Beim Blick auf die Homepage www.forstrock.de steht in der am Fuß aufgeführten Liste der Unterstützer der Name „Riedel“ an erster Stelle. Der Wuppertaler Weltmarktführer für digitale Funk- und Übertragungstechnik stellt das Kommunikations-Equipment beim komplett von Ehrenamtlern organisierten Festival, das Bela B („Die Ärzte“) für „das zurzeit vielleicht wichtigste in Deutschland“ hält.
Sozusagen zu Riedel mitgebracht hat dieses Projekt Mitarbeiter Ralf Berge, der früher selbst eine Funkgeräte-Vermietung betrieb und in den Anfangszeiten von „Jamel rockt den Förster“ über private Kontakte zu einer Berliner Booking-Agentur mit ins Boot geholt wurde, um Horst und Birgit Lohmeyer bei deren ganz besonderer Mission zu unterstützen.
Hintergrund: Das Ehepaar hatte 2004 einen idyllischen Forsthof im Dörfchen Jamel übernommen. Kurz darauf wurde das knappe Dutzend Häuser in der Nachbarschaft sukzessive von der rechtsradikalen Szene okkupiert. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2017 in seiner Entscheidung zum NPD-Verbotsverfahren „keine Zweifel, dass es sich bei Jamel um einen durch rechtsextremes Denken geprägten Ort“ handele. Auf der Festival-Homepage sprechen Horst und Birgit Lohmeyer von einer gezielten Besiedelung der Nachbarschaft als „nationalsozialistisches Musterdorf“.
Gute Gründe also, um wegzuziehen. Die Lohmeyers jedoch blieben standhaft, hielten vor Ort die Fahne der Demokratie hoch und starteten ein jährliches musikalisches Sommerfest, das sich schnell zum ambitionierten gesellschaftspolitischen Projekt entwickelte. Was mit 30 Zuschauern und einer selbst gebauten Bretterbühne begann, ist inzwischen zu einer 3.500-Besucher-Veranstaltung geworden, bei der sich auch Stars ohne Gage politisch positionieren – und die den Lohmeyers unter anderem den Aachener Friedenspreis einbrachte. Die Toten Hosen (gleich zweimal), Grönemeyer, die Fantas, Kraftklub, Querbeat, Element of Crime, Fury in the Slaughterhouse, Selig, Madsen, die Sportfreunde Stiller – sie alle waren schon da.
Unangekündigt, denn das Line-up ist vorher geheim, weil nicht Fan-Kult, sondern die politische Botschaft im Vordergrund stehen soll. Trotzdem ist „Jamel rockt den Förster“ sofort nach Eröffnung des Ticket-Verkaufs regelmäßig komplett überbucht: Die Karten werden unter den „Teilnahmebewerbern“ verlost. Etwa 20.000 Interessenten gibt es für das Festival – 18.000 schon innerhalb der ersten Stunde, wenn die Kartenverlosung startet.
Nachdem Ralf Berge bei Riedel angeheuert hatte, war ihm klar, dass dieses Charity-Projekt auch zu seinem neuen Arbeitgeber passt. „Wenn Riedel Stellung bezieht, dann ganz klar“, so Berge. Also wird jährlich Funktechnik für die Vernetzung von gut 100 ehrenamtlichen Helfern bei „Jamel rockt den Förster“ aus Wuppertal nach Mecklenburg-Vorpommern geschickt, wo Ministerpräsidentin Manuela Schwesig übrigens Schirmherrin des Festivals ist.
Daraus wollte man bei Riedel eigentlich gar kein Aufmerksamkeits-Kapital schlagen. „Aber wir sind in der Branche bekannt und wollen damit zeigen, dass auch große Player die Sache der Lohmeyers unterstützen“, erklärt Ralf Berge die Logo-Platzierung. Und diese Unterstützung wird gebraucht. Materiell wie moralisch, zumal Horst und Birgit Lohmeyer mittlerweile immer mehr Steine in den Weg gelegt werden. Ähnlich wie im Vorjahr mussten sie sich auch die Durchführung der im September geplanten 2026er Auflage nach Problemen mit Gemeinde und Landkreis juristisch erkämpfen.
Umso wichtiger ist für sie der Support aus der Wirtschaft – und aus Wuppertal. „Ohne diese Unterstützung wäre das komplett ehrenamtlich organisierte Festival gar nicht zu stemmen. Das wäre alles gar nicht zu bezahlen“, freut sich Birgit Lohmeyer beim Rundschau-Besuch vor Ort über die Riedel-Hilfe. Und bestätigt, was Ralf Berge sagt: „Dieses Engagement hat ja auch Signalwirkung für die Gesellschaft und für die Belegschaften der beteiligten Unternehmen.“
Die größte Sorge der Lohmeyers ist aber nicht finanzieller Natur: Im Auge haben sie vielmehr den Ausgang der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, die zwei Wochen nach dem Festival 2026 stattfindet. Horst Lohmeyer spricht angesichts der drohenden AfD-Regierung von einer „Schicksalswahl“, die bei ungünstigem Ausgang auch „Jamel rockt den Förster“ den Boden unter den Füßen wegziehen könnte.
Gibt es dafür einen persönlichen Plan B? „Nein“, bekennt Horst Lohmeyer. Deshalb soll das diesjährige Festival auch den demokratischen Parteien eine Bühne bieten. Ob nach ihnen dann wieder echte Superstars auftreten?
Das wird natürlich noch nicht verraten …