Aus dem Tagebuch der Redaktion: Aus dem Tagebuch der Redaktion

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Na, haben Sie es in diesem Jahr mal geschafft, einen Weihnachtsmarkt zu besuchen, in Wuppertal oder andernorts? Dann ist Ihnen sicher etwas aufgefallen — die "Generation Headdown" ist jetzt fester Bestandteil dieser Veranstaltungen.

Und sorgt dafür, dass der Aufenthalt noch anstrengender wird.

Früher, da war die Sache relativ einfach: Erst galt es zu erkunden, welche Stadt den schönsten Markt mit dem herrlichsten Ambiente, den wenigsten semi-professionellen Haushaltswarenhändlern (wer um Himmels will da Billiggürtel und Töpfe?) und dem besten kulinarischen Angebot aufwies. Wer die Stadtgrenzen verlassen wollte, lag mit Aachen, Köln, Münster oder Essen nie falsch. Dann ab ins Getümmel (sofern vorhanden) und durch geschickte Körpertäuschungen im Zusammenspiel mit Trippelschritten die Lücke finden, die ein halbwegs konstantes Weiterkommen ermöglicht. Größte Hindernisse waren seinerzeit vor allem Kinderwagen. Das ging.

Doch alles ist aber nun noch anspruchsvoller geworden: Inzwischen begegnen einem in den Gassen immer mehr Menschen, die während des Gehens auf ihr Smartphone schauen bzw. in der gesteigerten Variante noch sicher ganz wichtige SMS wie "Bin auf dem Weihnachtsmarkt, rofl" absetzen — die "Generation Headdown" (Kopf nach unten). Die nimmt nur noch bedingt am Geschehen teil und ist dementsprechend vollkommen perplex, wenn jemand auftaucht. Das führt zu teilweise absurden Szenen.

Inzwischen gibt es Leute, die sich einen Spaß daraus machen, die "Headdowner" zu erschrecken. Sie gehen einfach weiter auf sie zu, stoppen kurz davor ab und stoßen dann ein kurzes "Huh" aus. Wirkt zwar nicht lange, ist aber dennoch lustig (funktioniert übrigens auch in Supermärkten, im Straßenverkehr sollte man es nur bedingt ausprobieren). Nett ist es auch, die Erschrockenen mit einem freundlichen "Ihre Freundin sagt, Sie sollen noch 100 Gramm Rinderhack mitbringen!", einem "Die Infineon-Aktien würde ich nicht mehr kaufen" oder einem schlichten "Schöne Grüße" vollends zu verwirren.

Aber wer weiß: Vielleicht gibt es schon im kommenden Jahr die Weihnachtsmarkt-Ausweich-App. Dann kämen auch diese Mitbürger wieder klar ...

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