Ronsdorf: Stühle aus Baumstümpfen

Ronsdorf : Stühle aus Baumstümpfen

Die Erich-Fried-Gesamtschule befindet sich direkt am Talsperrenwald. Was liegt da näher, als Staumauer und Walderlebnisweg für eine temporäre Open-Air-Galerie zu nutzen? Gemeinsam haben die Ronsdorfer Künstlerin Ute Scholl-Halbach, die federführend an der Mosaikkunstbank an Kleins Ecke mitgewirkt hat, und Lehrer Sebastian Rupp mit Kindern und Jugendlichen wochenlang Totholz, Steine, Zapfen und Blätter gesammelt und (vergängliche) Kunst im Wald geschaffen.

An Bäumen wurden Gesichter aus ungebranntem Ton angebracht, Stuhllehnen an bestehenden Baumstümpfen befestigt, so dass ungewöhnliche neue Sitzgelegenheiten entstanden. An der Staumauer hing ein großes Bild aus zusammengebundenen Stöcken, das zwei Fische zeigte. Höhepunkt war das Ronsdorf-Wappen aus Naturmaterialen als vergängliches Waldbodenmosaik auf der Westseite der Staumauer.

Ute Scholl-Halbach ließ sich, wie die 42 Kinder, die aus der Klasse 6.3 (durchschnittlich zwölf Jahre alt) und dem Leistungskurs Kunst der 12. Klasse mit 18-Jährigen stammten, von den widrigen Wetterbedingungen — starker Regen am ersten Tag — nicht beeindrucken.

Alle waren mit Begeisterung dabei: "Die Kinder haben sich selber ausgesucht, bei welchen Thema, ob Mosaik, Fisch, Gesichter oder Stühle, sie mitmachen wollten und haben altersgemischt in den Gruppen gearbeitet und durchgehalten."

Deutsch-, Kunst- und Theater-Lehrer Sebastian Rupp nennt den zeitlichen Aufwand von je zwei Doppelstunden, der vor allem außerhalb des Unterrichtes geleistet wurde. Auf die Frage, ob sich im Projektunterricht gestalterisches, kunsthandwerkliches Talent erkennen lässt, antwortet er: "Bei einigen Schülern erkennt man schnell, dass sie praktische, gestalterische Fähigkeiten und Ambitionen im plastischen Bereich haben. Durch das Projekt ist die Motivation sehr hoch und die Schüler geben ihr Bestes."

Das Projekt "Vergängliche Kunst im Wald" wurde, wie schon die Mosaikkunstbank, von der Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien NRW, einem gemeinnützigen Verein der kulturellen Jugendarbeit, finanziell gefördert — außerdem von der Stadtsparkasse Wuppertal.

Fleur Vogel von der Landesarbeitsgemeinschaft: "Landart mit Kindern und Jugendlichen bietet die Möglichkeit, ökologische mit kultureller Bildung zu verknüpfen. Auch Respekt vor der Natur wird spielerisch vermittelt. Was die Umgebung hergibt, wird zu temporären Kunstwerken und der Naturraum zur Galerie auf Zeit."

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Die Ronsdorfer Glaskünstlerin hat Mosaikprojekte an mindestens 20 Schulen, städtischen Einrichtungen und Offenen Türen geleitet. Bergische Diakonie Ernststraße: Bau einer kleinen Mosaikbank und von drei Hockern mit erwachsenen psychisch Kranken. Gestaltung der Mensa in der Grundschule Birkenhöhe als gemalter Dschungel. Zurzeit läuft ein Ferienkunstprojekt mit Kindern von Geflüchteten, im August gibt es ein Kunstprojekt mit Erwachsenen und Kindern im "KuKuNa"-Atelier (Kunst, Kultur, Natur) der Caritas an der Hünefeldstraße, im September folgt ein ein Mosaikprojekt in der Schule am Engelnberg.