Der „Denk.Raum.Wiki“ versteht sich als niedrigschwelliger Treffpunkt für Menschen, die miteinander ins Gespräch kommen, gemeinsam über gesellschaftlich relevante Themen nachdenken und neue Denkräume öffnen wollen – ohne Agenda, ohne Podium, ohne Konsumzwang.
Den Auftakt macht am 11. Juni 2026 um 18:30 Uhr ein Impulsabend zum Thema Medien, Macht und Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie massenmediale Logik die Wahrnehmung konstruiert – und was eine Gesellschaft braucht, in der immer mehr Menschen in ihrer eigenen Informationswelt leben. Der diesjährige Tod von Jürgen Habermas, dem großen Denker des Strukturwandels der Öffentlichkeit, verleiht dem Thema besondere Aktualität.
Was Habermas für die bürgerliche Öffentlichkeit des 18. Jahrhunderts beschrieb – den Ort, an dem vernünftige Bürger miteinander streiten und Meinung bilden –, war in Wuppertal einst die Elberfelder Lesegesellschaft. Der „Denk.Raum.Wiki“ knüpft an genau diese Tradition an: bescheiden, lokal, aber mit dem gleichen Anspruch. „Das erste Thema eines neuen Mediums über Medien zu machen“, sagt Schnickmann, „ist vielleicht selbstreferenziell – aber ich finde es sehr gewinnbringend.“
Der „Denk.Raum.Wiki“ soll kein Expertenforum und keine Podiumsdiskussion sein. Ein kurzer Impulsvortrag von maximal zehn Minuten eröffnet den Abend – die Diskussion gehört den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Ich bin kein Experte für die Themen, die ich auswähle. Ich interessiere mich für sie. Und dann rede ich möglichst wenig und die anderen möglichst viel“, so Schnickmann.
Das Format setzt auf den dritten Ort: einen Raum jenseits von Zuhause und Arbeit, an dem Begegnung ohne besonderen Anlass möglich ist. „Gesellschaft findet vor Ort statt", ist er überzeugt. „Im Quartier. Im Gespräch von Angesicht zu Angesicht." Das Programm bis Dezember umfasst weitere Themenabende – darunter im Juli ein Blick auf 250 Jahre USA und im Oktober die Frage, wie Integration in Deutschland wirklich läuft.
Das Projekt wird von niemandem gefördert und verfolgt keine institutionelle Agenda. Die Diakonie Wuppertal stellt den Raum zur Verfügung und beteiligt sich an den Druckkosten. Planung und übrige Kosten trägt Schnickmann selbst – aus der Überzeugung, dass ein wirklich freier Austausch auch finanziell unabhängig sein sollte.