Ob Momente für die Geschichtsbücher oder ganz persönliche Geschichten: Über die Christuskirche in Wuppertal-Elberfeld lässt sich viel erzählen. Schon ihre Einweihung vor 125 Jahren war ein Ereignis, an das sich viele ältere Menschen bis zu ihrem Tod erinnerten. Schließlich kam die deutsche Kaisern Auguste Victoria höchstpersönlich vorbei, um eine von ihr signierte Altarbibel zu schenken – wenn auch erst einige Wochen nach der offiziellen Einweihungsfeier.
In der Nachkriegszeit war der unbeschädigte Kirchraum für viele Nachbarskinder ein sicherer Spielraum. Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten wurden in der Christuskirche gefeiert, Theater gespielt, Musik gemacht, Fotoausstellungen gezeigt und schottischer Whisky getrunken. „An dieser Kirche hängen sehr viele schöne Erinnerungen“, sagt Pfarrerin Lisa Staaden. „Auch ich werde nie vergessen, dass ich hier meine erste Predigt gehalten habe und sehr aufgeregt war.“
Festschrift mit vielen persönlichen Geschichten
Viele Geschichten hat die Gemeinde Elberfeld-Südstadt zum 125-jährigen Bestehen der Christuskirche in einer Festschrift gesammelt, die am Sonntag (12.07.) beim großen Jubiläumsfest verkauft wird. Die Besucherinnen und Besucher können sich in historischen Kostümen fotografieren lassen. Es gibt Spiele, Musik und Theater – und einen Festgottesdienst mit Gospelmusik, in dem Pfarrerin Dorothee Nüllmeier predigt. Er steht unter dem Psalmvers „Vergiss nicht, was Gott, der Herr, dir Gutes getan hat.“
„Es gibt viel Grund Danke zu sagen, denn zahlreiche Menschen haben hier in den letzten 125 Jahren eine geistliche und menschliche Heimat gefunden“, sagt die Theologin. Auch wenn sich etwas Wehmut in die Jubiläumsfeier mische, weil die Gemeinde die im Unterhalt teure und renovierungsbedürftige Christuskirche im Herbst 2027 entwidme, bleibe sie aufgrund ihrer Geschichte ein „Hoffnungssymbol für den Stadtteil“.
Vom Südstadt-Dom zur Materialspenderin
Rund 1.300 Menschen fanden vor dem Zweiten Weltkrieg in der Christuskirche Platz, weshalb sie auch gerne als „Südstadt-Dom“ bezeichnet wurde. Wertvolle Glocken und eine imposante Orgel mit 41 Registern der bekannten Firma Walcker schmückten die Kirche bis zum Bombenangriff im Juni 1943. Das Dach war teilweise abgedeckt, die Fenster zerstört, aber richtig beschädigt wurde sie erst nach dem Krieg, als das Presbyterium sie als Materialspende zum Wiederaufbau der fast völlig zerstörten Südstadt samt ihren Orgelpfeifen freigab.
Die Glocken konnten zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr läuten, denn sie waren von den Nationalsozialisten als Rohstoff für den Krieg eingezogen worden. „Doch wie durch ein Wunder wurden sie nach dem Krieg fast unbeschädigt auf dem sogenannten Hamburger Glockenfriedhof wiedergefunden und zurückgebracht“, berichtet Kirchmeister Claus-Dieter Meier in der Festschrift.
Wie wertvoll sie waren, erfuhr die Gemeinde laut Meier erst in den frühen 2000er Jahren. „Nur zwei komplette Bronze-Geläute aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende sind in Deutschland erhalten, unseres und das der Kreuzkirche in Dresden.“
Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg
Mit dem Wiederaufbau der Christuskirche begann die Gemeinde schon 1948. Der Christuskirchbauverein trieb ihn mit Hilfe von Mitgliederspenden und dem Verkauf von Bausteinen voran. „Die neue Kirche wurde mit nur noch 250 Sitzplätzen in die erste Etage gesetzt, so dass im neu entstandenen Untergeschoss der Christuskirche Gemeinderäume eingerichtet werden konnten, die es vorher nicht gab“, berichtet Claus-Dieter Meier.
1962 kam die neue dreimanualige Schuke-Orgel hinzu. 1989 wurde die gesamte Kirche in die Denkmalliste aufgenommen. Seit 1991 präsentiert das Fotoforum in der „Galerie im Turm“ bis zu neun Ausstellungen im Jahr. 2012 musste der nicht mehr stabile Kupferteil des Turmes komplett ersetzt werden. Dafür schuf die Wuppertaler Künstlerin Ulle Hees die kleine Bronzefigur „Der Turm in Stifterhand“, der als signierte Auflage von 100 Exemplaren zu Gunsten der Turmsanierung verkauft wurde.
Hohe Gebäudekosten, sinkende Mitgliederzahlen
Heute ist es die Nordfassade, die dringend renovierungsbedürftig ist. Rund 77.000 Euro muss die Gemeinde jährlich für den Unterhalt der Christuskirche aufbringen, deren Gottesdienste im Schnitt von rund 50 Menschen besucht wird. „Als Gemeinde haben wir über ein Jahr lang beraten, von welcher unserer Kirchen wir uns angesichts der hohen Kosten und dramatisch sinkender Mitgliederzahlen trennen werden“, erzählt Pfarrerin Lisa Staaden.
Der Beschluss sei dann schweren Herzens, aber mit deutlicher Mehrheit gefasst worden, sich künftig auf den Standort der Johanneskirche zu konzentrieren – zumal in der Südstadt noch andere evangelische Kirchen wie die CityKirche oder Sophienkirche gut zu erreichen seien. „Es ist schade, dass wir die Christuskirche im Herbst 2027 abgeben, aber es war uns allen ein großes Anliegen, das nicht still und leise zu tun, sondern sie jetzt noch mal mit einem großen Jubiläumsfest zu würdigen“, betont Lisa Staaden.