Stadthalle Wuppertal: Klavierfestival Ruhr mit Chilly Gonzales

Klavierfestival Ruhr in der Historischen Stadthalle : Von Bach und Beethoven bis Britney Spears

Es ist ein weiter Bogen, den die Akteure des Klavierfestivals Ruhr in diesem Jahr in der Stadthalle anbieten. Lebende Legenden wie Daniel Barenboim und Grigory Sokolow treffen auf Jungstars wie Jan Lisiecki oder einen Paradiesvogel wie Chilly Gonzales.

Entsprechend bunt ist auch das Programm, das Festival-Intendant Franz Xaxer Ohnesorg vorstellte. Das Highlight schlechthin ist wohl der erneute Auftritt von Daniel Barenboim im Januar kommenden Jahres. Er wird vier Klaviersonaten Beethovens spielen, mit denen er in den großen Häusern dieser Welt gastiert.

Den Auftakt macht jedoch Jean-Yves Thibaudet, der mit dem Cellisten Gautier Capuçon und dem WDR-Sinfonieorchester am 6. Juni eine deutsche Erstaufführung vorstellt: Eine Fantasie des 50-jährigen Richard Dubugnon, der in der Tradition Ravels oder Prokofjews komponiert.

Abgerundet wird dieses Konzert mit Tschaikowskys „Pathetique“. Eine gute Woche später wird Grigory Sokolow mit einem Beethoven-Brahms-Programm Wuppertal die Ehre geben. „Grigory Sokolov gilt als heiliger Kauz, schlurfig der Gang zum Flügel, denkbar knapp die Verbeugung. Doch das erste Anstupsen der Tasten setzt einen Zauber in Gang, bei dem man sich als Hörer auf einen anderen Planeten gebeamt fühlt“, beschrieb der Berliner Tagesspiegel seinen letztjährigen Auftritt in der Berliner Philharmonie, den er mit sechs Zugaben beschloss.

Jan Liesicki spielte schon mit 13 Jahren in der New Yorker Carnegie Hall. Zehn Jahre später lässt er am 27. Juni bereits um 20 Uhr in der Stadthalle die Nacht einziehen. Chopins Nocturnes, Schumanns Nachtstücke und Ravels „Gaspard de la nuit“ (Ohnesorg: „eines der schwersten Stücke der Klavierliteratur“) nehmen die Zuhörer mit auf eine Reise durch melancholisch-romantische bis schauerlich-untergründige Stimmungen.

Deutlich fröhlicher wird es zugehen, wenn Chilly Gonzales sein Wuppertal-Debüt am 18. Juli gibt. „Er ist ein Wanderer zwischen allen musikalischen Kategorien und ein genialer Entertainer“, beschreibt Ohnesorg die Qualitäten des Kanadiers, der mittlerweile in Köln lebt und sich lässig im Bademantel und Puschen quer durch alle Genres arbeitet:

So nimmt er Details einer Eigenkomposition auseinander – „das habe ich von Bach geklaut...“ und einen Moment später: „...und das hat Britney Spears bei mir geklaut!“