IG Frischluft Wuppertal-West: "Die Folgen wären gravierend"

IG Frischluft Wuppertal-West : "Die Folgen wären gravierend"

Seit drei Jahren kämpft Die IG Frischluft Wuppertal-West gegen den Neubau eines Asphaltmischwerks der DEUTAG, das in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung, Biotopen und landwirtschaftlicher Nutzfläche am Ortseingang von Vohwinkel entstehen soll.

Bereits im Jahr 1954 baute die DEUTAG in Dornap auf dem ehemaligen Gelände der Firma Rheinkalk ein Asphaltmischwerk. "Von dieser Anlage ging jedoch kaum eine Belästigung aus, weder durch Lärm, noch durch Emissionen. Denn der Schornstein ist niedrig und die Kapazität überschaubar", so Jürgen Oppenhäuser vom Vorstand der IG Frischluft, über die Anlage, die heute noch in Betrieb ist.

Das soll sich nun ändern. Rheinkalk ist in Besitz der belgischen Unternehmensgruppe Lhoist übergegangen und die plant, die Fläche des Kalkabbaus in Dornap zu erweitern. Dazu wird das Gelände benötigt, auf dem das alte Asphaltmischwerk steht. Für die DEUTAG kein Problem, eher die Möglichkeit, ebenfalls in die Zukunft aufzubrechen, denn Lhoist hat als Ausgleich einen Lagerplatz für Schotter und Aushub angeboten, doch der liegt in direkter Nachbarschaft zu Wohnbebauung, Kindergarten, Sportplatz und GEPA.

"Nicht nur für uns Anwohner, sondern auch für den Westen der Stadt eine echte Katastrophe. Bis zu 200.000 Tonnen Asphalt können dann im Jahr hergestellt werden. Da bei uns der Wind hauptsächlich aus dem Westen kommt, würden die Emissionen, Feinstäube aber auch giftige Schadstoffe wie etwa Quecksilber nach Vohwinkel, ins Osterholz, auf die Tesche und in die Lüntenbeck ziehen, denn der neue Schornstein ist mit 60 Metern Höhe geplant und würde den Turm des Rathauses bei weitem toppen. Dazu müssen wir mit erheblicher Geruchs- und Lärmbelästigung rechnen", hat sich Dietmar Rebensburg in die Materie eingearbeitet. "Zum Glück haben uns die Nächstebrecker im Vorfeld gewarnt, dort wurde bereits 2012 genau der Anlagetyp hochgezogen, der nun hier entstehen soll. Seit nunmehr sechs Jahren müssen die dortigen Anwohner unter dem Lärm der Brecher und Geruchsbelästigung leiden, oft ist es nicht möglich, überhaupt ein Fenster zu öffnen", gibt sich Horst Watermeier kämpferisch.

"Im Laufe der letzten drei Jahre ist unsere Initiative gewachsen, neben direkten Anwohnern und Bürgern aus Vohwinkel sind auch die GEPA, die Bäckerei Schüren und der Waldorf-Kindergarten zu Unterstützern geworden. Wir sind alles Laien, doch mit Hilfe der Nächstebrecker haben wir uns sachkundig gemacht, sind in die Öffentlichkeit gegangen und haben das Gespräch mit den Politikern gesucht, die Resonanz war sehr positiv", ist Oppenhäuser optimistisch, das Asphaltmischwerk vielleicht verhindern oder zumindest in seinen Kapazitäten begrenzen zu können.

Besonders ärgerlich für die Interessensgemeinschaft ist die Tatsache, dass das geplante Werk aus finanziellen Gründen mit billiger Braunkohle betrieben werden soll, ein nicht mehr zeitgemäßer Brennstoff, der erhebliche gesundheitliche Belastungen mit sich bringt.
Bisher gibt es mehrere Gutachten zum Bauvorhaben und die stammen von der DEUTAG selbst: "Wir haben es hier mit einem Vorhaben bezogenen Bebauungsplanverfahren zu tun, da das Objekt konkret benannt ist. Dann muss der Vorhabenträger, also die DEUTAG, das Gutachten auf eigene Kosten erstellen lassen", weiß Joschka Brischke.

Das letzte Gutachten wurde im Dezember 2016 öffentlich vorgestellt, doch es warf bei den zahlreich anwesenden Interessenten mehr Fragen auf, als es beantworten konnte. So wurde die An- und Abfuhr, die nur durch einen schmalen Tunnel auf dem Gelände der Bundesbahn möglich ist, überhaupt nicht beachtet. Ebenfalls blieb offen, wie der durch den Ausbau der Kalkwerke zusätzlich zu erwartende Schwerlastverkehr bewältigt werden soll, denn alle Laster müssten über das Wiedener Kreuz umgeleitet werden, das schon heute in Stoßzeiten ein echtes Nadelöhr ist.

"Von der Stadt wurde uns mitgeteilt, dass ein neues Gutachten noch nicht vorliegt, da das Verfahren praktisch ruhe. Aber aufgegeben sei das Bauvorhaben dennoch nicht, also bleiben auch wir weiterhin aktiv", erklärt Jürgen Oppenhäuser.

Mehr von Wuppertaler Rundschau