„Brennpunkt Osterholz“: Engagierte Diskussion statt Beschimpfungen

Bürgerdialog : „Brennpunkt Osterholz“: Engagierte Diskussion statt Beschimpfungen

Die Kalkwerke Oetelshofen hatten zum Bürgergespräch in Sachen „Brennpunkt Osterholz“ eingeladen. Es sollte die Rückkehr zu einer sachlichen Debatte werden, nachdem das Unternehmen wegen der geplanten Baumfällungen in den sozialen Netzwerken heftig attackiert worden war.

Die wichtigste und vor allem beruhigende Erkenntnis am Ende eines informativen Bürgerdialogs zum „Brennpunkt Osterholz“: Sie ist noch möglich, die sachliche Debatte. Danach hatte längst schon nicht mehr ausgesehen nach all dem, was in den vergangenen Wochen in den sozialen Netzwerken von den Gegnern der im Osterholz geplanten Baumfällungen zu lesen war. Die Kalkwerke Oetelshofen, die dort ihre Abraumhalde erweitern wollen, hatten sich zurückgezogen aus einer aufgeheizten Schlammschlacht, bei der so manch ein Diskutant auch vor persönlichen Anfeindungen nicht Halt gemacht hatte. Es muss schon etwas vorgefallen sein, wenn ein Unternehmen auf seiner Homepage FAQs veröffentlicht, in denen Sätze wie diese zu lesen sind: „Wir sind gesprächsbereit – beschimpfungsbereit sind wir nicht.“

Dass die Geschäftsführung der Kalkwerke dennoch in die sprichwörtliche „Höhle des Löwen“ gestiegen ist und zu einem vom Journalisten Wolfram Lumpe moderierten Bürgerdialog eingeladen hat, zeigt vor allem eines: Es lohnt sich, auf die bewährten Ebenen des Diskurses zurückzukehren. Dass es bei allem ein Für und Wider gibt und Schwarz-Weiß-Denken in den wenigsten Fällen weiterhilft, war eine Erkenntnis, die am Ende einer überwiegend sachlich geführten Debatte stand. Dass ihnen Profitdenken im Schatten des Klimawandels vorgeworfen wird: Zu solchen Vorwürfen haben sich die Kalkwerke Oetelshofen schon des Öfteren geäußert. Gleichermaßen wurden aber auch die Gegner der Abholzung dahingehend in die Pflicht genommen, dass es mit der Verteufelung der Kalkindustrie nicht getan ist. „Kalk kann man nicht bei Aldi kaufen“, sprang Volker Ziess dem Unternehmen mit seiner Wortmeldung zur Seite. Was aus der Aktivistenszene in den zurückliegenden Monaten unternommen worden sei, gleiche dem Dirigat des Panikorchesters durch einen Gehörlosen, so der ehemalige Geschäftsführer des Bergisch-Rheinischen Wasserverbandes (BRW).

Gleichwohl hatte sich das Unternehmen auch den berechtigten Fragen nach Alternativen zu stellen und auch dem Vorwurf, alles der Wirtschaftlichkeit unterzuordnen. Was die Möglichkeiten betrifft, den Abraum woanders zu lagern, war dazu von Geschäftsführer Moritz Iseke zu hören: „Die gibt es nicht.“ Man könne den Abraum nicht einfach bei den benachbarten Kalkwerken in die Grube schütten. Genauso wenig Sinn mache es, jeden Tag 58 LKWs zu beladen, um das Gestein jemand anderem vor die Türe zu kippen. Abgesehen von der ungünstigen CO2-Bilanz, die damit verbunden sei. Eine Innenabkippung, bei der Abraum auf abbaubares Gestein gekippt werde, sei eine Verschwendung eines kostbaren Rohstoffs und für die Kalkindustrie eine „Todsünde“. Sollte man dazu gezwungen werden, könne das die vorzeitige Schließung des Werks mit 100 Mitarbeitern bedeuten.

„Dieser Wald ist auch ein Gefühl. Wenn die Bäume weg sind, fehlt etwas im Herzen“, war von einer Vertreterin der Partei „Die Linke“ zu hören. Das sah auch Claudia Gottwald so, die vor allem denjenigen aus der Seele sprach, die sich industriellen Interessen ohnmächtig gegenüber sehen: „Es hat wenig Sinn, für die Bäume im Amazonas zu kämpfen. Man kann nur dort handeln, wo man ist.“

Ein großes Problem der Kalkwerke in dieser Debatte: Der stetige Meinungswandel in der Öffentlichkeit und auch bei Experten. Vor Jahren noch habe man sich am Anblick herumliegender Bäume und des unaufgeräumten Waldes gestört. Nun freue sich jeder an „Specht-Bäumen“ und Totholz. Dass für jeden gefällten Baum in ausgleichende Naturschutzmaßnahmen investiert werden muss? „Das sind alles nur Taschenspielertricks“, war dazu von einer Biologin zu hören. Den Kalkwerken blieb nichts anderes, als an die Fachleute zu verweisen. Denn dort wird entschieden, ob Bäume gepflanzt oder Sonnenplätze für Reptilien geschaffen werden sollen.

Noch läuft das Genehmigungsverfahren bei der Bezirksregierung, nach einem geplanten Erörterungstermin erfolgt der Planfeststellungsbeschluss.