In ihrer Predigt begleitet Antje Menn gedanklich die Frauen, die laut Markusevangelium am Ostermorgen zum Grab des gekreuzigten Jesus gehen, um seinen Leichnam einzubalsamieren. Besorgt, wer ihnen den schweren Stein vor dem Grab beiseite rollt, sind sie erschreckt, als sie dort ankommen: Der Stein ist verschoben, im Grab fehlt der Leichnam, stattdessen sitzt dort ein Bote Gottes, der ihnen von der Auferstehung Jesu Christi berichtet.
Die Frauen am leeren Grab reagieren skeptisch
Den Frauen, so Antje Menn, geht das zu schnell: Erst ist der große Stein weg, dann das leere Grab und statt des Freundes und Lehrers ein Gottesbote in weißem Gewand. Das alles beruhige nicht gerade – und ist auch noch kein Beweis für die Auferstehung Jesu. „Die Auferstehung, das zeigt die skeptische Reaktion der Frauen, ist eher ein mühevoll zu glaubendes Glück. Zu tief sitzt der Schock über den Tod eines geliebten Menschen, zu lang ist der Schatten von Missbrauch und Gewalt, von Krieg und Flucht. Zu sehr beraubt fehlende Nahrung und fehlende Bildung Kinder um eine Lebensperspektive. Ja, Ostern ist ein mühsam zu glaubendes Glück“, so die Vizepräses.
„Ostern verändert mich und meine Haltung“
Der Bote Gottes gibt den Frauen den Auftrag, die Hoffnungsbotschaft von der Auferstehung Jesu von den Toten weiterzusagen. Die Auferstehungsbotschaft lebe davon, dass sie weitergesagt werde, macht die Theologin in der Predigt deutlich: „Unsere Welt braucht Menschen, die die neue österliche Wirklichkeit glauben und als Glück begreifen, die sie – und das ist mühsam – leben. Unsere Welt braucht Menschen, die bereit sind, sich aussenden zu lassen auf einen Weg, der ins Suchen und Staunen, ins Schaudern und Fürchten führt. Ostern verändert Menschen. Ostern verändert mich und meine Haltung.“
Abwarten und vertrösten seien angesichts der Auferstehung, die die Logik der Welt durchbricht, keine Option mehr. „Österliche Haltung ist gefragt, die der Logik der Gräber und dem Tod in all seinen Varianten die Stirn bietet, die Machtmissbrauch mit klaren Regeln entgegnet und eigene Fehler einräumt. Österlicher Mut ist gefragt, der in aller Öffentlichkeit den Ernst der globalen Krisen beschreibt, der zur Umkehr zu Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden ruft. Österliche Liebe ist gefragt, die zur Heilung der Wunden dieser gebrochenen Welt beiträgt und Menschen zusammenbringt“, sagt Pfarrerin Antje Menn.