Möglich macht das der Medienkünstler Heinrich Brinkmöller-Becker. Der Italien-Liebhaber war vor einigen Jahren zufällig auf die Sacri Monti gestoßen – eine Ansammlung von insgesamt 130 Kapellen in den Voralpen, die biblische Szenen mit Tausenden lebensgroßen Figuren nachstellen. Weil die empfindlichen Anlagen aus konservatorischen Gründen nicht betreten werden dürfen, können Besucher meist nur durch kleine Gitterfenster hineinschauen.
Brinkmöller-Becker fragte trotzdem nach einer Sondergenehmigung und hatte damit Erfolg. Nach Gesprächen mit den italienischen Kulturbehörden durfte er mehrere der Anlagen betreten und fotografieren. Entstanden sind Tausende Aufnahmen, die er anschließend selbst zu einer großformatigen, immersiven Projektion montierte.
„Man sieht die Menschen, wie sie gelebt haben – mit ihren Krankheiten und allem“, sagt der Künstler. Viele Figuren tragen etwa einen Kropf, andere zeigen historische Kleidung oder Musikinstrumente ihrer Zeit. Die Kapellen seien dadurch nicht nur religiöse Kunstwerke, sondern auch ein faszinierendes Dokument des Alltags im 16. und 17. Jahrhundert.
Besonders angetan hat es Brinkmöller-Becker eine Szene, in der der junge Jesus mit Schriftgelehrten diskutiert. Einige der Figuren blickten dabei so genervt drein, dass die Darstellung beinahe satirisch wirke. „Das ist einfach unglaublich lebendig“, sagt er.
Am Samstagabend (30. Mai) begleitet das „Chorwerk Ruhr“ die Projektion mit Vokalmusik von der Renaissance bis in die Gegenwart. Die eigentliche, längere Fassung der Show läuft Sonntag (31. Mai) um 20 Uhr. Dann erklingt ausschließlich Barockmusik, außerdem spricht Brinkmöller-Becker im Anschluss mit dem Publikum über seine außergewöhnliche Arbeit.
Die Sacri-Monti-Projektion ist unabhängig von der aktuellen Hauptausstellung „Origins“. Vor der Veranstaltung kann allerdings noch der Skywalk des Gaskessels begangen werden. Sie gehört zur Reihe „BeSides“, mit der das Visiodrom neben seinen großen Hauptproduktionen regelmäßig besondere Kunstprojekte präsentiert. Als Nächstes stehen unter anderem Mosaikkunst aus Italien und eine neue Fassung der Urban-Art-Projektion „Mural Harbor“ auf dem Programm.