Aus dem Tagebuch der Redaktion: Held von Granada

Aus dem Tagebuch der Redaktion : Held von Granada

Es war ein stimmungsvoller Konzertabend vor der Laurentiuskirche: 2.000 Menschen bevölkerten den Platz, genossen die Darbietungen des Sinfonieorchesters bei lauen Temperaturen — und doch mag sich der ein oder andere gefragt haben: Wo war denn die angekündigte Catriona Morrison aus dem Wuppertaler Opern-Ensemble, die soeben als "BBC Singer of the World" ausgezeichnet wurde?

Es war ein stimmungsvoller Konzertabend vor der Laurentiuskirche: 2.000 Menschen bevölkerten den Platz, genossen die Darbietungen des Sinfonieorchesters bei lauen Temperaturen — und doch mag sich der ein oder andere gefragt haben: Wo war denn die angekündigte Catriona Morrison aus dem Wuppertaler Opern-Ensemble, die soeben als "BBC Singer of the World" ausgezeichnet wurde?

Sie war erkrankt, hieß es auf Nachfrage. Das ist schade, kann aber vorkommen, hätte aber auch im Vorfeld oder zu Konzertbeginn durchaus bekannt gegeben werden können. Denn, trotz aller Anstrengungen, da konnte ich nun wirklich keinen annähernd gleichzeitigen Ersatz liefern. Als Carmen wäre ich ohnehin eine Fehlbesetzung gewesen, außerdem singe ich Bass, zweitens nur im Chor. Das allerdings schon lange, mit Begeisterung — auch am Samstag auf der großen Bühne.

Die Wochen vorher habe ich deswegen gerne die Kolleg(inn)en im Büro mit dem geschmetterten Einzug der Stierkämpfer genervt: "Endlich kommen Männer mit Taten", eine Zeile, auf die die weiblichen Redaktionsmitglieder irritiert reagierten — bis zur Fortsetzung "...kommt der treuen Gehilfen Schar".

Vielleicht hätte man auch die Polowetzer Tänze lieber in der russischen Originalsprache dargeboten, statt des martialischen "Heil dem Khan, Ruhm und Preis, heil, heil", die spätestens seit dem Abtritt unserer Torwartlegende völlig aus der Mode gekommen sind.

Egal — Open-air singen hat Spaß gemacht, zumal ich, mitten in der Schlagwerk-Abteilung stehend, jede Menge Leben um mich herum hatte. Zum Schluss gab es das Ganze sogar im Quadro-Sound, als das Publikum den Torero-Marsch mitklatschen durfte und erstaunliches Tempogefühl unter Beweis stellte. "Die Wuppertaler sind musikalischer als die Wiener!" befand die charmant moderierende Julia Jones am Dirigentinnenpult in Anspielung an das schleppende Prominentenpublikum beim Neujahrskonzert.

Mein persönlicher Höhepunkt war hingegen am Montag der Einmarsch im Kollegenspalier, die lautstark den Chor "Sei willkommen, Held von Granada" intonierten. Oder habe ich das nur geträumt ...?