1. Kultur

Liebe, die verboten ist

Liebe, die verboten ist

Ein adventliches Familienstück ist sie ja nicht gerade, die "West Side Story", die im Dezember und Januar 22-mal im Opernhaus gespielt wird.

Mord, Totschlag, Vergewaltigung — Familien mit Kindern unter 13 Jahren werden im Programmheft explizit gewarnt vor "drastischen Gewalt-Szenen", die sich auf, sagen wir mal: mittlerem "Tatort"-Niveau bewegen. Beschönigen will Regisseurin Katja Wolff jedenfalls nichts.

Den Bandenkrieg, den Komponist Leonard Bernstein an der New Yorker West Side in den 50er-Jahren ansiedelte, kann man sich ohne Probleme auch heute in Berlin-Neukölln oder Duisburg-Marxloh vorstellen. Frappierend, dass ein über 50 Jahre altes Musical derart ungebrochene Aktualität besitzt.

Die Regie erzählt zwar im Wesentlichen unverändert die Geschichte von der Rivalität zwischen den "eingeborenen" Jets und den aus Puerto Rico zugewanderten "Sharks" nach, deutet aber ständig die Parallelen zur Gegenwart an. Die Mitglieder der Jets könnten auch auf der "Platte" am Döppersberg aufgelesen sein, die Sharks haben ganz offensichtlich einen "Migrationshintergrund" — dieser Begriff fällt auch im Stück schnell.

Nicht immer funktioniert dieser Spagat zwischen Historie und Gegenwart, die korrupten und unfähigen Polizisten etwa passen da nicht so recht ins Bild. Wenig überzeugend ist auch der merkwürdige Akzent, den die Sharks sprechen müssen (und manchmal vergessen). Phasenweise wirkt die ein bisschen halbherzige Aktualisierung da doch recht hölzern.

Mitreißend dagegen ist die temporeiche und aggressive Choreographie (Christopher Tölle), die dem sehr jungen Ensemble einiges abverlangt. Gesungen und getanzt wird auf nicht unbedingt herausragendem, aber doch ganz ordentlichem Niveau. Martina Lechner als Maria und Gero Wendorff als Tony sind ein ganz ansehnliches Liebespaar zwischen den Fronten, beide eine Spur zu brav. Den stärksten Eindruck hinterlässt Sarah Bowden als Anita — da spürt man die Bühnenerfahrung, die anderen Darstellern noch fehlt.

Das Wuppertaler Sinfonieorchester trifft unter Leitung von Christoph Wohlleben meist recht gut den Tonfall der Musik. Allerdings häufen sich gegen Ende die ungenauen Einsätze.