"Fambiente" darf nicht sterben

Wuppertal · Seit 16 Jahren unterhält die Diakonie den Stadtteiltreff "Fambiente" an der Bahnstraße. Aus finanziellen Gründen droht nun die Schließung, gegen die sich die Besucher vehement wehren.

 Antonio Lacatena (vorne li.) und ein Teil der Stammgäste des „Fambiente“ kämpfen mit viel Engagement um ihren geliebten Stadtteiltreff.

Antonio Lacatena (vorne li.) und ein Teil der Stammgäste des „Fambiente“ kämpfen mit viel Engagement um ihren geliebten Stadtteiltreff.

Foto: Barbara Scheer

Dienstagsmorgens um 10 Uhr im "Fambiente" an der Bahnstraße. Der Stadtteiltreff ist gut besucht, die Stammgäste begrüßen sich herzlich. Hier kennt man sich, weiß um die Sorgen und Nöte des Anderen, hilft sich gegenseitig. Um so größer ist die Empörung über den Entschluss der Diakonie, die beliebte Einrichtung ersatzlos zu schließen, da die Finanzierung nicht mehr machbar sei. Jetzt kämpfen die Besucher für den Erhalt. Nicht alleine, denn die "Aktion V", die Vohwinkeler Geschäftsleute und die Bezirksvertretung haben sie auf ihrer Seite.

"Für mich ist das hier die zweite Heimat. Ich komme täglich. Wo sonst treffe ich Menschen, mit denen ich mich austauschen kann? Einen täglichen Cafébesuch könnte ich mir nicht leisten", erzählt Hanne Strack, die seit Tagen Unterschriften für den Erhalt des Treffs sammelt. Nur zu Besuch ist heute Galina Hollmann, die aus Russland nach Wuppertal kam. "Hier habe ich meine ersten Schritte in der neuen Heimat gemacht, die Sprache gelernt, als Angestellte der Diakonie Verantwortung übernommen. Es herrscht immer eine familiäre Atmosphäre. Die Menschen kommen aus allen Gesellschaftsschichten, haben alle Hautfarben dieser Welt, und jeder wird akzeptiert. Für unser erstes Weihnachtsfest hat Bauer Bröcker die Gans gespendet. Dieser Treffpunkt ist einmalig, wird von allen Bürgern akzeptiert", zieht sie leidenschaftlich für das "Fambiente" ins Feld.

Mit italienischem Temperament hat Antonio Lacatena den Kampf für den Treffpunkt aufgenommen, ist nicht bereit, die Schließung zu akzeptieren: "Wo sollen wir denn hin? Hier gibt es Sozial- und Rechtsberatung kostenlos, es werden Filmabende organisiert, Künstler stellen ihre Werke aus, und für zwei Euro gibt es ein tolles Frühstück. Die Verantwortlichen in der Diakonie haben gar nicht bedacht, was sie den Menschen hier mit der Schließung antun."

Rainer Bredt ist die gute Seele des "Fambientes". Er engagiert sich ehrenamtlich, bereitet das Frühstück vor und macht sich Sorgen, wenn sich ein Stammgast verspätet.

"Wenn einer aus der Runde stirbt, ist die Stimmung bei allen gedrückt. Es ist, als ob ein Familienmitglied gegangen wäre. Früher habe ich auch mal ein warmes Essen gemacht oder Waffeln gebacken. Alleine kann ich das nicht mehr stemmen, aber mein Frühstück ist ebenfalls sehr beliebt. Die Anbindung ist phantastisch, die Busse halten vor der Haustür, die Schwebebahn ist um die Ecke, und eine 88-jährige Dame fährt mit dem Taxi vor. Die Schließung wäre für mich eine Katastrophe."

Wie es mit dem "Fambiente" weitergeht, ist noch nicht endgültig entschieden. Mittlerweile hat auch die Sommersynode des evangelischen Kirchenkreises an die Stadt appelliert, gemeinsam mit Diakonie und anderen Institutionen den Stadtteiltreff zu erhalten.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)