Nach Rundschau-Recherche ist der Drache jedoch freundlich. Und wartet auf seine Vollendung: Derzeit fehlen noch der Rumpf des Fabelwesens sowie der Schriftzug „Südstadt“, der oberhalb seines Kopfes an die Wand gesprayt werden soll. Doch die Pläne liegen vorübergehend auf Eis: Die vier beteiligten Künstler machen erst weiter, wenn das nötige Spendengeld vorhanden ist.
Die Idee, die Wand zu besprühen, hatte ein Wuppertaler, der direkt dahinter wohnte: Psychologie-Student Darius Frye war Teil der größten WG im Tal, die an den Lidl-Parkplatz in der Viehhofstraße grenzt. Im etwa 1.000 Quadratmeter großen Dachgeschoss teilen sich 22 Personen zwölf Herdplatten, einen Sportraum, eine Dachterrasse und vieles mehr. Nach dem Einkauf fiel Frye vor dem Supermarkt Anfang 2024 auf, wie „hässlich“ die Hauswand ist – und er entschloss sich prompt, den „Schandfleck“ umgestalten zu wollen.
Da kommt es gelegen, dass einer der zwei Eigentümer des Komplexes, zu dem auch eine Motorrad-Werkstatt und ein Schrotthändler zählen, selbst in der „Riesen-WG“ wohnt und sich die beiden gut kennen. Er sei sofort überzeugt gewesen – so wie die Besitzer der Fläche, die von Lidl gepachtet ist.
Das Motiv, das am Ende unter 10.000 Euro kosten soll, haben sich die Wuppertaler Künstler Tom Berger und André Pfeiffer gemeinsam mit Andreas Gothsch und Dan Dinsing, beide aus Hamburg, ausgedacht. Warum der Drache? „Weil er geil aussieht“, sagt Tom Berger.
Der Wuppertaler betreibt seit sieben Jahren den Kunstladen „Le Mietz Art“ an der Friedrichstraße. Er freut sich, dass nach einer Weile auch wieder Wuppertaler an einem Wandgemälde beteiligt sind. Die Künstler der 50 Murals des Urbanen Kunstraums Wuppertal (UKW) stammen hingegen aus aller Welt – kein einziger kommt aus dem Tal.
Mit 2.500 Euro unterstützte der Bürgerverein der Elberfelder Südstadt das Kunstprojekt, das auch durch ein Stipendium von der Wuppertaler Wirtschaftsförderung, Knipex, W-Tec und „Wuppertalaktiv“ mitfinanziert wurde. Das große Ziel für den Bürgerverein ist es, das am dichtesten besiedelte Quartier der Stadt lebendiger zu machen.
Deshalb möchten die Mitglieder 2027 ein Fest mit Flohmarkt und Live-Musik veranstalten. Bereits in den vergangenen Jahren ließ der Verein die Brunnenanlage gegenüber der Stadthalle sanieren oder baute etwa einen Fitness-Parcours auf der Friedenshöhe.