr reduzierte Form, aber dennoch so reich, es entstehen wunderbare Bilder. Ich muss Gefühle aufspüren, sie spielen. Dadurch kommt viel von unseren Persönlichkeiten auf die Bühne. Es ist ein Gewinn, hier dabei zu sein".

"Aber diese Form macht uns auch verletzlicher, wir spielen keine Figuren, sondern geben sehr viel von uns selbst. Wir sind in kurzer Zeit ein tolles Team geworden, helfen uns gegenseitig bei der Suche nach der richtigen Form", ergänzt Hans Richter und gibt an die junge Kollegin ab.

Luise Kinner hat erst im April ihre Ausbildung zur Schauspielerin beendet, doch jetzt spielt sie mit der Julia die Titelrolle. "Es ist spannend, so zu arbeiten, mit der Musik, mit den Tänzern, man ist ein Teil von einem Ganzen, alle sind gleichwertig. Ich bin sehr froh, gleich am Anfang so eine Möglichkeit zu haben, dazu mit versierten Kollegen zu spielen. Ich versuche zu vertrauen, einen Bogen zu finden, ich lasse mich bewegen, bin offen für Vorschläge".

"Jeder ist hier auf eine andere Art ein Anfänger", setzt Hans Richter nach: "Ich bin in der Arbeit immer noch verwundbar, werde es bleiben, solange ich auf der Bühne stehe. Diese Arbeit ist ein gemeinsamer Prozess, heute bin ich einen großen Schritt weiter gekommen".

Gespielt wird in einer Rauminstallation von Tony Cragg, alle Akteure bleiben während des gesamten Theaterstücks sichtbar, müssen den Abend tragen, die Spannung halten.

Ungemein anstrengend für die Darsteller, für deren Bewegungen der langjährige Bausch-Tänzer Jean-Laurent Sasportes verantwortlich ist. "Das ist natürlich keine wirkliche Choreographie, es geht um Bewegung im Raum, Bewegungen, die gleichwertig neben der Musik und dem Text stehen und helfen, das Wesentliche auszudrücken. Der Raum ist interessant, aber eine große Herausforderung für alle. Ich habe das Gefühl, auch so kurz vor der Premiere ist noch alles möglich. Es steckt sehr viel Leidenschaft von allen Beteiligten darin..."