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Trotz umfassender Hygienemaßnahmen: „Warum darf ich nicht öffnen?“

Trotz umfassender Hygienemaßnahmen : „Warum darf ich nicht öffnen?“

Eine Schutzwand, die die Tröpfchenverteilung verhindern soll, eine Mund-Nasen-Schutzmaske, Einweg-Gummihandschuhe, ein Raumluftreiniger und für jeden Kunden ein eigenes Feilenset – Betreiberin Barbara Melchior darf trotz ihrer hohen Hygiene-Vorsorge ihr Nagelstudio nicht öffnen. Warum, kann sie nicht nachvollziehen: „Hier ist es viel hygenischer als in jedem Supermarkt.“

Zusätzlich zu den Geschäften, die trotz der einschränkenden Corona-Maßnahmen bisher geöffnet waren (etwa Supermärkte, Drogerien oder Apotheken) dürfen seit vergangenen Montag auch Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern Kunden wieder Zugang gewähren. Sogar unabhängig von ihrer Größe durften in Wuppertal und ganz NRW Kfz- und Fahrradhändler, der Buchhandel, Möbelhäuser und Baby-Fachmärkte unter Auflagen wieder öffnen. Friseure, Nagelstudios, Tätowierer und Massagesalons gucken dagegen in die Röhre, sie müssen ihre Läden weiterhin geschlossen halten – mindestens bis zum 3. Mai. Diese Entscheidung des Landes kann Nagelstudio-Betreiberin Barbara Melchior nicht nachvollziehen: „Mein Hygienestandard war schon vor Corona sehr hoch. Da ich immer noch darauf hoffe, bald öffnen zu dürfen, habe ich die Hygienemaßnahmen in meinem Studio sogar nochmals verschärft.“

Schon immer habe sie mit Mundschutz und Handschuhen gearbeitet, berichtet die Kleinunternehmerin, beim Rundschau-Besuch in ihrem Salon an der Oststraße in Wichlinghausen. Maßnahmen wie sie von der Landesregierung für den jetzt wieder geöffneten Handel vorgeschrieben werden, hat sie seit Langem schon umgesetzt, wartet aber verzweifelt auf die Erlaubnis, endlich wieder tätig zu werden. „Dürfte ich öffnen, würde ich die Termine so legen, dass immer nur eine Kundin beziehungsweise ein Kunde im Studio ist. Das Tragen einer Maske wäre für den Kunden Pflicht und die Hände müsste er sich beim Hereinkommen natürlich desinfizieren“, erklärt Barbara Melchior.

Zusätzlichen Schutz böten eine Hygienewand mit kleinem Ausschnitt, durch den der Kunde nur die Hände steckt – und ein Raumluftreiniger. „Das habe ich alles neu angeschafft. Ich glaube, dass man kaum noch mehr machen kann. Ich möchte doch einfach nur arbeiten, die Lage ist existenzbedrohend. Kredite bringen nichts, wie soll ich sie denn zurückzahlen? Und auch die Corona-Soforthilfe greift nicht für jeden. Ich spreche für die gesamte Branche und auch unser Viertel. Wenn die kleinen, alteingesessenen Läden nun alle pleite gehen, geht damit auch das Flair des Stadtteils verloren“, sagt sie.

Während die nordrhein-westfälische Landesregierung auf ihrer Webseite darauf hinweist, dass sich Friseurbetriebe darauf vorbereiten sollen, „unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen sowie unter Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung den Betrieb ab dem 4. Mai 2020 wiederaufzunehmen“, .gibt es für andere Beauty-Sparten derzeit keine Informationen.

Dr. Daria Stottrop (Leiterin des IHK-Geschäftsbereiches International, Außenwirtschaft, Handel und Dienstleistungen) setzt sich dafür ein, dass Unternehmer wie Barbara Melchior Klarheit bekommen: „Warum Friseure wieder öffnen dürfen, die eine Trennwand zum Kunden nicht aufbauen können, ein Nagelstudio, das hingegen Spritzschutz aufbauen kann, nicht, ist bei detaillierter Betrachtung nicht nachzuvollziehen. Hygieneschutz kann bei Nagelstudios und Fußpflege gewährleistet werden: Trennwände, Handschutz, Atemschutz ist da gut machbar. Die Utensilien werden üblicherweise sowieso desinfiziert.“