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Thema Osterholz: Heißes Eisen im Wuppertaler Westen

Thema Osterholz : Heißes Eisen im Wuppertaler Westen

Die Auseinandersetzungen über geplante Waldrodungen im Vohwinkeler Gebiet Osterholz beschäfigen mittlerweile auch Oberbürgermeister Uwe Schneidewind.

Der Sachstand der Angelegenheit, die bereits seit vielen Monaten für Diskussions- und Streitstoff sorgt, sieht zurzeit so aus: Die Kalkwerke Oetelshofen lassen bis auf Weiteres ihre Pläne ruhen, Bäume für die geplante Haldenerweiterung roden zu lassen. Das haben die Geschäftsführer Moritz, Jörg und Till Iseke am 19. Februar in einer Stellungnahme bekanntgegeben.

Dort heißt es: „Hintergrund der geplanten Erweiterung ist der Abraum, der bei der Gewinnung des Rohstoffes anfällt – Sand, Lehm und Erdreich. Dafür braucht es Haldenfläche, die am Rand des Steinbruchs gegeben ist. Konkret geplant ist eine Fläche von fünf Hektar, etwa drei Prozent des Osterholzes, einem Waldgebiet am Rande Vohwinkels, von welchem rund 100 Hektar durch die Familie Iseke naturnah bewirtschaftet werden. Hier möchte das Unternehmen Bäume fällen, um weiterhin produzieren zu können. Dafür haben die Aktivisten, die sich unter anderem in der Initiative ,Osterholz bleibt‘ organisieren, kein Verständnis. Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, haben wir daher beschlossen, zunächst auf die vorgesehene Rodung zu verzichten.“

Die Bürgerinitiative „Osterholz bleibt!“ jedoch fordert weiterhin einen grundsätzlichen Stopp der gesamten Rodungspläne. Die Ankündigung der Kalkwerke sei, so heißt es in einer Pressemitteilung, lediglich ein „PR-Vorstoß“ und der „Versuch, das Image der Firma aufzupolieren“.

René Schuijlenburg, Pressesprecher der Bürgerinitiative, begrüßt grundsätzlich, dass sich Oberbürgermeister Uwe Schneidewind einsetzen will, um mögliche Alternativen zur Rodung zu erörtern. Schuijlenburg: „Mir persönlich gefällt zwar so einiges nicht, was Herr Schneidewind über die Firma Oetelshofen gesagt hat, einiges trifft meiner Meinung nach auch nicht zu, aber die Kernaussage ist erst mal positiv. Das Suchen nach alternativen Lösungen ist wichtig. Es geht hier um die Frage: Wird ein wertvoller Wald und ein Naherholungsgebiet für die Menschen für die Profitmaximierung einer privaten Firma geopfert oder wird eine Lösung gefunden, die die Natur, die viele Lebewesen im Wald und das Klima schützt, vorzugsweise natürlich eine Lösung, die auch für die Firma Oetelshofen tragbar ist. Es wird nicht einfach werden, aber prinzipiell sind wir gesprächsbereit.“

Der Wuppertaler FDP-Landtagsabgeordnete Marcel Hafke dagegen wirft einem Teil der Aktivisten im Osterholz vor, sich „pauschal gegen jedwedes Rodungsvorhaben“ zu wenden und „kein wirkliches Interesse an einem Kompromiss“ zu zeigen. Hafke spricht davon, dass das Thema „nicht zuletzt in den sozialen Medien eine neue Stufe der Eskalation erreicht“ habe.

In eine ähnliche Richtung weist auch ein persönlicher Facebook-Post von Oberbürgermeister Uwe Schneidewind: „Das Familienunternehmen Kalkwerke Iseke mit einer ökologisch und sozial engagierten Unternehmerfamilie ist keine RWE und Kalk als Rohstoff ist keine Braunkohle. Wer hier mit fraglicher Sprachwahl und Bildern solche Gleichsetzungen nahelegt und Emotionen schürt, erweist der Debatte für mehr Klima- und Naturschutz keinen wirklichen Dienst.“

Unterdessen gibt es Berichte darüber, dass ein Fotojournalist, der im Osterholz Aufnahmen machen wollte, von Aktivisten bedroht worden sein soll. Mit einem Bedrohungsszenario durch sieben schwarz gekleidete und vermummte Personen sollen auch zwei Mitarbeiter eines Unternehmens, das von den Kalkwerken mit Reparaturarbeiten am Werkszaun beauftragt worden war, konfrontiert gewesen sein. Die Kalkwerke haben bereits Anzeige erstattet, äußern will man sich zu den Geschehnissen aber nicht.