Von der Heydt-Museum: Eine Entdeckung und viele Schätze

Von der Heydt-Museum : Eine Entdeckung und viele Schätze

Gleich zwei neue Ausstellungen präsentiert das Von der Heydt-Museum seit dem Wochenende: Neben der Entdeckung Peter Schencks „Der berühmteste Elberfelder, der jemals in Vergessenheit geriet“ ist vor allem die neue Sammlungspräsentation „1919-2019 – Hundert Jahre Moderne“ ein echter Hingucker.

Es war ein reiner Zufallsfund. „Eigentlich war ich auf der Suche nach französischen Grafiken des 17. und 18. Jahrhunderts, als ich auf die von Peter Schenck stieß“, erzählt Gerhard Finckh. Immerhin ist das Von der Heydt-Museum im Besitz von rund 80 seiner Druckgrafiken.

Grund genug also für den scheidenden Museumsdirektor, sich näher mit dessen Werk und Herkunft zu befassen. „Als sich dann herausstellte, dass Schenck in Elberfeld geboren wurde, war klar, dass wir ihm eine eigene Schau widmen“, so Finckh. Seit vergangenem Sonntag rückt das Museum diesen bislang wenig beachteten Künstler erstmals ins Rampenlicht, zeigt 75 seiner Werke – und stellt diesen 41 Kunstwerke seiner Zeitgenossen gegenüber.

Geboren wurde Peter Schenck um 1660 in Elberfeld, kam jedoch schon früh nach Amsterdam, wo er bei dem Graveur, Verleger und Kartographen Gerald Valck in die Lehre ging. Bald schon führte Schenck einen Kunstverlag mit Valck und bediente erfolgreich die Bilderwünsche von Adel und Bürgertum. „Zu Lebzeiten war Schenck sehr bekannt und finanziell erfolgreich“, sagt Kuratorin Anna Storm. Denn anders als Gemälde oder Zeichnungen waren Druckgrafiken zu der Zeit für ein breites Publikum erschwinglich. „Von einer Platte konnten etwa hundert Abdrucke gemacht werden“, informiert Storm. Als einer der ersten Künstler wandte Peter Schenck systematisch den Farbdruck an.

In acht Räumen des Museums widmet sich die Ausstellung den verschiedenen Drucktechniken sowie der thematischen Vielfalt und auch ästhetischen Fragen. Beeindruckend etwa, welche Tiefe Schenck mit Hilfe der Mezzotinto-Technik – hier arbeitet man vom Dunklen ins Helle – erzeugt, wie er damit Lichtreflexe in Landschaftsgrafiken schafft, die eine große Ähnlichkeit zu der in dieser Zeit vor allem in den Niederlanden beliebten Landschaftsmalerei schaffen.

Von faszinierender Präzision sind seine Kupferstiche. Tritt man ganz nah an die Bilder heran, lassen sich die sehr feinen Linien erkennen, die in die Platten geritzt sind – und man versteht, woher der Ausdruck „gestochen scharf“ stammt.

Schencks Gesamtwerk erstreckt sich von landschaftlichen Darstellungen, Veduten und Landkarten über mythologische Szenen, Porträts berühmter Persönlichkeiten wie René Descartes oder Philipp Melanchthon bis hin zu Sittenbildern. Von seinem Selbstbewusstsein zeugt etwa sein Selbstporträt mit Orden. Mitunter findet sich als Signatur auch der Zusatz „Peter Schenck Elberfeld“. Dies spräche, so Gerhard Finckh, für eine Verbundenheit zu seiner Geburtsstadt, viel wisse man jedoch nicht über ihn und seine Familie.

„Wir hoffen, dass wir mit der Ausstellung Anlass für weitere Forschungen zu diesem Wuppertaler Künstler geben.“

Die Ausstellung ist bis zum 25. August zu sehen.

Mitten hinein in die Geschichte des Von der Heydt-Museums führt die neue Sammlungspräsentation „1919 - 2019 – Hundert Jahre Moderne“. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzeichnete das Museum einen herben Verlust von rund 1.500 Werken – geraubt, verschollen, vernichtet. Das Gebäude wurde durch eine Bombe in großen Teilen zerstört.

Doch man rappelte sich schnell auf in Elberfeld und lud bereits im Dezember 1945 wieder zu Vorträgen und Ausstellungen ins Haupthaus. „Man war auch sehr bemüht, die Sammlung wieder aufzubauen“, berichtet Museumsdirektor Gerhard Finckh. „Einmal rückwärtsgewandt, um die Verluste zu kompensieren, zum anderen mit dem Blick nach vorn, um zeitgenössischer Kunst Raum zu geben. Dadurch verfügt das Museum heute über eine sehr, sehr gute Sammlung.“

Aus diesem großen Schatz hat sich Finckh die vergangenen 100 Jahre herausgegriffen – angefangen von den Revolutionsjahren 1918/19 bis zur Gegenwart, in der das politische Gefüge der Welt erneut auseinanderzubrechen droht.

Rund 130 Gemälde, Papierarbeiten und Skulpturen umfasst die Schau, die sehr beeindruckend vor Augen führt, welche hochkarätigen Schätze das Museum besitzt. Von Max Beckmann über Marc Chagall und Otto Dix bis hin zu Salvador Dalí, Max Ernst und Neo Rauch ist alles dabei. „Mit einem Raum wollten wir besonders angeben“, sagt Finckh mit dem ihm eigenen leisen Schmunzeln: Dort hängen Werke von Pablo Picasso und Gerhard Richter, neben einer Skulptur des Bildhauers Alberto Giacometti. „Das sind aktuell die begehrtesten und teuersten Künstler auf dem Markt“, sagt Finckh.

Für ihn ist es die letzte Ausstellung als Museumsdirektor in Wuppertal. Nach 13 Jahren verlässt er Ende des Monats das Von der Heydt-Museum. Einen Nachfolger hat die Stadt der Öffentlichkeit bisher nicht präsentiert.

Die Ausstellung ist bis zum 22. September zu sehen.

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