Schritt über die Brücke wagen

Schritt über die Brücke wagen

Sechs Jahre nach dem Tod von Pina Bausch zeigt ihre Compagnie ab Freitag die erste Uraufführung von drei neuen Stücken, die von vier Choreographen erarbeitet werden.

Knapp zehn Tage vor der Uraufführung stellte das Tanztheater im Foyer des Schauspielhauses vier von einem Experten-Gremium ausgewählte, international renommierte Choreographen vor, die mit den Tänzern der Wuppertaler Compagnie neue Stücke erarbeiten.

"Wir haben das Schauspielhaus mit Bedacht gewählt, da dies ein ganz besonderer Ort für Pina war. Außerdem ist das Haus zu einem Ort der Hoffnung geworden, nachdem das Land zwei Millionen Euro Planungsmittel für das Pina-Bausch-Zentrum bereit gestellt hat", so Dirk Hesse, Geschäftsführer des Tanztheaters.

30 Tänzer, von denen neun nie mit Pina gearbeitet haben, werden am Freitag erstmalig die neuen Stücke, zu einem dreiteiligen Tanzabend vereint, vorstellen. Jeweils zehn Tänzer arbeiten dabei mit einem Choreographen bzw. Choreographen-Team. Eingeladen wurden Tim Etchell, Theo Clinkard sowie das Duo François Chaignaud/Cecilia Bengolea.

Tim Etchells ist Schriftsteller und Performer, leitet das Ensemble Forced Entertainement und ist in diesem Jahr für den Faust-Preis nominiert. "Ich bin mit einigen Textfragmenten nach Wuppertal gekommen, das war unser Ausgangsmaterial. Es folgten Aktionen und Interaktionen, wir sind in sehr verschiedene Richtungen gegangen", erklärt Tim Etchells, in dessen Gruppe Julie Shanahan arbeitet. Für die Tänzerin war es Neuland, "wir wussten nicht, was es werden würde, aber Tim hat uns immer wieder motiviert, Dinge zu zeigen, nach einer Weile sind wir mutiger geworden. Es ist, als ob man über eine Brücke geht, man lässt etwas zurück, und bekommt etwas Neues".

Für Theo Clinkard ist es nicht das erste Auftragswerk, das er mit einem professionellen Ensemble erarbeitet. Auch ihm war es wichtig, den Tänzern Sicherheit zu geben. Als Ansatz wählte er die Gruppenarbeit, wollte so den Zusammenhalt stärken. "Jeder Tänzer hat seine eigene Geschichte, seine Erfahrungen. Auch davon ist indirekt etwas in die Arbeit eingeflossen, denn ich habe mit den Familien geredet".

François Chaignaud und Cecilia Bengolea sind für ihre sehr körperbezogenen Aktionen bekannt, gehen dabei an die Grenzen des Möglichen. Für Wuppertal haben sie wohl den ungewöhnlichsten Ansatz gefunden. "Wir haben die Tänzer zum gemeinsamen Singen eingeladen, dann sind wir weiter in verschiedene Richtungen gegangen, um eine Körpersprache zu finden, keine festen Bewegungen", gibt Chaignaud einen kleinen Einblick. "Für mich war das ein ganz neuer Weg, leicht war es nicht mich zu öffnen", räumt Tänzer Andrey Berezin ein.

Das Ergebnis gibt es am Freitag zu sehen. Spannend wird es auf jeden Fall, nicht nur für die Zuschauer, auch für die Tänzer, denn sie haben bisher nicht gesehen, was die jeweils andere Gruppe erarbeitet hat.