Ökumenische Osterbotschaft der christlichen Kirchen Gerade jetzt – Ostern feiern!

Wuppertal · „Kann man in Zeiten, in denen die Nachrichten von Tod und Zerstörung und Zukunftsangst voll sind, überhaupt noch Ostern feiern?“ – so fragte mich neulich ein nachdenklicher Zeitgenosse.

Bruno Kurth (links), Katharina Pött und Jochen Denker in der City-Kirche am Kirchplatz.

Foto: Thorsten Levin

„Gerade dann. Gerade jetzt!“ kam mir schneller auf die Lippen, als ich nachdenken konnte. Die Osterbotschaft hat ihren „Sitz im Leben“ ja genau dort, wo sich die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod alles andere als von selbst versteht.

Als die Frauen am Ostermorgen zum Grab Jesu kamen, waren sie nicht mit Hoffnung, sondern voller Trauer, Enttäuschung und unbeantwortbarer Fragen dorthin gegangen. Sie wollten den toten Jesus besuchen, zusammen den Verlust beweinen und Erinnerungen austauschen. Ihre Hoffnung war tot und begraben. Mehr noch: Sie war gewaltsam abgebrochen, ans Kreuz geschlagen, verhöhnt und verlacht worden. Die Mächtigen hatten noch einmal gezeigt, wo der Hammer hängt und wer das Sagen hat.

Das war umso schmerzhafter, weil die Frauen doch selbst erlebt hatten, welche Kraft von Jesus ausging, von seinen Worten, seiner Menschenfreundlichkeit und Liebe. Er hatte nicht nur ihr Leben verändert, sondern auch das vieler anderer, die er geheilt und aus Einsamkeit befreit hatte und denen er Ansehen gab. Ihre Hoffnung war kein Traum, sie war Wirklichkeit geworden. Aber mit Jesus war sie ihnen am Kreuz geraubt worden und elendig verendet.

Zwei düstere Tage und Nächte lagen hinter den Frauen, als sie sich am Ostermorgen zum Grab aufmachten, und nichts, aber auch gar nichts sprach dafür, dass es noch Grund zur Hoffnung geben könnte.

Die Hoffnung, die am Ostermorgen geboren wird, ist eine radikale Hoffnung aus dem chaotischen Nichts. Sie hat etwas vom ersten Schöpfungstag (1.Mose 1,2), von dem die Bibel sagt: „Die Erde war wüst und leer“. Es herrschte „Tohuwabohu“, wie es wörtlich heißt, und es war finster. Aber „der Geist Gottes schwebte über den Wassern“.

Hoffnung liegt nicht in dem, was ist, sondern bei dem, der diese Hoffnungslosigkeit schöpferisch durchbricht. Sie liegt bei Gott. Und unerwartet, unverhofft, macht er die Finsternis hell. Das erleben die Frauen am Grab. Es tritt nicht ein, was sie erwarten oder erhoffen, sondern sie werden überrascht und überwältigt von einer Erfahrung, die sie umhaut. Das Grab ist leer. Jesus lebt. Den Lebendigen finden sie nicht bei den Toten.

„Kann man in Zeiten, in denen die Nachrichten von Tod und Zerstörung und Zukunftsangst voll sind, denn überhaupt noch Ostern feiern?“

Ja! Man kann es nicht nur, man soll es. Wir feiern das Leben, das den Tod besiegt, die Liebe, die den Hass überwindet, wir feiern Christus, der mitten in der Finsternis auch unserer Welt ein Licht anzündet, das die Finsternis nicht überwältigen kann.

Diese Hoffnung ist nicht von dieser Welt – aber sie ist für diese Welt. Die „Friedensmärsche“ fanden in den 80er Jahren in großer Zahl (und in kleiner noch heute) nicht zufällig an den Ostertagen statt. Die Auferstehung Jesu feiern heißt auch, aufstehen für das Leben, für den Frieden – friedlich, ohne Gewalt, ohne Hass, weil der Zweck nicht die Mittel heiligt, sondern die Mittel dem Zweck schon dienen müssen.

Wenn wir aufhören, Ostern zu feiern, geben wir dem Tod das letzte Wort. Wir lassen die Hoffnung begraben sein. Und wir finden uns damit ab, dass die lebenszerstörenden Mächte und Gewalten, die sich zurzeit wieder aufblähen, wie lange nicht, die Welt beherrschen. Dazu haben wir weder Recht noch Pflicht.
In jeder Osterfeier drückt sich die Trotzkraft des Glaubens aus, die der Angst, der Resignation und der Gleichgültigkeit nicht das Feld räumt, sondern die Hoffnung auf den Gott des Lebens entgegensetzt.

Ein Hoffnung stiftendes Osterfest wünschen Ihnen Dr. Jochen Denker (Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Wuppertal), Dr. Bruno Kurth (Stadtdechant der Katholischen Kirche Wuppertal) und Katharina Pött (Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Wuppertal).